Hackerangriff auf US-Promis: "Ihr habt keine Privatsphäre"

Von , New York

Beyoncé (mit US-Präsident Obama): Persönliche Daten veröffentlicht? Zur Großansicht
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Beyoncé (mit US-Präsident Obama): Persönliche Daten veröffentlicht?

Kreditkartenrechnungen, Haushypotheken, Adressen - Hacker haben offenbar private Daten von mehr als einem Dutzend US-Prominenten veröffentlicht, darunter First Lady Michelle Obama, Popstar Beyoncé und FBI-Direktor Mueller. Die Sorge vor Cyber-Angriffen wächst.

Der US-Kongress bekommt in diesen Tagen wenig zustande. Was bleibt, sind Anhörungen - kaum bemerkt, schnell vergessen. Am Dienstag etwa tagte der Geheimdienstausschuss des Senats. Einziges Thema: Cyber-Terrorismus. Einziger Zeuge: US-Geheimdienstchef James Clapper.

Der ehemalige Generalleutnant warnte vor immer häufigeren Cyber-Angriffen aus Übersee. Zum Glück seien diese Hacker technologisch noch nicht ganz so fit, berichtete er - weshalb nur "eine geringe Chance" bestehe, dass es in den nächsten zwei Jahren "eine bedeutende Cyber-Attacke auf kritische US-Infrastruktur" gibt.

Doch wie sieht es einstweilen mit einer Cyber-Attacke auf Amerikas Prominente aus? Eine solche scheint gerade stattzufinden - und dazu bedarf es offenbar wenig Finesse.

Angriff auf US-Wirtschaftsauskunfteien

Mittlerweile ermitteln das FBI, der Secret Service und das Los Angeles Police Department (LAPD). Es geht um eine mysteriöse Website, die angeblich private Daten von bisher 18 US-Promis veröffentlicht haben will - Adressen, Sozialversicherungsnummern, Hypotheken- und Kreditkarteninformationen. Unter den mutmaßlich Geschädigten: First Lady Michelle Obama, Vizepräsident Joe Biden, Hillary Clinton, Popstar Beyoncé und ihren Ehemann Jay-Z.

Die drei großen US-Wirtschaftsauskunfteien bestätigten, dass Kundenkonten gehackt worden seien - ohne jedoch die Identität der Opfer zu enthüllen.

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Datenklau: Diese US-Promis sind betroffen
Besagte Website, unter der Domain .su der ehemaligen Sowjetunion, nennt sich "The Secret Files", die Geheimakten. Wer sie aufruft, hört die Abspannmusik der US-Krimiserie "Dexter". Auch das - freilich nicht identifizierte - Titelzitat stammt aus einer "Dexter"-Folge: "Wenn du glaubst, dass Gott Wunder vollbringt, musst du dich fragen, ob Satan ein paar in petto hat."

Die "Dexter"-Verweise könnten bedeuten, dass die Hacker gesetzlose Helden spielen - wie der Protagonist, ein Serienmörder, der nur Schurken umbringt. Ein Zähler misst die Site-Popularität: Am Dienstagabend hatte sie fast 300.000 Besucher. Ein verlinktes Twitter-Profil mit zwei Tweets auf Russisch, gepostet am Montagabend, hatte mehr als 1300 Follower.

Links auf der Website öffnen 18 weitere Seiten, eine Seite pro Promi: Michelle Obama, Joe Biden, Hillary Clinton, Ex-Vizepräsident Al Gore, die Ex-Gouverneure Sarah Palin und Arnold Schwarzenegger, Jay-Z, Beyoncé, Popstar Britney Spears, LAPD-Chef Charlie Beck, die Schauspieler Mel Gibson und Ashton Kutcher, Erbin Paris Hilton, Dokusoap-Star Kim Kardashian, Wrestling-Ikone Hulk Hogan, Krösus Donald Trump sowie - wohl um die Strafbehörden zu verspotten - Justizminister Eric Holder und FBI-Direktor Robert Mueller.

"Ist das ein Scherz?"

Es blieb unklar, ob die Informationen wirklich authentisch sind. Die Kreditauskünfte sehen jedenfalls genauso aus wie die, die jeder Amerikaner einmal im Jahr umsonst bei den drei US-Auskunfteien einsehen kann, samt seitenlangem Kleingedruckten. Das FBI riet den betroffenen Prominenten, ihre Konten zu sperren.

Der Privatdetektiv und ehemalige FBI-Agent Brad Garrett bezweifelte die Echtheit jedoch. "Ich finde die Informationen, die online gestellt wurden, suspekt", sagte er ABC News. "Ist das ein Scherz? Soll das Aufmerksamkeit erregen? Das würde mich nicht wundern."

Die Auskunftei Equifax erklärte, vier ihrer Kundenkonten seien gehackt worden. Die Angreifer hätten sich die Gratis-Kreditberichte der Betroffenen erschlichen. Dazu sind eine Reihe nicht öffentlicher Privatinformationen nötig, etwa Sozialversicherungsnummern.

Solche Nummern, in den USA das gängigste Identifizierungsmerkmal, postete die Website unter allen 18 Namen. Sie stimmten in einigen Fällen mit den echten überein, die teilweise öffentlich sind, zum Beispiel aus Gerichtsakten.

"Gewöhnt euch dran"

Die angeblichen Informationen sind mal banal, mal interessant. Demnach besitzt Michelle Obama eine Kreditkarte des Modehauses Banana Republic mit einem relativ niedrigen Kreditrahmen. Jay-Z dagegen habe eine sehr hohe American-Express-Rechnung, außerdem eine seit 2008 unbezahlte TV-Kabelrechnung. Al Gore zahle artig eine sechsstellige Hypothek ab. Am höchsten verschuldet sei Kardashian, mit einer Villenhypothek in Millionenhöhe. Ob das alles der Wirklichkeit entspricht, lässt sich kaum nachprüfen.

Die geposteten Adressen dagegen - aktuelle wie alte - sind meist bekannt. Unter Hillary Clinton findet sich "1600 Pennsylvania Avenue, Washington", die Anschrift der Weißen Hauses.

Der Computerexperte Kevin Mitnick, der selbst mal wegen Hackens fünf Jahre lang im Gefängnis saß, warnte, das könnte jedem widerfahren. "Ihr habt keine Privatsphäre", sagte er auf CNN. "Gewöhnt euch dran."

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Ja gewöhnt euch daran
nana22 13.03.2013
Nein unternehmet lieber etwas das eure Daten wertvoll und privat bleiben. Die Angst vor der Regierung und vorallem vor kommenden Regierungen und vor der Industrie solte viel größer sein. Nicht Hacker sind das Hauptproblem sondern die die eure Kaufprofile, Persönlichkeitsprofile, Krankenprofile ständig verkaufen damit andere daraus Profit ziehen und euch kontrollieren können. Wers noch kann, denkt darüber nach, sonst tuen es Andere für Euch.
2. Sinnlos
ergo_789 13.03.2013
Welchen Mehrwert sollen private Daten von Prominenten haben? Doch wohl keinen. Wer auch immer für den Hackerangriff verantwortlich ist, hat sich hier vollkommen grund- und hirnlos strafbar gemacht.
3. Ob das Zitat so richtig ist....
misdt 13.03.2013
So weit ich weiss, war es Scott McNealy (Sun Microsystems) der als Erster sagte: "there is no privacy, get over it!"
4. was will man
felisconcolor 13.03.2013
Zitat von sysopREUTERSKreditkartenrechnungen, Haushypotheken, Adressen - Hacker haben angeblich die privaten Daten von mehr als einem Dutzend US-Prominenten veröffentlicht, darunter First Lady Michelle Obama, Popstar Beyoncé und FBI-Direktor Mueller. Die Echtheit ist zweifelhaft. Dennoch wächst die Sorge vor Cyber-Angriffen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/hacker-veroeffentlichen-daten-von-us-prominenten-a-888528.html
uns denn da weiss machen? Das sind Daten die mit ein wenig Arbeit auch ohne Hacken überall bekommen kann. Will sich da jemand wichtig machen? oder sind heutige Computerkids auf so einem niedrigen Niveau angekommen. Da muss schon ein bissel mehr kommen, damit ich mal eine Augenbraue hebe. Ansonsten rofl er hat lol gesagt.
5. optional
Medienkenner 13.03.2013
Verstörende Nachrichten.... Wie steht übrigens das Terror-Termometer...?
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