GPS-Spoofing: Forscher fälschen GPS-Signal, lenken Schiff um

Motoryacht (Symbolbild): US-Forscher haben per GPS-Manipulation ein Schiff auf falschen Kurs gebracht Zur Großansicht
dapd

Motoryacht (Symbolbild): US-Forscher haben per GPS-Manipulation ein Schiff auf falschen Kurs gebracht

So könnte man heutzutage ein Schiff umlenken: Mit einem gefälschten GPS-Signal hat eine Forschergruppe der Uni Texas erfolgreich den Kurs einer Luxusyacht manipuliert. Das dafür benötigte Gerät soll nicht größer sein als eine Aktentasche.

Wie schwierig ist es, eine Luxusyacht auf einen neuen Kurs zu locken? Nicht sonderlich, diesen Eindruck vermittelt zumindest ein Experiment der University of Texas. Ein Forscherteam der Hochschule berichtet, man habe im Juni erfolgreich eine Superyacht vom Kurs abgebracht. Die Forscher haben ein selbst konstruiertes GPS-Spoofing-Gerät genutzt, es soll ungefähr so groß wie eine Aktentasche sein.

Der Angriff lief so ab: Die Forscher haben gefälschte GPS-Signale ausgesendet und so die GPS-Empfänger des Schiffes getäuscht. Das Team hatte sein Experiment während der Fahrt von Monaco nach Rhodos durchgeführt. Ein kurzes Animationsvideo stellt das Vorgehen nach, welches mit dem Besitzer der "White Rose of Drachs" abgesprochen war. Dem Experiment-Bericht zufolge hielten sich zwei Doktoranden auf dem Oberdeck auf - ihnen war bekannt, wo sich die GPS-Antennen des Schiffes befinden. Nach und nach erhöhten sie mit ihrem Gerät die Stärke ihrer Fake-Signale, bis diese die echten überlagerten. Alarme löste diese Beeinflussung nicht aus.

Kursänderung provoziert

Als sich die Schiffsnavigation schließlich an den Fake-Signalen orientierte, suggerierten die Angreifer ein geringfügiges Abkommen vom geplanten Kurs, jeweils um wenige Grad. Crewmitglieder korrigierten daraufhin mehrfach die Richtung - womit sie das Schiff vom ursprünglich geplanten Kurs abbrachten.

Mit dem Mittelmeer-Experiment will das Team aus Austin Aufmerksamkeit auf das Thema GPS-Manipulation lenken: Spoofing sei eine ernste Bedrohung für Schiffe und andere Transportformen, heißt es im Uni-Bericht.

Die Tech-Website The Register warnt allerdings davor, den Praxistest überzubewerten: Das Gerät des Uni-Teams sei lediglich in der Lage, zivil genutzte GPS-Systeme zu täuschen, keine militärischen. Zudem sei es auch bei Yachten wie der "White Rose of Drachs" wahrscheinlich, dass die Crew zumindest eine erhebliche Kursänderung bemerken würde.

mbö

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Absicherung
cosy-ch 30.07.2013
saemtliche Samsung Smartphones sowie Tablezs seit einem Jahr koennen nicht nur das Us-am. GPS empfangen und auswerten, sondern ebenso das GLONASS (russisch) in 2-3 jahren wird zudem das wesentl. faelschungssichere europ. Galileo einsatzbereit sein. Entsprechende Konvergenztests in den Empfangsgeraeten sind mit sehr wenig Aufwand machbar, im Falle der Smartphones sehr schnell. Garmin hat entsprechende Ansaetze in den neusten Aviatuk-Produkten angekuendigt.
2.
nickmason 30.07.2013
---Zitat--- ...dass die Crew zumindest eine erhebliche Kursänderung bemerken würde. ---Zitatende--- Bei der heutigen Technikgläubigkeit der Menschen ist zu befürchten, dass dies eben nicht bemerkt wird. Wenn ein Schiff mit Südkurs die Sonne mittags an der Seite stehen hat, dann wird mit dem GPS schon alles richtig sein, weil eben einfach die Sonne falsch geht. Zudem ist es nur ein schwacher Trost, dass militärische Geräte nicht betroffen sein sollen. Umgelenkte und entführte zivile Frachter oder Flugzeuge können auch bedrohlich sein, entweder wirtschaftlich oder aber als Waffe. Von daher ist das Fazit von The Register eher beängstigend ignorant als wirklich beruhigend.
3. Tomorrow never dies..
fpwinter 30.07.2013
Und das soll was NEUES sein? Seit dem Bond-Film "Tomorrow never dies" weiß auch das gemeine Volk, das das funktioniert (theoretisch, auch wenn die das für Science Fiction gehalten haben damals). "Was gibts neues? Was gibts neues? Jeder will wissen was sich tut! Gestern noch ein altes Eisen, heute schon ein alter Hut!" (Ulrich Roski) Für wie dämlich hält man uns denn eigentlich?
4. James Bond Methoden
n01 30.07.2013
Zitat von fpwinterUnd das soll was NEUES sein? Seit dem Bond-Film "Tomorrow never dies" weiß auch das gemeine Volk, das das funktioniert (theoretisch, auch wenn die das für Science Fiction gehalten haben damals). "Was gibts neues? Was gibts neues? Jeder will wissen was sich tut! Gestern noch ein altes Eisen, heute schon ein alter Hut!" (Ulrich Roski) Für wie dämlich hält man uns denn eigentlich?
Ich kenn diesen Film nicht. Muss man ihn unbedingt kennen, um up to date zu sein? Aber angeblich haben die Iraner ja schon eine Drohne umgelenkt. Vielleicht haben die auch vorher den Film gesehen. Wenn die Crew Mitglieder auf dem Schiff noch einen mechanischen Kompass haben, sollte ihnen aber eine Abweichung auffallen. Ich habe langsam das Gefühl, das die alte Technik doch nicht immer sooo schlecht ist.
5. .
TS_Alien 30.07.2013
Offensichtlich ist ein direkter Zugang zur Antenne für die Fake-Satelliten (zusätzliche GPS-Sender) notwendig. D.h. eine Beeinflussung aus der Ferne scheint wesentlich schwieriger zu sein. Es wäre interessant zu erfahren, ob normale GPS-Anlagen registrieren, ob sich die GPS-Satelliten bzw. -Fake-Satelliten wie gewohnt bewegen (das ist an der Signaländerung erkennbar).
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Zum Autor
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    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

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