Gehackte Cloud-Dienste Angriffsziel Wolke

So einfach lässt sich ein Leben ruinieren: Mit ein paar Klicks können Hacker und Kriminelle sich Zugang zu unserer Online-Identität verschaffen. Wie der Cloud-Zugriff funktioniert, zeigt eine Doku im Ersten. Das Wichtigste kommt dabei allerdings zu kurz.

Von

Hessischer Rundfunk

Peter Onneken hat ein Handy und ein E-Mail-Konto bei einem großen Anbieter, und wie Millionen andere Menschen vertraut er seine Daten der Cloud an: E-Mails, Fotos, Dokumente, Kalendereinträge - alles wird auf den Server des Unternehmens hochgeladen. Wie einfach es für Kriminelle und Hacker deshalb ist, seine digitale Identität zu übernehmen und ihm das Leben richtig unangenehm zu machen, zeigt das Erste am Montagabend in dem Film "Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird".

Der Gegner von Onneken ist zunächst erstmal seine Journalisten-Kollegin Diana Löbl. Sie trägt zusammen, was öffentlich im Web über ihn in Erfahrung zu bringen ist. Mit Hilfe eines Profilers von der Polizei Bremen verschafft sie sich einen ersten Eindruck: Sie finden Onnekens Bruder, wissen, wo er gearbeitet hat und was er heute tut. Im Prinzip ist das Googeln für Fortgeschrittene.

Dann wird es kriminell: Löbl und der IT-Experte Karsten Nohl schicken ihrem Opfer eine E-Mail mit Dateianhang. Den öffnet Onneken - und fängt sich einen Computervirus ein, der seine Passwörter klaut. Alles, was er in den vergangenen Jahren in der Cloud gespeichert hat, können die Angreifer nun lesen.

Job weg, Wohnung weg, Geld weg, Adressen weg

In den gespeicherten Daten finden sich nicht nur intime Details aus dem Privatleben. Löbl entdeckt auch eine Kopie von Onnekens Ausweis. Sie druckt die Kopie aus, fälscht eine Vollmacht und bestellt einen Schlüsseldienst zu Onnekens Adresse. Der willige Dienstleister schließt ihr die Wohnung auf, sie kann ganz real in Onnekens dreckiger Wäsche wühlen.

Eigentlich ist die Cloud ganz praktisch - von seinem Telefon, seinem Tablet und seinem Rechner aus hat Onneken Zugriff auf dieselben Daten. Doch hier wird sie zum Risiko. Es kommt noch schlimmer: Löbl verschafft sich Zugriff auf eine Funktion, mit der Nutzer eigentlich ihr verlegtes oder verlorenes Telefon wiederfinden können. Sie kann ihren Kollegen bis auf wenige Meter genau orten.

Als wäre das noch nicht unheimlich genug, macht Löbl ihrem Kollegen das Leben schwer, kündigt in seinem Namen einen Job, stellt seine Wohnung in ein Immobilienportal ein, abonniert eine Zeitung, sperrt Bankkarten und bucht einen Flug um, als er in einer fremden Stadt verreist ist. Dann löscht sie aus der Ferne die Daten auf seinem Telefon - Onneken steht ohne Geld und ohne Adressbuch ziemlich verloren da.

Halbe Stunde Angstmache

Eine halbe Stunde lang zeigt der Film eindrucksvoll, welche Tricks Hacker und Kriminelle nutzen. Schließlich wird noch geraunt, dass auch Geheimdienste auf alle Cloud-Daten Zugriff hätten - dann sind Alptraum und Film zu Ende. Was leider völlig fehlt, sind Hinweise darauf, wie man einem solchen weitgehenden Identitätsdiebstahl vorbeugen kann, ohne gleich alle elektronischen Geräte auf den Schrott zu geben.

Denn auch wenn die gezeigten Angriffe technisch möglich sind, viel hängt davon ab, dass jemand tatsächlich die kriminelle Energie aufbringt - und sich die Opfer keine Gedanken über ihre Sicherheit machen. Mit ein paar Kniffen lassen sich zumindest einige der Angriffe abwehren. "Zugriff!" aber macht nur Angst vor der Cloud. So verdienstvoll das Aufrütteln auch ist, besser wäre es gewesen, sich von den IT-Experten ein paar Tipps zum Schutz der digitalen Identität mitgeben zu lassen.

Eine doppelte Anmeldung, eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung, hilft zum Beispiel, das Schlimmste zu verhindern. Oder das Nutzen verschiedener Dienste für verschiedene Zwecke mit verschiedenen Passwörtern. Das Verschlüsseln von Chats und Dokumenten. Und nicht zuletzt gesunder Menschenverstand. Gerade weil von diesen einfachen Mitteln noch zu wenig Menschen Gebrauch machen, wäre es sinnvoll, darauf hinzuweisen.

"Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird", Das Erste, Montag, 22 Uhr



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Seite 1
hektor2 07.07.2014
1. Sicherheit
"Was leider völlig fehlt, sind Hinweise darauf, wie man einem solchen weitgehenden Identitätsdiebstahl vorbeugen kann, ohne gleich alle elektronischen Geräte auf den Schrott zu geben." Um sich zu schützen, muss man nicht gleich alle Geräte auf den Schrott schmeißen. Der gesunde Menschenverstand reicht vollkommen aus.
kumi-ori 07.07.2014
2. So ein Quatsch!
Wer nutzt den schon eine Cloud auf dem selben Rechner, auf dem auch wichtige Daten lagern und mit dem E-Mails geschrieben werden.
gorkamorka 07.07.2014
3.
Zitat von kumi-oriWer nutzt den schon eine Cloud auf dem selben Rechner, auf dem auch wichtige Daten lagern und mit dem E-Mails geschrieben werden.
Ich schätze mal so ~98% aller Cloud Benutzer.
SimonSagt 07.07.2014
4. Danke SPON
So ist es richtig. Die Smart-Phones und die Clouds werden wir sicher nicht wieder abschaffen. Aber ein fundiertes Wissen über den Umgang mit Daten und Passwörtern wir uns helfen die digitale Zukunft sicher zu gestalten. Da wird uns Panikmache sicher nicht helfen. Es sind nur Maschinen. Es liegt an uns sie sicher zu gestalten.
maledicto 07.07.2014
5.
Zitat von kumi-oriWer nutzt den schon eine Cloud auf dem selben Rechner, auf dem auch wichtige Daten lagern und mit dem E-Mails geschrieben werden.
Nur dann macht eine Cloud überhaupt Sinn. Der Nutzen liegt ja darin, mit jedem internetfähigen Gerät alle Daten verwenden zu können.
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