Geknackte IT-Jobbörse: Hacker veröffentlicht Daten von Wall-Street-Fachkräften
Ein Hacker hat die Datenbank von IT Wall Street geknackt, einem Jobportal, das IT-Profis an die Finanzbranche vermittelt. Von 50.000 erbeuteten Datensätzen ist die Rede, Adressen, Lebensläufen Telefonnummern. Die Firma wiegelt ab, doch die Datensätze scheinen echt.
Hamburg/New York - Ein Hacker behauptet, die Seite der Jobbörse IT Wall Street angegriffen und dabei Zugriff auf 50.000 Bewerbungen erlangt zu haben. Der Angreifer, der sich selbst Masakaki nennt, stellt sich in einer öffentlichen Mitteilung als Mitglied eines Hackerkollektivs namens Team Ghost Shell vor und nennt sein Projekt "Midas Bank".
Auf einer Plattform, die eigentlich dem Austausch von Programmcode dient, veröffentlichte er die angeblich gestohlenen Daten. Der mittlerweile gelöschte Datensatz, den SPIEGEL ONLINE teilweise in Augenschein nehmen konnte, umfasst Vor- und Nachnamen, Adressen, Usernamen, E-Mail-Adressen, verschlüsselte Passwörter sowie Telefonnummern. "Computerworld" berichtete bald es handele sich wohl um Daten von Bewerbern, die über IT Wall Street nach einer neuen Anstellung gesucht hatten.
Auch die Vorstellungen mancher Bewerber bezüglich Gehalt und Bonuszahlungen habe man in dem Datensatz nachlesen können. Außerdem sollen tausendfach Protokolle von Telefongesprächen gesichtet worden sein, Bewertungen sowie eine Liste der Firmen, die zu den Kunden von IT Wall Street gehören. "Die Liste enthält so ziemlich jede große Wall-Street-Firma, inklusive Morgan Stanley, Goldman Sachs, Nasdaq, Dow Jones, Moody's and Wachovia Bank", heißt es in dem Bericht.
"Massive Übertreibungen"
IT Wall Street bestreitet die Behauptungen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Man habe den "Computerworld"-Text auch gelesen, aber: "Die meisten Informationen, auf die da angeblich zugegriffen wurde, existieren schlicht in keiner Datenbank, die mit IT Wall Street zu tun hat." Gehaltsinformationen oder protokollierte Telefonanrufe etwa könnten gar nicht dabei sein. Zumindest die veröffentlichten Adressen und Telefonnummern aber scheinen echt: SPIEGEL ONLINE schreckte zwei Betroffene mit Anrufen auf, deren echte Adressen, Mailadressen, Telefonnummern und Namen in dem Datensatz auftauchen. Beide arbeiten in der IT-Branche, zumindest einer von beiden erinnert sich, einmal eine Bewerbung an IT Wall Street verschickt zu haben.
IT Wall Street versucht abzuwiegeln: "Momentan wäre unsere einzige Idee, dass der Hacker vielleicht die Namen der Tabellen in unserer Datenbank gefunden hat", heißt es weiter. Darin fänden sich aber viele Informationen, die seit 2008 veraltet seien. "Sowohl die Behauptung des Hackers als auch der Text von Computerworld sind massive Übertreibungen." Für den Fall, dass man sich irre, habe die Firma jedoch alle veralteten Tabellen gelöscht und alle Dateien von den Servern genommen.
Unter dem Projekt-Twitternamen @midasbank, von dem seit Dienstag Tweets veröffentlicht werden, rühmt sich Masakaki mit dem angeblichen Hack und versucht, gleich den richtigen Eindruck zu hinterlassen: Er bezeichnet sich als Black Hat, also als kriminellen Hacker, als Adresse gibt er an: St. Wall Street, Nr. 666, Hell.
In dem Bekennerschreiben signalisiert der Hacker oder die Gruppe Nähe zur Occupy-Bewegung: Team Ghost Shell habe bisher hier und dort etwas geleakt, doch um "ein bisschen Ordnung hereinzubringen", kümmere sich der Projektzweig "Midas Bank" nun hauptsächlich um den finanzwirtschaftliche oder ökonomische Ziele. "Welches bessere erste Ziel könnte man wählen als den Ort, der alle Märkte der Welt beschämt. Die Wall Street." unter dem Schreiben ist in Klammern vermerkt, es handele sich bei den Bekennern um "Unterstützer von Occupy Wall Street". Das Internet-Nachrichtenmagazin Webpronews berichtet, Team Ghost Shell sei eine Untergruppe von Anonymous.
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- Donnerstag, 19.07.2012 – 21:03 Uhr
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- Website von IT Wall Street
- Hacker claims breach of 50,000 accounts from Wall Street IT recruiting firm (Computerworld)
- webpronews.com
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