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der Mai ist da, und mit ihm nicht nur der Muttertag (bevor Sie selbst suchen müssen: Sonntag, 14. Mai). Donnerstag ist zunächst World Password Day, der Tag, an dem jeder, der schwache Passwörter nutzt, mindestens ein schlechtes Gewissen haben sollte. Für ein Mindestmaß an Sicherheit im Netz reicht es schon, wenige Grundregeln wie die folgenden zu beachten:

  • Benutzen Sie starke, längere Passwörter, sprich: Wählen Sie vor allem nicht den Namen des Ehepartners, nicht "123456", nicht total ironisch "Passwort" als Passwort.
  • Benutzen Sie Ihre Passwörter nicht doppelt oder noch öfter. Wird nämlich ein Dienst gehackt - und damit womöglich Ihr Passwort bekannt -, kann man Ihnen sonst auch woanders Daten abluchsen.
  • Nutzen Sie Zwei-Faktor-Authentifizierung: Stellen Sie beispielsweise Ihren E-Mail-Account oder Ihre Google- und Facebook-Apps so ein, dass Sie den Login zusätzlich per Handy-App bestätigen müssen. So ist Ihr Konto auch dann noch nicht geknackt, wenn jemand Ihr Passwort kennt.
  • Prüfen Sie, ob es gefährliche Hintertüren gibt, mit denen Kriminelle auch ohne Passwort an Ihre Accounts kommen. Oft sind etwa vermeintliche Sicherheitsfragen so unsicher, dass selbst Dritte sie beantworten können ("Wo wurden Sie geboren?"). In solchen Fällen hilft es, sich andere, nicht objektiv richtige Antworten auf die Fragen auszudenken und sich diese zu merken.
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Ich selbst nutze seit einigen Jahren einen Passwortmanager, um die Übersicht über meine Kennwörter zu behalten. Die allerwichtigsten Passwörter lasse ich das Programm zwar nicht wissen, praktisch führt es aber dazu, dass jetzt sogar eher unwichtige Accounts mit automatisch generierten Passwörtern wie 4K8y0SQgpFhv geschützt sind. Selbst merken brauche ich mir diese Zeichenfolgen ja nicht. Und der Login in meinen Passwort-Tresor lässt sich auch per Zwei-Faktor-Authentifizierung schützen.

Falls Sie nicht nur Ihre Passwörter ändern wollen, sondern direkt noch Lust auf einen Elektronik-Frühjahrsputz haben, hat hier unser Autor Jörg Breithut einige praktische Tipps für Sie. Und ich will ehrlich sein: Anders als der World Password Day macht mir dieser Text wirklich ein schlechtes Gewissen.

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re:publica: Zu viel des Guten

Fürs Putzen haben wir gerade ohnehin wenig Zeit, wir bereiten zwei größere Termine vor: Mein Kollege Matthias Kremp fliegt bald zur Microsoft-Konferenz Build, diverse andere Kollegen und ich sind nächste Woche in Berlin auf der Netzkonferenz re:publica. Wer dorthin will, kann schon mit Programm-Durchschauen viel Zeit verbringen: An drei Tagen bieten die re:publica und die parallel stattfindende Media Convention über 450 Veranstaltungen mit mehr als 940 Personen auf der Bühne.

Winkekatzen auf der re:publica 2015
SPIEGEL ONLINE

Winkekatzen auf der re:publica 2015

Ich finde, das ist längst zu viel des Guten: Die Aussicht, 420 potenziell spannende Talks sicher zu verpassen, ist unbefriedigend. Andererseits ist es bei Konferenzen oft wie bei Musikfestivals: Da spielen auch immer die besten Bands gleichzeitig - am Ende verpasst man womöglich alle, weil man auf dem Campingplatz jemand Nettes getroffen hat. Vermutlich sehen wir uns also im re:publica-Hof.

Grimme Online Award: #Ichbinhier nominiert

Ein gutes Gesprächsthema auf jeder re:publica sind die Nominierungen für den Grimme Online Award, Deutschlands wichtigsten Web-Preis. Die für 2017 sind gerade bekannt geworden. Bemerkenswert finde ich, dass diesmal eine Facebook-Gruppe als preisverdächtig gilt: #Ichbinhier, von wo aus Gründer Hannes Ley gemeinsam mit vielen anderen Nutzern für einen besseren Umgangston im Netz eintritt.

Hannes Ley
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Hannes Ley

Persönlich freut mich neben den Nominierungen der SPIEGEL- und SPIEGEL-ONLINE-Projekte "Rette sie, wer kann" und "Was heißt schon arm?" vor allem die Erwähnung von "Notes on Blindness". Dahinter verbirgt sich eine beeindruckende Virtual-Reality-Erfahrung, die Sehenden eine Vorstellung davon gibt, wie es ist, blind zu sein. Verliehen wird der Grimme Online Award am 30. Juni.


Seltsame Digitalwelt: Die Roboter kommen - Stück für Stück
eine Anekdote von Matthias Kremp

Es hatte sich verlockend angehört: Einen Roboter selbst bauen, unter Anleitung, Stück für Stück. Und alle nötigen Bauteile werden nach Hause geliefert. Das war das Versprechen, als 2015 das Sammelheft "Robi" erschien. Doch schon nach wenigen Ausgaben wurde die deutsche Ausgabe des Hefts eingestellt.

Ich als Gadget-Journalist hatte damals die Wahl, künftig entweder die englische Version kostenlos geschickt zu bekommen (normalerweise kostet das Set 72 Euro pro Monat, bei 18 Monaten Lieferdauer) oder die deutsche zu kündigen, was ich tat. Den Hersteller interessierte das jedoch anscheinend nicht.

Robi/ Roboter-Bausatz
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Robi/ Roboter-Bausatz

Seit der vierten Ausgabe bekomme ich regelmäßig die britische Variante des Heftes und weiß noch nicht so recht, ob ich mich noch an den Zusammenbau trauen soll. Der Karton, in dem ich die "Robi"-Teile sammle, ist mittlerweile jedenfalls voll.

App der Woche: "Castbox"
getestet von Sebastian Meineck

CastBox.FM

"Castbox" ist eine App für Podcast-Liebhaber. Seit dem neuesten Update können Nutzer auch eigene Produktionen aufnehmen und hochladen. Wer lieber nur zuhören will, kann mit "Castbox" deutsche und internationale Podcasts finden, abonnieren und herunterladen. Die App überzeugt durch übersichtliche Menüs und einfache Bedienung.

Nutzer von iOS können "Castbox" nur aus dem US-App-Store laden. Für sie ist die Apple-eigene App "Podcasts" eine gute Alternative.

Gratis von Castbox.FM, ohne In-App-Käufe: iOS, Android

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Turned On: Love Me Tinder" (Video, 41 Minuten)
    Die Netflix-Dokuserie "Hot Girls Wanted" dreht sich ums Thema Sex im Digitalzeitalter. Skurril-bedrückend ist Folge zwei: Darin wird ein ehemaliger Reality-TV-Star, den man für den Meister der App-Dater halten könnte, mit der Kamera begleitet. Doch nicht nur die Frauen, die er abserviert, wirken unglücklich.

  • "Mimimi Productions und der DCP 2017: Alle Fragen offen" (fünf Leseminuten)
    Beim Deutschen Computerspielpreis in Berlin gab es vergangene Woche einen Moment, der Aufsehen erregte: Das Münchner Studio Mimimi Productions kündigte an, keine Preise anzunehmen. "Gameswirtschaft" hat versucht, die Hintergründe zu klären.

  • "Ich habe mit dem neuen CSU-Bot gechattet, damit ihr es nicht müsst" (sieben Leseminuten)
    Ja, tatsächlich: Die CSU hat seit Kurzem einen Chatbot. Ernsthaft unterhalten kann man sich mit "Leo" aber nicht, zeigt ein Test von "Motherboard" mit vielen Screenshots.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Kurzwoche,

Markus Böhm

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 02.05.2017
1. Das sicherste Passwort
ist doch schon lange bekannt: "IT-Experten küren Mb2.r5oHf-0t zum sichersten Passwort der Welt". Seitdem fühle ich mich richtig gut geschützt.
CaptainSubtext 02.05.2017
2.
* Benutzen Sie starke, längere Passwörter Uneingeschränktes Ja. * Benutzen Sie Ihre Passwörter nicht doppelt Unsinn. Für unwichtige Accounts bei denn nichts Privates oder Monetäres vonstatten geht (wie mein SPON Account) kann man ein Standardpasswort benutzen. * Nutzen Sie Zwei-Faktor-Authentifizierung Gute Idee. Es ist zu beachten, dass man dann IMMER, wenn man sich einloggen will, eine Internetverbindung mit dem Handy haben muss. Ist speziell im Ausland nicht immer gewährleistet. * Prüfen Sie, ob es gefährliche Hintertüren gibt Guter Tipp. Noch besser wäre es, wenn Anbieter solche Fragen nicht anbieten würden.
jelissei 02.05.2017
3. Gute Passwörter sehen so aus:
AirplaneWieseBauernhofNieve vielleicht noch mit einer "1" anstatt dem "l", einer "4" statt "A" oder einer "0" anstatt einem "o". Das kann man sich gut merken und ist länger als "Mb2.r5oHf-0t" und darum schwerer für einen Computer zu knacken. Man kann sich sogar ein Bild malen mit einem Flugzeug, dass über einer mit Schnee bedeckten Wiese mit Bauernhof fliegt.
vitalik 02.05.2017
4.
"Prüfen Sie, ob es gefährliche Hintertüren gibt" Abseits des simplen Beispiels mit der Sicherheitsfrage (Paris-Hilton-Hack), wie schafft man als Endnutzer so etwas zu prüfen? Mittlerweile gibt es so viele Fälle von schlechten Sicherheitskonzepten bei den Anbietern. Angefangen bei den Passwörtern, die als Klartext in den Datenbanken abgelegt werden über riesige Pannen mit Adminzugriffe bis hin zu Datenlecks, wo über einen Aufruf einfach alle Daten in der Datenbank geliefert wurden.
hegoat 02.05.2017
5.
Mal wieder tolle Tipps, nur vollkommen illusorisch, da sich die wenigsten a) lange und komplizierte Passwörter merken können und b) davon gleich mehrere. Das ist wie der Tipp, vor dem Losfahren die Bremsen und Beleuchtungseinrichtungen des Fahrzeugs zu prüfen. Sinnvoll, denn sonst gibt's Ärger mit der Polizei, und wichtig, denn es rettet im Zweifel Menschenleben, aber ebenfalls absolut illusorisch.
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