Hackerattacke Verfassungsschutz interessiert sich für Neonazi-Daten

Die Hacker machten fette Beute. Computerexperten haben streng gesicherte Datensätze von 32.000 Neonazis des rechtsextremistischen Netzwerks Blood and Honour gekapert und frei zugänglich ins Internet gestellt. Nun interessiert sich der Thüringer Verfassungsschutz für die Daten.


Frankfurt am Main - Gerd Lang, Sprecher des Thüringer Verfassungsschutzes, sagte dem Sender MDR 1 Radio, seine Behörde sei an den Ergebnissen der Aktion von Neonazi-Gegnern "interessiert". Computer-Hacker hatten sich Zugang zu dem Internet-Forum der in Deutschland verbotenen Neonazi-Gruppierung Blood and Honour verschafft und rund 32.000 Daten gesichert.

Angeblich stehe damit fest, dass die seit September 2000 verbotene Vereinigung in Deutschland weiterhin aktiv sei. "Sollten sich die Einschätzungen bewahrheiten, wären die Daten von großem Interesse, um Strukturen aufzuhellen", sagte Lang.

Es könne auch strafrechtlich relevant sein, wenn jemand in Gruppen aktiv sei, die verboten sind. Als Beweis könnten die Daten allerdings nicht gelten, da sie illegal beschafft wurden.

Für die Spezialisten in seinem Haus dürfte es unabhängig davon kein Problem sein, an die Daten heranzukommen. Samstagmittag waren sie noch frei verfügbar im Netz zum Download bereit.

Einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" zufolge hatten linksgerichtete Computer-Hacker den bisher streng abgeschirmten Server des Netzwerks geentert, auf den sonst nur Mitglieder der Gruppierung mit einem Passwort Zugang hätten. Unter den von der sogenannten Daten-Antifa kopierten Neonazi-Daten seien rund 500 aus Deutschland.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der Nachrichtenagentur ddp am Samstag, die Sicherheitsbehörden gingen wie stets Hinweisen auf extremistische und verfassungsfeindliche Aktivitäten nach.

Die international aktive Skinhead-Organisation Blood and Honour (Blut und Ehre) hat sich zum Ziel gesetzt, die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten. Vor allem über Musik und Magazine will die Bewegung neonazistische Gedanken an Jugendliche weitergeben. Blood and Honour hat den Ruf, dass zur ihr die "Härtesten" der rechten Szene gehören.

Die Bewegung wurde in Großbritannien unter anderem von dem Sänger der Neonazi-Band "Skrewdriver" Ian Stuart Donaldson gegründet, der 1993 bei einem Autounfall ums Leben kam.

asc/ddp/AFP



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