Hoher Schaden Hackerangriff könnte Sony Hunderte Millionen Dollar kosten

Sony Pictures entsteht durch den Hackerangriff ein Schaden in Millionenhöhe. Auch wenn die Firma davon wohl nicht untergeht, ist die Attacke für den ohnehin schon angeschlagenen Mutterkonzern schmerzhaft.

Sony Pictures in Kalifornien: Schaden durch Hackerangriff könnte halbe Milliarde Dollar betragen
REUTERS

Sony Pictures in Kalifornien: Schaden durch Hackerangriff könnte halbe Milliarde Dollar betragen


Der Hackerangriff auf Sony Pictures könnte das Unternehmen nach Einschätzung von Experten mehrere Hundert Millionen Dollar kosten. Insgesamt sei mit einem finanziellen Schaden von bis zu einer halben Milliarde Dollar zu rechnen, sagte Hemanshu Nigam von der Beraterfirma SSP Blue. Die Entscheidung mehrerer Kinobetreiber, die Nordkorea-Satire "The Interview" nach Terrordrohungen nicht zu zeigen, habe die Kosten immens in die Höhe getrieben.

Die Produktionskosten für den Film werden auf 40 Millionen Dollar geschätzt, hinzu kommen Ausgaben in Millionenhöhe für Werbung. Sony hat den Kinostart des Films vorerst ganz abgesagt. Aktuell gibt es angeblich auch keine weiteren Pläne mehr, den Film noch anderweitig zu veröffentlichen.

Nun müsse Sony auf die Einnahmen an den Kinokassen verzichten, sagte Nigam. Wegen der Kontroverse um den Film hätten sich diese auf mehrere Hundert Millionen Dollar belaufen können. Kritiker attestieren dem Film ansonsten keine weiteren Qualitäten.

Angeschlagener Mutterkonzern

Die Hacker haben außerdem weitere Filme und Filmprojekte von Sony Pictures im Internet veröffentlicht. Darunter ist auch das Script des kommenden "James Bond"-Films. Ob diese Veröffentlichungen den Einnahmen an der Kinokasse schaden, ist aber noch unklar.

Außerdem muss das Unternehmen seine IT-Systeme aufrüsten sowie Geld für Gerichtskosten bereitstellen. Wegen der Verbreitung persönlicher Daten haben Mitarbeiter und frühere Angestellte bereits mehrere Klagen eingereicht. Sony soll die sensiblen Daten von rund 50.000 ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern nicht ausreichend geschützt haben.

Auch der Schaden für Sonys Ansehen ist nach Einschätzung von Branchenkennern beträchtlich. Der ohnehin schon angeschlagene japanische Mutterkonzern hat den Hackerangriff bisher nicht weiter kommentiert und alle Anfragen an das Tochterunternehmen Sony Pictures mit Sitz in Kalifornien verwiesen.

Angriffe auf Playstation-Netzwerk

Sony hat in den vergangenen sieben Jahren mit einer Ausnahme stets Verluste gemacht. Zuletzt musste Sony einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar für das abgelaufene Geschäftsjahr melden. Zu spät hat der Konzern auf die Digitalisierung und das Internet gesetzt, zu spät auf Eletronikhersteller in China und Südkorea reagiert. Das Geschäft mit der Playstation und Spielen ist nun umso wichtiger.

Hackerangriffe auf das Playstation Network sowie anderer Entertainmentdienste hatte dem Konzern vor drei Jahren große Probleme bereitet. Mehrfach konnten Unbekannte in verschiedene Systeme des Konzerns eindringen und auf Nutzerdaten zugreifen. Mehr als 75 Millionen Konten waren davon betroffen - einer der größten Zwischenfälle mit persönlichen Daten überhaupt. Sony musste daraufhin sein Playstation-Spielenetzwerk 23 Tage lang abschalten.

Weniger gefährlich, für Kunden und Konzern aber nervig, ist eine Gruppe namens "Lizqrd Squad". Die Unbekannten stören regelmäßig Spieleserver durch massenhafte Zugriffe. Mehrfach war davon dieses Jahr auch das Playstation-Netzwerk betroffen.

Keine existenzielle Bedrohung

Der angeblich von Nordkorea aus erfolgte Angriff auf Sony Pictures könnte nach allem, was bisher an die Öffentlichkeit gelangt ist, für die Tochterfirma zwar teuer werden - eine existenzielle Bedrohung sieht der Chef von Sony Pictures, Michael Lynton, jedoch nicht.

Am vergangenen Montag hatte Lynton erklärt: "Unser Geschäft steht auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament. Das wird uns nicht umbringen." Die Einnahmen des Filmgeschäfts beliefen sich im letzten Geschäftsjahr auf rund sieben Milliarden Dollar.

Der Aktienkurs des Unternehmens hat sich von dem aktuellen Hackerangriff nach einem kurzen Einbruch aktuell wieder einigermaßen erholt. Bis das volle Ausmaß der finanziellen Schäden feststeht - und ob Hemanshu Nigam mit seiner Schätzung richtig liegt - könnten allerdings noch mehrere Monate vergehen.

ore/AFP



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