Hackangriffe in Südkorea: Vandalen mit Hintergedanken

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DPA

Die massiven Hackangriffe in Südkorea richteten sich auch gegen die dort stationierten US-Soldaten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie über das wahre Ausmaß der Angriffe, die zunächst als Hackervandalismus abgetan worden waren.

Immer wieder fallen südkoreanische Rechnersysteme spektakulären Hackerangriffen zum Opfer, doch wer steckt hinter den großangelegten Angriffswellen? Eine Studie des amerikanischen Sicherheitsunternehmens McAfee Labs kann diese Frage zwar noch immer nicht beantworten - sie erhöht aber den Druck, eine Antwort zu finden. Denn die Schadprogramme, die Zehntausende Rechner lahmlegten, Festplatten löschten oder Hackernachrichten anzeigte, können viel mehr, als nur Ärger machen: Sie sind auch darauf ausgelegt, amerikanische und südkoreanische Militärgeheimnisse zu stehlen.

Im Fokus der McAfee-Untersuchungen stand Schadcode, den der oder die Angreifer bereits 2009 in einem sozialen Netzwerk platzierten, das von südkoreanischen Militärs benutzt wird. "Dabei handelt es sich um Militärspionage", sagt Ryan Sherstobitoff von McAfee. Das Schadprogramm durchsucht die Rechner der Opfer nach Schlagwörtern, die sich auf die in Südkorea stationierten amerikanische Militäreinheiten beziehen und als zum Beispiel als "geheim" markiert sind. "Zu diesen [Begriffen] zählen Namen von Individuen, Stützpunkten, Waffensystemen und Einrichtungen", so Sherstobitoff.

Dieser Schadcode gilt auch als Quelle des massiven Computerangriffs vom 25. Juni, dem Jahrestag des Ausbruchs des Korea-Kriegs. Damals waren die Computer der Sender KBS, MBC und YTN, der Banken Shinhan und Nonghyu sowie eines auf Nordkorea spezialisierten Anbieters von Internetdiensten teilweise oder vollständig lahmgelegt worden.

Es war ein spektakulärer Ausfall: Am frühen Mittwochnachmittag um Punkt 14 Uhr wurden die Geldautomaten der Banken lahmgelegt und mit ihnen die Terminals für Kartenzahlungen in Cafés und Geschäften. In den Büros der führenden Fernsehender fielen die Bildschirme aus. Auf manchen Schirmen erschienen Totenköpfe. Festplatten wurden massenweise gelöscht. Noch Stunden nach den Ausfällen im Computernetz des südkoreanischen Rundfunksenders war der Internetzugriff blockiert.

fkn/AP

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  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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