Handy gefilzt US-Teenager verklagt Schule wegen Nacktfotos

Eine US-Schülerin hatte Nacktfotos von sich auf dem Handy, der Staatsanwalt drohte mit einer Anzeige wegen Kinderpornografie. Doch das Mädchen wehrt sich - schließlich habe niemand in ihren privaten Daten herumstöbern dürfen. Jetzt fordert sie ihrerseits Schmerzensgeld.


Meine Nacktfotos gehen euch gar nichts an: Der Rektor einer Highschool im US-Bundesstaat Pennsylvania hat nicht nur das Handy einer 17-jährigen Schülerin eingesackt, sondern auch noch illegalerweise darin herumgestöbert. Dabei entdeckte er freizügige Fotos - und leitete diese an die Staatsanwaltschaft weiter, die daraufhin eine Anzeige wegen Kinderpornografie erwog. Wegen dieses Vorfalls, der sich im Januar 2009 ereignete, wehrt sich jetzt die betroffene Handy-Besitzerin vor Gericht.

"Sie haben mich praktisch durch mein Schlafzimmerfenster beobachtet", erklärte die Klägerin. Sie fordert jetzt Schmerzensgeld - und dass alle Fotos, die Strafverfolger noch aufbewahren, zerstört werden.

Dass Teenager Nacktfotos von sich und Freunden auf ihren Handys mit sich herumtragen und per SMS verschicken, hatte zu der Zeit für große Aufmerksamkeit gesorgt. In mehreren Bundesstaaten wurden Jugendliche wegen des sogenannten "Sexting" angeklagt. Der Vorwurf: Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie. Ausgerechnet in dem Schulbezirk, um den es jetzt wieder geht, standen bereits sechs Teenager wegen des Herumschickens von Nacktbildern vor Gericht.

Den "Sexting"-Verdacht will die jetzt klagende Schülerin nicht stehen lassen: "Diese Bilder waren sehr privat und nicht für andere Augen bestimmt", erklärte die heute 19-Jährige. Es sei erschreckend und erniedrigend, dass Mitarbeiter der Schule, bei der Staatsanwaltschaft und die Polizei diese Foto gesehen hätten. Um einer Anzeige zu entgehen, musste sie damals einen Kurs über sexuelle Gewalt besuchen.

ore/AP



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