Daten-Leak Ermittler setzen Tatverdächtigen wieder auf freien Fuß

Wer steckt hinter dem Daten-Leak? Die Polizei hatte bereits Sonntag einen Mann aus Mittelhessen vorläufig festgenommen: Er zeigte sich geständig und gab an, sich über Äußerungen von Politikern und Prominenten geärgert zu haben.

ARMANDO BABANI/ EPA-EFE/ REX

Im Zuge der Ermittlungen nach dem Daten-Leak war am Sonntagabend ein 20-jähriger Mann aus Mittelhessen vorläufig festgenommen worden. Mangels Haftgründen sei die Festnahme des Mannes am Montagabend aber wieder aufgehoben worden, hieß es nun am Dienstagmittag in einer Pressekonferenz des BKA.

Es bestehe weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr, hieß es dazu, der Verdächtige habe vielmehr alles eingeräumt und leiste mit seinen Aussagen auch Hilfe zur Aufklärung des Falls. Zudem seien die Auflagen bei Heranwachsenden für eine mögliche Untersuchungshaft besonders hoch.

Über den 20-Jährigen war am Dienstagmorgen unter anderem bekannt geworden, dass er noch bei seinen Eltern lebt. Ersten Erkenntnissen zufolge soll er keine Verbindungen zu ausländischen Geheimdiensten haben. Auf die Spur gekommen waren die Fahnder dem jungen Mann durch Zeugenaussagen und "digitale Spuren".

Einige neue Erkenntnisse

Auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden und in Form einer Pressemitteilung gab das BKA nun weitere Details bekannt:

  • Nach seinen eigenen Angaben hatte sich der Tatverdächtige über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens geärgert. Bei den Durchsuchungen habe es aber keine Hinweise auf eine politische Motivation für die Taten gegeben, hießt es.
  • Es gibt aus den Ermittlungen heraus bislang keine Hinweise darauf, dass der Tatverdächtige mit Dritten zusammengearbeitet hat.
  • Es handelt sich bei dem Tatverdächtigen um einen deutschen Staatsangehörigen.
  • Beim Tatverdächtigen wurde laut BKA ein Computer, den der Verdächtige zwei Tage vor der Durchsuchung "beiseitegeschafft" haben soll, sichergestellt. Ebenso wurde ein Daten-Back-up bei einem Sharehosting-Dienst aufgefunden.
  • Die vorläufig festgenommene Person sei sehr computeraffin, verfüge aber über keine entsprechende Ausbildung etwa als Informatiker, sagte der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Georg Ungefuk. Der Mann habe viel Zeit damit verbracht, sich am PC bestimmte Kenntnisse anzueignen.
  • Für seine Datensammlung soll der Tatverdächtige mehrere Sicherheitslücken ausgenutzt haben. Einige sollen inzwischen geschlossen worden sein. Dem jungen Mann sei es durch eine "ausgeklügelte Vorgehensweise" gelungen, die Daten auszuspähen, sagte Georg Ungefuk. Es habe nicht nur eine, sondern mehrere Ausspähaktionen gegeben, vor allem im Jahr 2018. Zudem habe er Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen.
  • Ungefuk sagte außerdem, dass es "eine klare Reue-Reaktion gibt". Der 20-Jährige sei beim Ausspähen und Veröffentlichen der privaten Daten möglicherweise unbedacht oder leichtfertig gewesen. Bei jüngeren Tätern erlebe man oft, dass dann, wenn plötzlich die Polizei vor der Tür stehe, doch "ein großes Nachdenken einsetzt".
  • Bei der Pressekonferenz wurde auch noch einmal bestätigt, dass es im Kontext des Falls eine weitere Hausdurchsuchung gegeben hatte. Der dabei Betroffene werde als Zeuge geführt, hieß es. Die Durchsuchung habe aber zu "Erkenntnissen" geführt, die dann schließlich halfen, den Tatverdächtigen zu identifizieren.

Dem Tatverdächtigen wird vorgeworfen, über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht zu haben. Mehr als tausend Politiker, Prominente und Journalisten sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums betroffen. Etwa 50 Fälle gelten als schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenzen veröffentlicht wurden.

Diese Meldung wird fortlaufend aktualisiert.

mbö/dpa



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Seite 1
buecker 08.01.2019
1. Sofort einstellen!
Jemand, der eine Behörde überlisten kann, fähiger und kreativer ist als alle Fachleute, sollte eingestellt werden!
dasfred 08.01.2019
2. Langsam überwiegt die Unterhaltung die Sensation
Keine internationale Verschwörung, kein obskures Netzwerk, nur ein junger Mann mit viel Freizeit, Frust und Internet Anschluss. Bin gespannt, wie die Boulevard Presse aus dieser trockenen Zitrone noch Saft pressen wird. Der Junge und seine Eltern werden auf jeden Fall reichlich Stress mit nervigen Reportern haben.
MisterD 08.01.2019
3. Wir gehen mal davon aus...
, dass der bei seinen Eltern lebende 20jährige Schüler keine Kontakte zum russischen, chinesischen, amerikanischen oder nordkoreanischen Geheimdienst hat bzw. hatte... Dann bleibt im Grunde nur eine recht einfache, aber umso erschreckendere Erklärung über: Unsere Damen und Herren Politiker schützen ihre Daten so schlecht, also mit so unsicheren Passwörter und Routinen, dass ein 20jähriger Milchbubi die im Kinderzimmer am Computer "knacken" bzw. erraten kann... Ich frage mich, wie das geht? Ich meine ich bin kein hochrangiger Politiker, aber selbst meine für Dritte relativ unwichtigen Daten, schütze ich durch starke Passwörter und dem Prinzip, mir gut zu überlegen, was ich in die Cloud bzw. in die Öffentlichkeit stelle und was nicht... Hier herrscht dringender(!) Informationsbedarf und zwar nicht beim BSI, sondern bei den "Opfern". Nehmt das endlich ernst und schützt eure Daten nicht mit Passwörtern, wie dem eigenen Nachnamen oder dem Geburtstag der Tochter...
ted211 08.01.2019
4. Unmöglich!
Das geht ja garnicht, sicher über öffentliche Äußerungen von Politikern zu ärgern!
spon-1169332508199 08.01.2019
5.
Tja, wenn sich alle Experten von zwei „Pickelgesichtern“ im übertragenen und überspitzten Sinn die Butter vom Brot nehmen lassen ist doch da was grundlegend faul. Da bin ich auch beruhigt, wenn das BSI sagt die Chinesen spähen nix aus. Aber dieses Internet ist doch für uns alle Neuland ;-)
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