Seoul - Die Polizei in Südkorea untersucht Angriffe auf die Computernetzwerke mehrerer Fernsehanstalten und Banken in Südkorea. Betroffen waren die Sender KBS, MBC, des Nachrichtenkanals YTNS und die Server der großen Banken Shinhan und Nonghyup. Auch ein Sprecher des Internetanbieters LG UPlus sagte am Mittwoch, er gehe davon aus, dass sein Netzwerk geknackt wurde.
Es handelte sich um einen spektakulären Ausfall: Am frühen Mittwochnachmittag, um Punkt 14 Uhr, fielen die Geldautomaten der Banken aus und mit ihnen die Terminals für Kartenzahlungen in Cafés und Geschäften. In den Büros der führenden Fernsehender fielen die Bildschirme aus. Auf manchen Screens erschienen Totenköpfe, das sei ein sicheres Zeichen dafür, dass Hacker Schadsoftware in südkoreanische Systeme eingeschleust hätten, sagte ein Sprecher der staatlichen Behörde für Informationssicherheit.
Wer hinter der Cyber-Attacke steckt, ist zurzeit noch unklar. Allerdings gibt es von den Südkoreanern erste Spekulationen, der Angriff könne aus Nordkorea kommen. Bestätigt wurde dieser Verdacht bisher aber nicht. Es gebe überhaupt noch keine Hinweise, dass die Attacken aus dem Ausland gestartet worden seien, teilten Sprecher der Regierung und der Polizei mit.
Nord- und Südkorea beschuldigen sich gegenseitig
Nordkorea hat in der Vergangenheit wohl bereits Hackerangriffe auf Südkorea verübt; Seoul gibt dem Norden zum Beispiel die Schuld an mindestens zwei Angriffen auf Firmen in den Jahren 2011 und 2012. Erst kürzlich hatte Nordkorea seinerseits Südkorea und die USA beschuldigt, Cyberangriffe verübt und damit Server in Pjöngjang lahmgelegt zu haben.
Die Beziehungen zwischen den Regierungen von Seoul und Pjöngjang sind seit längerer Zeit wegen der Atompläne Nordkoreas angespannt. Nachdem die Uno als Reaktion auf den jüngsten Atomtest Nordkoreas neue Sanktionen verhängt hatte, verkündete Pjöngjang einen Ausbau seines Atom- und Raketenprogramms, kündigte den Nichtangriffspakt mit Südkorea von 1953 auf und drohte mit einem atomaren Erstschlag gegen die USA und andere "Aggressoren".
als/juh/Reuters/AP/dpa
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