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Verschlüsselter Computer: Britischer Student kommt in Passwort-Beugehaft

Falsches Passwort (Symbolbild): Bringt einem jungen Briten Haft ein Zur Großansicht
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Falsches Passwort (Symbolbild): Bringt einem jungen Briten Haft ein

Weil ein als Hacker angeklagter britischer Student die Herausgabe eines Passworts verweigert, wird er jetzt in Beugehaft gesteckt. Das zuständige Gericht sah die nationale Sicherheit bedroht.

Der 22-jährige Christopher Wilson ist von einem Gericht im britischen Newcastle "im Interesse der nationalen Sicherheit" zu einer Beugehaft von sechs Monaten verurteilt worden. Der Informatikstudent hatte sich geweigert, den Ermittlungsbehörden die zur Entschlüsselung seines Notebooks nötigen Passwörter auszuhändigen. Er steht im Verdacht, die Polizeibehörden im nordostenglischen Northumbria mit Warnungen vor einer Cyberattacke genarrt zu haben. Überdies soll er dazu aufgerufen haben, eine auf Facebook eingerichtete Gedenkseite für zwei erschossene Polizisten zu verunstalten, wie "Engadget" berichtet.

Wilson hatte die Aufmerksamkeit der Ermittler im Oktober 2012 erregt, als E-Mails mit Warnungen vor einem Amoklauf an der Universität von Newcastle kursierten. Zwei der E-Mails ließen sich zur Northumbria University zurückverfolgen, an der Wilson studierte. Letztlich konnte der Verdacht gegen den jungen Mann nicht erhärtet werden, die Untersuchung wurde eingestellt. Gleichzeitig wurden Ermittlungen wegen der Drohungen gegen die Polizei von Northumbria aufgenommen.

Das bei Wilson beschlagnahmte Notebook vermochten die Polizisten wegen seiner Verschlüsselung jedoch nicht zu durchsuchen. Nachdem keines der von Wilson zunächst angegebenen Passwörter funktionierte, wandten sich die frustrierten Beamten an die Justiz.

Das Gericht ordnete auf Grundlage des britischen Gesetzes zur Telekommunikationsüberwachung (Ripa, Regulation of Investigatory Powers Act 2000) die Herausgabe des korrekten Passwortes an. Für den Fall der Weigerung stellte der Richter ein halbes Jahr Haft in Aussicht. Nachdem Wilson die Kooperation verweigerte, schickte ihn Richter Simon Hickey nun in Haft und erklärte, Wilsons Handlungen stellten ein "schweres Vergehen" dar.

"The Register" kritisiert die Entscheidung, denn sie überstrapaziere das Gesetz. In den Ripa-Regeln sei der Zwang zur Herausgabe von Passwörten nur für Fälle schwerer Kriminalität oder terroristischer Bedrohung vorgesehen. Doch würden sich Gerichte immer wieder auch in minderschweren Fällen auf die nationale Sicherheit berufen.

meu

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1. Wie wäre es ...
curiosus_ 10.07.2014
Zitat von sysopDPAWeil ein als Hacker angeklagter britischer Student die Herausgabe eines Passworts verweigert, wird er jetzt in Beugehaft gesteckt. Das zuständige Gericht sah die nationale Sicherheit bedroht. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/hacker-haft-fuer-verweigerte-notebook-entschluesselung-a-980253.html
... mit einem Pseudo-"Passwort", das das Schreddern der Dateien auf der Festplatte in Gang setzt? Eventuell unter dem Vorgaukeln einer erfolgreichen Entschlüsselung, um Zeit zu gewinnen? Dann wäre der Grund für die Beugehaft entfallen, aber der pot. Hacker müsste natürlich schon im Vorfeld die Voraussetzungen für die Aktion getroffen haben. Das hilft aber nur, wenn die Ermittlungsbehörde vorher nicht schon eine 1:1 Kopie der Festplatte gemacht hat.
2. Kein Land der Freiheit mehr
Europa! 10.07.2014
Zitat von sysopDPAWeil ein als Hacker angeklagter britischer Student die Herausgabe eines Passworts verweigert, wird er jetzt in Beugehaft gesteckt. Das zuständige Gericht sah die nationale Sicherheit bedroht. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/hacker-haft-fuer-verweigerte-notebook-entschluesselung-a-980253.html
Jahrhundertelang galt England als besonders freiheitliches Land, in dem viele Emigranten Zuflucht fanden. Seit einigen Jahrzehnen muss man feststellen, dass Bürger- und Freiheitsrechte in GB nicht mehr viel gelten. Man denke nur an die Verfolgung von Julian Assange und die Tausende von Überwachungskameras.
3. Vergesslichkeit
TobiR 10.07.2014
Was passiert wenn ich mein Passwort vergessen habe?
4.
Andr.e 10.07.2014
Ist die Ohnmächtigkeit eines Staatsapperates - gleich in mehrfacher Hinsicht - eigentlich besser offen zu legen. Ich hoffe er hält durch.
5. Leider kein Patent....
caracho! 10.07.2014
...denn all das gibt es bereits. Mehrere gängige Verschlüsselungsprogramme bieten diese und weitere Möglichkeiten an, u.a. verschlüsselte Daten im "leeren" Teil der Platte verstecken etc. Und was genau soll denn die 1:1 Kopie bringen? Die ist ja dann auch 1:1 verschlüsselt......
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