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Groupon-Chef Andrew Mason: "Wir werden das Betriebssystem des Handels"

Kein Unternehmen ist jemals so schnell gewachsen wie das Rabattportal Groupon. Nun tut sich der Schnäppchendienst mit der Deutschen Telekom zusammen, will den hiesigen Mobilmarkt erobern. Gründer Andrew Mason über die Innenstadt der Zukunft, leere Läden und Burger-Preise je nach Tageszeit.

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Groupon-Website: "Sehr komplexes und kleinteiliges Geschäft"

SPIEGEL ONLINE: Wissen Sie, ab wann Sie nach Ihrem Börsengang erstmals Aktien verkaufen dürfen?

Mason: Irgendwann im Mai glaube ich. Aber wenn Sie mit der Frage andeuten wollen, ob ich die Tage zähle - das tue ich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie denn Aktien verkaufen?

Mason: Irgendwann sicher. Ich habe auch schon vor dem Börsengang Anteile verkauft. Aber ich habe finanziell ohnehin alles erreicht, was ich je wollte. Ich mache weiter, weil mich Groupon begeistert.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Unternehmen ist derzeit mit etwa 12,5 Milliarden Dollar bewertet, verdient aber kein Geld. Werden Ihre Investoren schon nervös?

Mason: Wir sind erst drei Jahre alt. Wir haben gemeinsam mit unseren Investoren entschieden, dass lokaler Handel eine enorme Chance darstellt und wir in langfristigen Erfolg investierten sollten. Unsere Investoren konzentrieren sich auf langfristigen Wert für die Anteilseigner.

SPIEGEL ONLINE: Analysten kritisieren, dass man Ihr Geschäftsmodell leicht kopieren kann. Wissen Sie, wie viele Groupon-Klone es gibt?

Mason: Es hat schon mehrere tausend gegeben, ich weiß nicht, wie viele davon im Moment aktiv sind. Es gab eine Reihe von Wettbewerbern, die von großen Internetunternehmen eröffnet wurden, doch viele wurden wieder dichtgemacht oder haben ihre Aktivitäten reduziert. OpenTable, Facebook, Yelp, TravelZoo und so weiter. Was diese Unternehmen feststellen mussten, ist, dass die Eintrittshürden für dieses Geschäft recht niedrig, aber die Erfolgshürden sehr hoch sind.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Mason: Es ist ein sehr komplexes und kleinteiliges Geschäft. Für uns sprechen täglich Tausende von Verkäufern in 47 Staaten mit Zehntausenden von lokalen Händlern. Sie verhandeln über Angebote, machen Qualitätsabstimmung, kümmern sich um Kunden- und Händlerservice. Gleichzeitig müssen wir uns um Innovation kümmern, um die Frage, was aus Groupon in drei oder fünf Jahren wird. Das ist ein Vollzeitjob.

SPIEGEL ONLINE: Ist die große Anzahl Verkäufer, die Sie mittlerweile haben, die Haupthürde für Konkurrenten?

Mason: Eine von mehreren. Eine weitere ist unsere Größe. Wir haben 150 Millionen Abonnenten in 47 Ländern, Beziehungen zu einer Viertelmillion Händler.

SPIEGEL ONLINE: Es scheint aber viele Besitzer kleiner Unternehmen zu geben, die das Gefühl haben, dass Groupon ihnen nur die sparsamen Kunden bringt, die wegen eines Angebots kommen, aber nicht zurückkehren oder weitere Produkte kaufen.

Mason: Diese Kritik enttäuscht mich besonders. Weil wir es innerhalb des Unternehmens genau umgekehrt sehen. Unser Ziel ist vor allem, die Inhaber kleiner Unternehmen zu unterstützen. Der Grund für diesen Wahrnehmungsunterschied ist sicher, dass Groupon nicht perfekt ist, manche Händler machen schlechte Erfahrungen, aber das ist eine kleine Minderheit. 90 Prozent unserer Händler sind zufrieden, und wir nehmen mit den übrigen zehn Prozent Kontakt auf, um zu klären, wo das Problem liegt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die wir im dritten Quartal 2011 präsentiert haben, hatten wir auch vorher schon an Bord, viele kommen also immer wieder. Aber selbst wenn nur ein Prozent unglücklich ist, sind das 2500 Unternehmen. Ganz aus der Welt schaffen werden wir das nicht können, auch nicht mit größter Anstrengung. Aber im Endeffekt machen wir Werbung, und ich behaupte, wir haben eine sehr viel größere Kundenzufriedenheit als jede andere Form von Werbung für lokale Anbieter.

SPIEGEL ONLINE: Wir haben E-Mails von Unternehmensinhabern in Deutschland bekommen, die sagen, Sie seien mit den Ergebnissen von Groupon-Angeboten sehr unzufrieden gewesen. Haben die etwas falsch gemacht?

Mason: Das ist eine ständige Entwicklung. Wir haben jetzt eine neue Anwendung namens Merchant Center, eine Art Steuerzentrale, wo sie ihre Groupon-Angebote managen können und einen Rentabilitätsrechner, mit dem sie uns ihre Materialkosten, den durchschnittlichen Ertrag pro Kunde und so weiter mitteilen können, um ihren Return on Investment (ROI) zu errechnen. Die meisten Inhaber kleiner Geschäfte sind keine fortgeschrittenen Geschäftsleute. Das ist keine Kritik - diese Leute haben eben eine Leidenschaft für Haarschnitte oder fürs Kochen, deshalb haben sie ein Geschäft gegründet, nicht, weil sie Betriebswirtschaft studiert haben. Diesen Leuten müssen wir zeigen, wie ein ROI funktioniert. In den USA testen wir außerdem eine "Rewards"-Plattform, wo Kunden Belohnungen verdienen können, wenn sie ein Geschäft öfter besuchen.

SPIEGEL ONLINE: Rabattcoupons gibt es in den USA seit dem 19. Jahrhundert. In Deutschland und anderen Teilen Europas sind sie nicht sehr verbreitet. Ist es schwieriger, Menschen hier von ihrem Dienst zu überzeugen?

Mason: Ich glaube nicht, dass der Unterschied zu den USA so groß ist. Coupons waren da nicht cool, sondern langweilig. Der Begriff lässt einen an eine Familienmutter denken, die Gutscheine aus der Zeitung ausschneidet. Ein Teil unseres Erfolgs ist es, dass wir Coupons cool gemacht haben. Weil wir die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, sehr genau auswählen, haben wir eine sehr viel interessantere Zielgruppe. Frauen zwischen 18 und 35, Akademiker. In Deutschland ist die Dynamik ähnlich. Wir können auf jeden Fall feststellen, dass die Zweifel, ob Couponing in Deutschland und Europa funktionieren würde, sich in Luft aufgelöst haben.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben kürzlich eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom verkündet. Wie sehen die Pläne konkret aus? Wird auf Telekom-Handys künftig eine Groupon-App vorinstalliert?

Mason: Wir arbeiten noch an den Details, aber so in etwa wird es wohl aussehen. Sowohl Groupon als auch die Deutsche Telekom glauben, dass lokale Geschäfte eine der wichtigsten Mobilanwendungen sein werden, so verbreitet wie E-Mail oder Aktienkurse auf dem Handy.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie in zwei Jahren überhaupt noch E-Mails mit Angeboten verschicken? Oder werden mobile Rabattangebote das Modell der Zukunft?

Mason: Alle Trends zeigen, dass die E-Mail-Nutzung unter jüngeren Internetnutzern abnimmt. Ob es fünf oder 30 Jahre dauern wird, bis E-Mail ausstirbt, weiß ich nicht. Aber ein großer Teil unserer Arbeit besteht darin, die Groupon-Website genauso mächtig zu machen wie die Newsletter, ein Pull- statt ein Push-Angebot zu schaffen, das die Leute von sich aus aufsuchen. Dazu gehören auch unsere Investitionen in den Mobilbereich.

SPIEGEL ONLINE: Macht es Ihnen Sorgen, das Google noch immer jeden Wettbewerber in diesem Markt plattwalzen könnte, mit ihrem Zugang zu Telefonen via Android und ihrem allgegenwärtigen Maps-Dienst? Google könnte so eine Verkäuferarmee vermutlich in ein paar Wochen auf die Beine stellen...

Mason: So läuft das sehr selten, auch wenn ein Unternehmen die Ressourcen zu haben scheint, das zu erreichen. Google ist eine tolle Firma, die wir sehr respektieren. Aber erstens: Lokaler Handel ist ein enormer Markt, es gibt genug Platz für mehrere Gewinner. Zweitens: Ich glaube nicht, dass sie über Nacht eine Verkäufertruppe auf die Beine stellen könnten.

SPIEGEL ONLINE: Als Restaurantbesitzer könnte man künftig schnell mal ein Sonderangebot auf die Handys der Menschen in der Nähe schicken, wenn gerade viele Tische leer sind. Soll ihr Mobildienst Groupon Now lokale, kleine Unternehmen genau so optimieren, wie das die großen Industrien schon vor langer Zeit getan haben?

Mason: Unsere Mission ist, das Betriebssystem für den Handel zu werden. Preis und Angebotsentdeckung zu benutzen, um Konsumenten mehr Kaufkraft und Geschäften mehr Profit zu bringen, mit genau der Dynamik, die Sie da beschreiben.

SPIEGEL ONLINE: Wird das nicht zu einem brutalen Preiskampf führen, unter Innenstadtrestaurants zum Beispiel, die um die Mittagstisch-Kundschaft buhlen?

Mason: Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen. Aber ich bezweifle, dass Einkaufen, wie wir es bislang kennen, verschwinden wird. Falls jemand Angst vor einer durch Technologie verbesserte Zukunft haben sollte.

SPIEGEL ONLINE: Mobiltelefone sind Sensoren, die Menschen herumtragen. Wird die Innenstadt der Zukunft eine sein, in der Konsumentenströme in Echtzeit beobachtet, Angebote in Echtzeit kalkuliert werden, um Kunden von einem Laden zum nächsten zu locken? Berechnet von Algorithmen, wie eine Computerbörse?

Mason: So eine Zukunft ist möglich, aber sie wird sich dem Endkunden sehr viel einfacher darstellen. In dieser Zukunft werden die Konsumenten mehr Kaufkraft haben, lokale Geschäfte häufiger aufsuchen, mehr für ihr Geld bekommen. Das ist für beide Seiten gewinnbringend.

SPIEGEL ONLINE: Einzelhändler klagen längst über die Nachteile, die ihnen die Vergleichbarkeit von Preisen durch das Internet bringt. Wird dieses Problem auf diesem Weg auch kleine, lokale Anbieter erreichen?

Mason: Selbst wenn ein Restaurant dann an jedem einzelnen Hamburger etwas weniger verdient, würde es doch insgesamt so viel mehr verkaufen, dass das die reduzierte Gewinnmarge mehr als ausgleicht. Denken Sie daran, wie viel Essen Händler und Restaurants täglich wegwerfen, daran, wie viele leere Läden Sie sehen, wenn sie die Hauptstraße in ihrer Stadt entlanglaufen. Im Moment sind 80 Prozent der Läden nur zu 20 Prozent gefüllt. Das Problem wollen wir lösen.

SPIEGEL ONLINE: Bedeutet das, dass der Preis eines Hamburgers eines Tages von der Tageszeit abhängen wird?

Mason: Ja.

Das Interview führte Christian Stöcker

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1. Tiefgründig 4w3
spawn478 24.01.2012
Zitat von sysopKein Unternehmen ist jemals so schnell gewachsen wie das Rabatt-Portal Groupon. Nun tut sich der Schnäppchendienst mit der Deutschen Telekom zusammen, will den hiesigen Mobilmarkt erobern. Gründer Andrew Mason über die Innenstadt der Zukunft, leere Läden und Burger-Preise je nach Tageszeit. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,810946,00.html
Das tut ja fast schon weh. Sowas ist seit gefühlten vierzig Jahren Standard, mittags ist es günstiger als abends. Vielleicht einfach mal ein Restaurant besuchen, bevor man solche Fragen stellt.
2. Günstige Werbung
joe50502005 24.01.2012
Zitat von sysopKein Unternehmen ist jemals so schnell gewachsen wie das Rabatt-Portal Groupon. Nun tut sich der Schnäppchendienst mit der Deutschen Telekom zusammen, will den hiesigen Mobilmarkt erobern. Gründer Andrew Mason über die Innenstadt der Zukunft, leere Läden und Burger-Preise je nach Tageszeit. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,810946,00.html
Hat der Interviewer vor Mason gekniet, oder hört sich das nur so an, als hätte er mit seinem Gott gesprochen?
3.
super_nanny 24.01.2012
---Zitat von Mason--- Ob es 5 oder 30 Jahre dauern wird, bis E-Mail ausstirbt, weiß ich nicht. ---Zitatende--- Ja ist klar. Wahrscheinlich wird es in drei Jahren auch kein WWW mehr geben. ---Zitat von SPON--- Bedeutet das, dass der Preis eines Hamburgers eines Tages von der Tageszeit abhängen wird? ---Zitatende--- Wieso 'wird'? Gibt es überhaupt ein Restaurant, das keine extra Angebote für Mittags oder keine Happy-Hour hat?
4. .
alexbln 24.01.2012
Zitat von sysopKein Unternehmen ist jemals so schnell gewachsen wie das Rabatt-Portal Groupon. Nun tut sich der Schnäppchendienst mit der Deutschen Telekom zusammen, will den hiesigen Mobilmarkt erobern. Gründer Andrew Mason über die Innenstadt der Zukunft, leere Läden und Burger-Preise je nach Tageszeit. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,810946,00.html
da muß man kein prophet sein um zu wissen, das dieses geschäftmodell niemals nachhaltig gewinne abwerfen wird.
5. Das Betriebssystemes des Handels ?
KuGen 24.01.2012
LOL Just another senseless hype.
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Zur Person
  • REUTERS
    Andrew Mason ist der Gründer und Geschäftsführer von Groupon, einem Schnäppchendienst, der primär via E-Mail Sonderangebote an seine Abonnenten verschickt, die nur dann in Kraft treten, wenn genügend Kunden die Angebote wahrnehmen. Groupon gilt als Unternehmen mit dem schnellsten Wachstum in der Geschichte. Vor Groupon gründete Mason The Point, eine weitgehend erfolglose Web-Plattform zur Organisation politischer oder gesellschaftlicher Aktivitäten. Mason hat einen Abschluss in Musik von der Northwestern University bei Chicago. Seit Groupon Ende 2011 an die Börse ging, ist er (auf dem Papier) Milliardär.


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