Hacker-Scherz CDU-Website kündigte Atomtest in Erftstadt an

Über dem nordrhein-westfälischen Erftstadt sollte am Dienstag eine Atombombe explodieren - so stand es zumindest bis heute Morgen auf einer CDU-Website des Landkreises. Wer wollte das kleine Eifelstädtchen wohl ausradieren?


CDU Erft-Kreis (Montage): Atombombe "X3FS5H2" fertig gestellt

CDU Erft-Kreis (Montage): Atombombe "X3FS5H2" fertig gestellt

Erftstadt liegt 20 Kilometer südwestlich von Köln. Westlich der Stadt befinden sich "in fast greifbarer Nähe die Eifelberge, Natur in ihrer ursprünglichen Form" - so steht es auf der Website der Kommune. Erftstadt sei eine Zuzugsgemeinde mit über 51.000 Einwohnern. "Menschen aus den Großstädten der Rheinschiene lassen sich gern hier nieder."

Doch nicht alle scheinen die Eifelidylle zu lieben. Im Internet wurde der Stadt nun übel mitgespielt: Am 20. Juli solle eine Atombombe mit dem Namen "X3FS5H2" fertig gestellt werden, konnten Surfer auf den Seiten der CDU-Kreistags-Fraktion lesen. Einen Tag später sei ein "Kernwaffentest in der Atmosphäre über Erftstadt" im Terminkalender geplant.

Wer könnte hinter dieser Aktion stecken? Bewohner der Domstadt Köln, denen die Pendler vom Lande auf die Nerven gehen? Oder gar die Erftstädter CDU, die auf makabre Weise in globale Grundsatzdebatten über Kernwaffentests einsteigt? Rückendeckung von der Bundes-CDU hätte sie dabei jedenfalls keinen. Politiker der Partei hatten Mitte der neunziger Jahre übereinstimmend gegen Versuche der Franzosen auf dem Südsee-Atoll Fangataufa protestiert.

Manipulierte Seite: "Kernwaffentest über Erftstadt"

Manipulierte Seite: "Kernwaffentest über Erftstadt"

Michael Arntz, CDU-Kreisgeschäftsführer, wahrte die offizielle Parteilinie und ließ die Testankündigung heute Am Donnerstagvormittag sofort von der Seite löschen. Ein Mitglied der Jungen Union hatte ihn auf den zynischen Streich hingewiesen. Wer dahinter steht, weiß Arntz noch nicht.

"Es könnte auch ein Scherz von der Jungen Union sein", meinte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Ein Hackerangriff auf die Seite erscheine ihm jedoch wahrscheinlicher. Arntz lässt derzeit sämtliche IP-Adressen überprüfen, über die in den letzten Tagen auf den Server der CDU-Kreistagsfraktion zugegriffen wurde.



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