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Gratis-W-Lan in Italien: Das Internet kommt mit der Straßenbahn

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Stadtweites W-Lan ist out? Nicht in Italien, wo gleich an mehreren Orten konkrete Schritte für kostenlose Netze gemacht werden. Beim Aufbau der Infrastruktur zeigen sich die Behörden äußerst kreativ.

W-Lan-Infrastruktur: Gratis durch Italien surfen Fotos
DPA

In Deutschland wird sie immer wieder gerne aufs Tapet gebracht, die Idee vom kostenlosen und stadtweiten Zugang zum Internet-Funknetz. Doch tatsächlich dümpeln die Projekte vor sich hin. Selbst in der Hauptstadt Berlin versandete das im letzten Sommer vom Regierenden Bürgermeister Wowereit angekündigte Umsonst-W-Lan im Genehmigungswirrwarr.

In Italien sind die Verantwortlichen ungleich tatkräftiger. Gleich zu Beginn des neuen Jahres wurden schon an zwei Orten ehrgeizige Projekte zur Einführung städteweiter Funknetze angestoßen. Vorreiter ist die Hauptstadt Rom, wo sich Mitte Januar Politiker der Provinz, der Stadt und der CNA, des Verbandes für das Handwerk und die kleinen und mittleren Unternehmen, zusammentaten. Ihr Ziel: Das gesamte Stadtgebiet mit einem dichten Netz von kostenlosen Hotspots zu überziehen.

Dafür stehen über 4.200 Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer bereit. Egal ob in der Espresso-Bar, im Restaurant oder beim Friseur, noch in diesem Jahr soll es den Kunden möglich sein, drahtlos und umsonst online gehen zu können. Die benötigten Geräte sollen den Ladeninhabern von der Handwerkskammer zur Verfügung gestellt werden. Danach sieht die Planung vor, in Zusammenarbeit mit der Provinz Rom für die weitere Anbindung des Stadtnetzes an die W-Lan-Infrastruktur des Umlandes zu sorgen.

Mit diesem Projekt bauen die Netzunterstützer auf bereits erfolgte Vorarbeiten auf. In deren Verlauf wurden in den vergangenen zwei Jahren bereits an die 500 Hotspots an öffentlichen Orten Roms installiert. Dazu gehören der Park der Villa Borghese, die Universität Roma Tre, die Universitätsklinik oder der beliebte Innenstadtplatz Campo de' Fiori.

Überregionale Vernetzung

Die geplante Erweiterung beschränkt sich aber keineswegs aufs römische Umland. Im November 2010 wurde die landesweite Initiative "Free Italia Wi-Fi" ausgerufen. Erklärtes Ziel: das ganze Land mit drahtlosen Gratis-Internet versorgen. Zu diesem Zweck sollen die bereits vorhandenen öffentlichen Funknetze in einem Verbund zusammengeschlossen werden. Wesentlicher Punkt ist dabei die Möglichkeit eines einheitlichen Logins. Was bedeutet, dass sich ein Nutzer mit derselben User-ID und Passwort beim Netz anmelden kann, ganz egal, in welchem Partnernetz er sich befindet.

An diesem von der Provinz Rom begonnenen Versuchsprojekt nehmen derzeit schon Venedig und ganz Sardinien teil. Außerdem signalisierten verschiedene weitere Provinzen wie die von Turin und Florenz ihr Interesse.

Für Nicola Zingaretti, den Präsidenten der Provinz Rom, stellt das Projekt nicht weniger als "ein weiteres großes Kapitel der Modernisierung des Landes" dar: " Wir wollen damit unsere Erfahrungen teilen, die wir seit anderthalb Jahren mit unserem Programm 'W-Lan-Provinz' gemacht haben", fügt er an.

Das Internet kommt mit der Straßenbahn

In der Stadt Florenz werkeln die Verantwortlichen derweil an einem anderen Weg, die Bürger zum Nulltarif ins Internet zu bringen. Hier sind es nicht Ladenbesitzer und Betreiber kleiner Unternehmen, hier soll die Straßenbahn das Internet bringen. Genauer gesagt: ihr Schienennetz.

Eben erst haben die Stadtväter eine Ausschreibung im Volumen von 1,5 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Bis Ende Februar soll feststehen, welches Unternehmen die 7,5 Kilometer lange Strecke inklusive 14 Haltestellen der mitten durchs Zentrum führenden Straßenbahnlinie 1 mit Funkantennen und unterirdischer Verkabelung ausstattet. Die Fertigstellung ist für den Sommer vorgesehen, dann haben alle Nutzer der Straßenbahn und Anwohner im Umkreis von 100 Metern die Möglichkeit zum freien Zugang ins Netz. Mit dem Straßenbahn-Netz werden außerdem elf Plätze in der Innenstadt verbunden, an denen bereits seit Ende 2009 freier Onlinezugang gewährt wird. Bis Ende des Jahres sollen weitere fünf Zonen dazukommen.

Allerdings ist die Freiheit nicht total. Die User können pro Tag für eine Stunde oder bis einem Download-Volumen von 300 Megabyte online gehen.

Trotzdem eine tolle Sache, die Betrachter aus Deutschland geradezu neidisch macht. Wenn da nicht noch ein kleiner Haken wäre. Denn noch weiß quasi kein Mensch in Florenz von seinem Glück. Es gibt in der ganzen Stadt keinen einzigen Hinweis für das Gratis-W-Lan. Gerade, als die Stadt ein breite Werbekampagne starten wollte, wurde sie vom Denkmalschutz zurückgepfiffen. Die Behörde erklärte, sie werde unter allen Umständen eine Plakat-Invasion des historischen Zentrums verhindern. Mit der Folge, dass sich jeden Tag höchstens ein paar Dutzend Nutzer ins Umsonstnetz einloggen.

Neue Regeln, alte Gewohnheiten

Auf lange Sicht soll das Projekt jedoch nicht in öffentlicher Hand verbleiben. Nach Beendigung der Testphase planen die zuständigen Behörden, den Betrieb an einen privaten Anbieter zu übergeben. Simone Tani, zuständig für die Stadtentwicklung von Florenz, erklärt, die erste halbe Stunde könnte für Anwender weiterhin kostenlos bleiben. Danach würde dann eine geringe Summe fürs weitere Surfen erhoben werden. Das alles sei aber derzeit noch Zukunftsmusik.

Im Laufe dieses Jahres sollen in Florenz, ähnlich wie in Rom, dann auch Ladenbesitzer ins Boot geholt werden. Bis zum 15 November können sie sich zur Teilnahme am Internet-Projekt anmelden.

Damit die Gratisnetze zu eiunem Erfolg werden können, sollen die vor sechs Jahren im Rahmen des Antiterrorkampfes aufgerichteten bürokratischen Hürden fallen: von der jeweiligen Genehmigung durch die Präfektur über die komplette Identifizierung des Nutzers bis zur Registrierung des Traffics.

Allerdings schweben die Macher noch im juristischen Nirgendwo. Denn bislang sind die entsprechenden neuen Verordnungen nicht rechtskräftig ergangen. Was bedeutet, dass jeder Ladenbesitzer eigentlich dazu verpflichtet wäre, die Identität seiner surfenden Kunden aufzuzeichnen.

Eigentlich. Aber das unterscheidet Italien oft von anderen Weltgegenden: Auch wenn die formalen Rahmenbedingungen nicht immer optimal sind, arbeiten die Menschen unverdrossen am Fortschritt.

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
Motorpsycho 26.01.2011
Die User-ID muss ja sein, sonst wüsste man ja gar nicht, wem man die Abmahnungen zuschicken sollte und wo wer sich auf welchen Seiten so herumtreibt.
2. In Dänemark ...
balu45657 26.01.2011
... gibt's das in der Kopenhagener S-Bahn schon lange.
3. Gute Nachrichten
Wilhelm Klaus 26.01.2011
Zitat von sysopStadtweites W-Lan ist tot? Nicht in Italien, wo gleich an mehreren Orten konkrete Schritte für kostenlose Netze gemacht werden. Beim Aufbau der*Infrastruktur*zeigen sich*die Behörden*äußerst kreativ. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,741190,00.html
Das sind doch mal gute Nachrichten, wo mir bisher in italienischen Hotels WLAN Zugang für 2 Eur/halbe und 5 Eur/volle Stunde gnädig gewährt wurde.
4. Nicht ganz aktuell
flieger17 26.01.2011
Da sind andere Regionen in Italien weiter: Das gibts in Verona schon lange und auch in Bardolino, wo sich jeder kostenlos registrieren kann.
5. Bewegungsprofile
abfallverwertung 26.01.2011
Den Preis, den die Nutzer des Netzes dafür zahlen: Sie werden ausspioniert, Bewegungsprofile werden erstellt, Surfgewohnheiten protokolliert. Das freut dann die beteiligten Unternehmen. Die bekommen dann individuelle Kundendaten.
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W-Lan-Verschlüsselung
Warum verschlüsseln?
Da die Reichweite eines W-Lan-Netzes meist über den Bereich der eigenen Wohnung hinausgeht, ist eine Sicherung des drahtlosen Internetzugangs (Wireless Local Area Network, WLAN) unerlässlich. In einem Grundsatzurteil vom 12. Mai 2010 entschied der Bundesgerichtshof, dass Internetnutzer ihren W-Lan-Anschluss mit einem eigenen Passwort sichern müssen. Denn über ein ungesichertes Netzwerk können zum einen Unbefugte an die Daten und Dateien auf dem Computer des W-Lan-Besitzers gelangen - oder aber den drahtlosen Internetzugang nutzen, um damit Illegales zu tun, etwa urheberrechtsgeschützte Musik oder Filme herunterladen.
Veraltete WEP-Verschlüsselung
WEP steht für Wired Equivalent Privacy, wird manchmal fälschlicherweise auch mit Wireless Encryption Protocol übersetzt. Der Verschlüsselungsstandard stammt aus dem Jahr 1997 und gilt als hoffnungslos veraltet. Schon seit dem Jahr 2001 ist bekannt, wie sich WEP-Verschlüsselungen überwinden lassen, heute gibt es spezielle Software, mit der sich WEP-gesicherte Netze in Minuten knacken lassen.
WPA1 und WPA2
WPA steht für Wi-fi Protected Access. Der Verschlüsselungsstandard wurde eingeführt, um die wertlos gewordene WEP-Verschlüsselung abzulösen. Seit 2006 müssen neue Geräte mit Wi-fi-Zertifikat den Standard WPA2 beherrschen, weil auch WPA1 nicht mehr als sicher gilt. Heimanwender verwenden in der Regel den sogenannten Pre-Shared-Key-Modus (PSK). Dabei kommt ein 256 Bit langer Schlüssel zum Einsatz, der entweder in Form von 64 hexadezimalen Stellen oder in Form eines Passwortes mit einer Länge von 8 bis 63 ASCII-Zeichen eingegeben wird. Letzere Variante birgt eine Gefahr: Wird ein schwaches Passwort verwendet, kann auch eine WPA2-Verschlüsselung durch einfaches Ausprobieren geknackt werden. Ein gutes Passwort enthält möglichst viele unterschiedliche Zeichenarten, also Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Ziffern. Regelmäßiges Wechseln der Passwörter erhöht die Sicherheit zusätzlich.
Weitere Schutzmaßnahmen
Zu empfehlen ist nebem dem Einsatz einer aktuellen Verschlüsselungs-Software auch, die Netzwerk-Identifikation des eigenen Routers zu ändern. Die sogenannte SSID ist bei vielen Router-Herstellern ein Standard-Begriff, es empfiehlt sich, Netzwerknamen (SSID) und das vorgegebene Verschlüsselungs-Passwort beim Einrichten zu ändern. Eine weitere Sicherungsmöglichkeit ist, dem Router genau anzugeben, welche Geräte über ihn online gehen dürfen. Dazu müssen die sogenannten MAC-Adressen aller Geräte im Haushalt im Router-Menü eingegeben und die entsprechende Beschränkung eingestellt werden.


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