Hamburg - Erst lachten die Hacker über die leicht zu umgehenden Sicherheitsvorkehrungen mancher Website-Betreiber - nun bekommt es die Hacker-Gruppe LulzSec mit der Justiz zu tun. Der mutmaßliche Sprecher der zuletzt offenbar sechsköpfigen Gruppe soll am Montag in London einem Richter vorgeführt werden. Der 18-Jährige, der sich im Netz Topiary genannt haben soll, war am Mittwoch vom Metropolitan Police Service (Met) auf den schottischen Shetland-Inseln aufgegriffen worden.
Er wurde daraufhin zum Verhör nach London gebracht und soll nun vor einem Gericht der City of Westminster erscheinen. Ihm wird vorgeworfen, an Angriffen auf die britische Serious Organised Crime Agency beteiligt gewesen zu sein. Dabei soll es sich nicht nur um eine Denial-of-Service-Blockade gehandelt haben. Insgesamt geht es um fünf Straftatbestände. Der Festgenommene soll unter anderem für den Twitter-Account von LulzSec zuständig gewesen sein, der letzte Eintrag stammt vom Tag seiner Verhaftung.
Im Web gab es trotzdem Spekulationen, dass die Polizei womöglich den Falschen erwischt habe. Das Verwirrspiel um die Identitäten der LulzSec-Mitglieder, die zum Teil bereits mehrfach von anderen Hackern enttarnt worden sein sollen, könnte aber auch nur ein Ablenkungsmanöver gewesen sein.
Bereits im Juni hatten Ermittler einen 19-Jährigen in England festgenommen, der für die Gruppe einen Chat administriert haben soll. Angeblich war er aber nicht Mitglied des Kernteams. Am 19. Juli schlug die Polizei im Süden Londons zu und nahm einen 16-Jährigen fest. Der junge Mann soll unter dem Pseudonym T-Flow aufgetreten sein und die Website von LulzSec betrieben haben.
Bei dem koordinierten Zugriff in den USA und Europa wurden insgesamt 21 Personen festgenommen und 35 Durchsuchungen durchgeführt. Der Schlag richtete sich vor allem gegen Anhänger von Anonymous. 14 Verdächtige wurden in den USA vom FBI geschnappt, weil sie an Blockaden des Online-Zahlungsdienstleisters PayPal mitgewirkt haben sollen.
LulzSec hatte sich in der Vergangenheit zu einer Reihe spektakulärer Angriffe auf Webseiten von Unternehmen wie Sony und Nintendo und den US-Geheimdienst CIA bekannt. Nach 50 Tagen gab die Gruppe ihre Auflösung bekannt, warb aber noch für eine gemeinsame Aktion mit der Web-Guerilla Anonymous namens "Operation AntiSec". Erklärtes Ziel ist es, möglichst viele geheime Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen.
Trotz ihrer Auflösung plazierte LulzSec Mitte Juli auf der Website der britischen Boulevardzeitung "The Sun" eine Falschmeldung über den angeblichen Tod von Rupert Murdoch. Außerdem sollen E-Mails der Redaktion kopiert worden sein.
ore/AFP
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