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Graffiti-Video: "Air Force One"-Kopie narrt US-Militär

Auf einer Internetseite ist ein Video aufgetaucht, in dem Graffiti-Vandalen das Flugzeug von US-Präsident George W. Bush beschmieren. Der Film verunsicherte selbst das US-Militär - und entpuppte sich später als spektakuläre Kunst-Aktion.

Das Video wirkt echt. Sehr echt. Sprühdosen-Rambos, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, überwinden Stacheldraht-Zäune, schleichen sich an Wachposten mit Hunden vorbei, nähern sich der "Air Force One" und sprühen den Schriftzug "Still Free" an eines der Triebwerke des Jumbo-Jets.

Als Air Force One getarntes Flugzeug mit "Still Free"-Graffiti: Aktionskünstler narren das US-Militär
AP

Als Air Force One getarntes Flugzeug mit "Still Free"-Graffiti: Aktionskünstler narren das US-Militär

Der Film verbreitete sich in Windeseile durchs Internet - und wirkte so authentisch, dass selbst die US Air Force nachschauen musste, ob die "Air Force One" tatsächlich zum Ziel von Sprayern geworden war. "Wir sehen uns das an", sagte Bruce Alexander, Sprecher der US-Luftwaffeneinheit, die für den Betrieb der Präsidenten-Maschine verantwortlich ist. "Es sieht sehr real aus."

Kein Wunder, denn die vermeintlichen Vandalen hatten weder Kosten noch Arbeit gescheut. Sie hatten nicht etwa ein digitales Abbild der "Air Force One" in ein Allerweltsvideo eingebaut, sondern in Kalifornien eine echte Boeing 747 gemietet. Unter strengster Geheimhaltung wurde die Maschine umgespritzt - so dass sie am Ende dem Dienstflugzeug des US-Präsidenten täuschend ähnlich sah. Die Arbeiter, die den Jet auf dem Flughafen in San Bernardino bemalt haben, mussten Medienberichten zufolge sogar schriftlich ihr Stillschweigen zusichern.

Air-Force-Sprecher Alexander musste später einräumen, dass man einer Täuschung aufgesessen sei. Es war das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass die "Air Force One" für Schlagzeilen sorgte. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die US-Luftwaffe versehentlich als geheim eingestufte Sicherheitsdaten über das Präsidenten-Flugzeug im Internet veröffentlicht hatte.

"Ich wollte etwas kulturell Bedeutendes machen und einen echten Moment der Popkultur schaffen", sagte Marc Ecko, Inhaber einer New Yorker Modefirma und Urheber des Videos. Die Aktion sei "völlig respektlos" und eigentlich leicht als Spaß zu erkennen: Dass eine "eine Fünf-Dollar-Spraydose diesem Riesen einen Pickel verpasst", sei in Wirklichkeit niemals denkbar.

"Marc Ecko Enterprises befürwortet keine illegalen Handlungen, Vandalismus oder die Zerstörung fremden Eigentums", heißt es auf der Webseite des Unternehmens. "Wir befürworten jedoch die freie Meinungsäußerung und Graffiti als eine anerkannte Kunstform."

In einem weiteren Video erklärte Ecko die Gründe für die spektakuläre Aktion: Die Gründerväter der USA hätten Traditionen und Konventionen abgelehnt und das Land so zum freiesten Ort der Welt gemacht. "Die wahrscheinlich größte Verantwortung des Präsidenten ist es, unsere Freiheit zu schützen", lautet Eckos bissiger Kommentar. Und das höchste Gut sei das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Wie viel die Aktion gekostet hat, wollte Ecko nicht verraten. "Billig war es nicht", sagte er. "Man muss schon reich sein."

mbe/AP

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