Googles Facebook Namensforscher sieht Wachstumssprung bei Google+

Jeden Tag 625.000 Neuanmeldungen, 62 Millionen Mitglieder insgesamt: Ein Namensforscher sieht bei Google+ im Dezember einen so großen Andrang wie noch nie.

Google+: Mit dem Netzwerk sucht Google nach Aufmerksamkeit im Web
dapd

Google+: Mit dem Netzwerk sucht Google nach Aufmerksamkeit im Web


Derzeit melden sich bei Googles sozialem Netzwerk Google+ gut 625.000 neue Mitglieder an - am Tag. Diese Zahl stammt aus einer Hochrechnung von Paul Allen, dem Gründer des Ahnenforschungsportals Ancestry.com.

Allen schätzt die Anzahl der angemeldeten Nutzer bei Google+ auf Basis einer Stichprobe mit 337 Nachnamen, die weltweit vorkommen. Allens Mitarbeiter untersuchen seit Juli 2011, wie oft diese Namen in den öffentlich durchsuchbaren Profilen bei Google+ auftauchen. Auf Basis dieser Häufigkeiten und der bislang von Google veröffentlichten Mitgliederzahlen rechnen sie dann hoch, wie sich die Mitgliederzahl insgesamt entwickelt.

Diesen Hochrechnungen zufolge lief es im Dezember sehr gut für Google+: Laut Paul Allen waren am 27. Dezember 62 Millionen Mitglieder bei dem Dienst registriert - 12 Millionen mehr als Anfang des Monats. Das könnte mit verstärkter Werbung von Google für seine Facebook-Alternative zu tun haben - in den Vereinigten Staaten laufen TV-Spots für Google+, der Dienst wird mehr und mehr in andere Google-Angebote eingebunden.

400 Millionen Mitglieder Ende 2012?

Wenn Paul Allens Zahlen stimmen und der Trend anhält, könnte Google+ Ende Februar 2012 gut 100 Millionen Mitglieder haben. Allen prognostiziert sogar 400 Millionen Google+-Mitglieder bis Ende 2012. Er geht davon aus, dass Netzwerkeffekte greifen (viele Mitglieder ziehen immer mehr neue Mitglieder an) und Google die Popularität seines Betriebssystems Android nutzen wird, um Google+ voranzustreiben.

Das im Juni 2011 vorgestellte Google+ ist der bisher größte Versuch des Konzerns, Facebook ein soziales Netzwerk entgegenzusetzen. Bislang sind viele Ansätze Googles auf diesem Feld gescheitert. Googles Problem ist, dass immer mehr Internetnutzer immer mehr Zeit auf Facebook verbringen. Laut aktuellen Zahlen der Marktforscher von Comscore haben im Oktober 2011 55 Prozent der Internetnutzer weltweit Facebook genutzt. Auf sechs Minuten allgemeine Internetnutzung insgesamt kam in diesem Monat global eine Minute bei Facebook verbrachte Zeit.

Diese Verschiebung der Aufmerksamkeit kann Googles Kerngeschäft - dem Verkauf von Werbeplätzen - auf mittlere Sicht schaden. Denn jede Minute, die Menschen bei Facebook verbringen, bedeutet für Google einen Verlust potentieller Anzeigengeschäfte.

Wie aktiv sind die Mitglieder bei Google+?

Eine entscheidende Information fehlt in den Statistiken von Paul Allen allerdings: Die bloße Mitgliederzahl sagt nichts darüber aus, wie oft und wie intensiv die Mitglieder Google+ tatsächlich nutzen. Google selbst hat hierzu bislang keine aussagekräftigen Informationen veröffentlicht. Facebook zum Beispiel veröffentlicht diese Details: 800 Millionen der derzeit registrierten Nutzer waren in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal auf Facebook aktiv, 50 Prozent dieser 800 Millionen aktiven Nutzer loggen sich täglich bei Facebook ein.

Laut Comscore haben im November 2011 knapp 67 Millionen Menschen Google+ aufgerufen - auf den Facebook-Seiten waren im selben Zeitraum der Comscore-Statistik zufolge 792 Millionen unterschiedliche Nutzer. Das ist zumindest ein Hinweis darauf, dass Google+ nicht nur aus Karteileichen besteht, sondern tatsächlich genutzt wird - wie intensiv auch immer.

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insgesamt 4 Beiträge
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vitalik 28.12.2011
1. Kommentar zum Thema:
Zitat von sysopJeden Tag 625.000 Neuanmeldungen, 62 Millionen Mitglieder insgesamt: Ein Namensforscher sieht bei Google+ im Dezember einen so großen Andrang wie noch nie. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,806014,00.html
Die Sozial-Netzwerke rühmen sich gern mit Zahlen, sind das aber nun Mitglieder oder nur Karteileichen. Es gibt andauernd verschieden Aktionen, bei denen man sich mit seinem Account anmelden muss, um Teil zu nehmen, da werden mal schnell dutzende Accounts gemacht um seine Chance zu erhöhen, kaum einer löscht diese am Ende.
Sok Rat Es 28.12.2011
2. Karteileichen sind nicht das Problem
Zitat von vitalikDie Sozial-Netzwerke rühmen sich gern mit Zahlen, sind das aber nun Mitglieder oder nur Karteileichen. Es gibt andauernd verschieden Aktionen, bei denen man sich mit seinem Account anmelden muss, um Teil zu nehmen, da werden mal schnell dutzende Accounts gemacht um seine Chance zu erhöhen, kaum einer löscht diese am Ende.
Das stimmt schon - ich habe auch ein gutes Dutzend Facebook-Profile, an die ich mich kaum noch erinnere, und die ich nur angelegt habe, um irgendwelche Informationen abzurufen. Diese sollten aber nicht in die Statistiken der *aktiven* Nutzer reinfallen. Viel problematischer finde ich in dieser hinsicht die zahllosen *aktiven Fake-Profile*. Jede noch so kleine Firma muss heutzutage einen Pool an Facebook-Profilen aktiv verwalten, um ihre Produkte bekannt zu machen und Einfluss auf die "öffentliche Meinung" auszuüben. Und PR-Agenturen dürften viele Tausende solcher Profile aufrechterhalten, die jeden Monat Aktivität vorgaukeln. Bei Facebook ist das sehr einfach, da dort keinerlei Plausibilitäts-Überprüfungen durchgeführt werden, wenn man ein Profil anmeldet. Google+ ist da schon ein wenig strikter: Wenn man eine Mobilfunknummer für den Empfang einer Bestätigungs-SMS bereithalten muss bei der Anmeldung, stellt das erstmal schon eine gewisse Hürde dar, gleich zwanzig Profile auf einmal anzumelden. Keine große Hürde, aber immerhin. Auch das dürte zu der scheinbar deutlich größeren "Beliebtheit" von Facebook beitragen.
ErekoseSK 28.12.2011
3. Handynummer keine Pflicht
Zitat von Sok Rat EsDas stimmt schon - ich habe auch ein gutes Dutzend Facebook-Profile, an die ich mich kaum noch erinnere, und die ich nur angelegt habe, um irgendwelche Informationen abzurufen. Diese sollten aber nicht in die Statistiken der *aktiven* Nutzer reinfallen. Viel problematischer finde ich in dieser hinsicht die zahllosen *aktiven Fake-Profile*. Jede noch so kleine Firma muss heutzutage einen Pool an Facebook-Profilen aktiv verwalten, um ihre Produkte bekannt zu machen und Einfluss auf die "öffentliche Meinung" auszuüben. Und PR-Agenturen dürften viele Tausende solcher Profile aufrechterhalten, die jeden Monat Aktivität vorgaukeln. Bei Facebook ist das sehr einfach, da dort keinerlei Plausibilitäts-Überprüfungen durchgeführt werden, wenn man ein Profil anmeldet. Google+ ist da schon ein wenig strikter: Wenn man eine Mobilfunknummer für den Empfang einer Bestätigungs-SMS bereithalten muss bei der Anmeldung, stellt das erstmal schon eine gewisse Hürde dar, gleich zwanzig Profile auf einmal anzumelden. Keine große Hürde, aber immerhin. Auch das dürte zu der scheinbar deutlich größeren "Beliebtheit" von Facebook beitragen.
Sie hätten etwas genauer hinschauen sollen, denn ganz klein steht unter der Forderung, dass man ohne Handynummer zum nächsten Schritt weiter gehen kann. Aber die PR-Agenturen wissen das sicherlich.
Sok Rat Es 28.12.2011
4. Sms
Zitat von ErekoseSKSie hätten etwas genauer hinschauen sollen, denn ganz klein steht unter der Forderung, dass man ohne Handynummer zum nächsten Schritt weiter gehen kann. Aber die PR-Agenturen wissen das sicherlich.
Wann haben Sie sich denn angemeldet? Ich habe einige Profile noch in der Zeit gemacht, als man von existierenden Mitgliedern "eingeladen" werden musste. Damals ging es ohne zwingende SMS. Mein letztes Profil habe ich exakt einen Tag nach der Öffnung von Google+ für alle (also einladungsfrei) gemacht. Da bin ich leider nicht um die SMS herumgekommen. Nach dem Anlegen des Profils (was noch ohne SMS ging) wurde ich bei jeder Anmeldung aufgefordert, das Profil zu "aktivieren", solange, bis ich schließlich eine Mobilfunknummer angegeben hatte. Aber möglicherweise hat Google das inzwischen liberalisiert - werden sich vermutlich viele Leute drüber beschwert haben. Für die ist die SMS wohl auch nicht das große Problem - die laufenden Kosten für die Erzeugung von "Aktivität" in den Profilen dürften auf Dauer um einiges höher werden als das Bereithalten unterschiedlicher IPs oder unterschiedlicher Mobilfunknummern.
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