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Kunst gegen Überwachung: Wir basteln uns ein tragbares Funkloch

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Handytasche aus Abschirmvlies: Dieses Funkloch passt in die Hostentasche Fotos
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Diese Handytasche blockiert alle Funksignale: Damit Telefone nicht ständig ihren Aufenthaltsort preisgeben, näht Aram Bartholl Hüllen aus Abschirmvlies. Mit seiner Bastelarbeit will der Berliner Künstler aber noch mehr erreichen.

Kein Netz. Durch das Gewebe der grauen Handytasche lässt sich das Display des Telefons gerade noch erkennen: Licht dringt durch das Abschirmvlies nach außen, Funksignale hingegen nicht mehr. Das Handy kann keine Anrufe mehr empfangen und weiß nicht, wo es sich gerade befindet. Die Handytasche ist ein tragbares Funkloch. Man muss also nicht gleich so weit gehen, wie Hans Magnus Enzensberger es am Wochenende in der "Frankfurter Allgemeinen" forderte: "Wer ein Mobiltelefon besitzt, werfe es weg." Eine Verstecktasche macht das eigene Telefon unsichtbar, wenn auch nur vorübergehend.

Außerdem ist sie Kunst. Aram Bartholl hat schon vor zehn Jahren Handy-Verstecktaschen genäht. Passend zur NSA-Affäre hat er sein Projekt reaktiviert, mit den Hackern auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs Handytaschen gebastelt und eine Website eingerichtet. "Kill Your Phone" heißt die, neben einer Anleitung finden sich dort ein Forum mit Tipps und Bastelverabredungen.

Zum Beispiel steht dort, dass man das abschirmende Material lieber doppelt legen sollte. "Wir haben es mit einer Lage ausprobiert und ein Handy direkt neben einen W-Lan-Router gelegt", sagt Bartholl, "das hatte dann noch eine Verbindung." Auf der Seite ruft der in Berlin lebende Künstler dazu auf, selbst Bastelstunden für Handyverstecke zu organisieren (siehe Fotostrecke).

"Das Handy ist eine Wanze"

"Es geht vor allem darum, sich klarzumachen: Das Handy ist eine Wanze", sagt Bartholl. Die Provider wissen, wo ein eingeschaltetes Telefon ist. Zum Teil werden diese Daten über Monate gespeichert. Künftig soll ein Gesetz diese Vorratsdatenspeicherung vorschreiben, also wie lange die Ortsdaten aufbewahrt werden und wann Ermittler darauf zugreifen dürfen.

Aram Bartholl: "Das Gerät, das wir so dringend brauchen, verrät uns" Zur Großansicht
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Aram Bartholl: "Das Gerät, das wir so dringend brauchen, verrät uns"

Außerdem können Apps auf dem Telefon die aktuelle Position abfragen und verschicken. Daraus lassen sich Bewegungsprofile erstellen, die unser Leben nachvollziehbar machen. Wer wirklich sichergehen will, dass sein Telefon ihn nicht verrät, muss es ausschalten und den Akku herausnehmen. Bei einigen Telefonen - etwa beim iPhone - ist das nicht vorgesehen, da hilft dann nur noch die Handy-Verstecktasche.

Hundertprozentig sicher ist die allerdings auch nicht: "Wenn jemand einen Trojaner auf dem Handy installiert, dann kann der trotzdem mithören und verschickt die Aufzeichnung eben später, wenn wieder Netz da ist", sagt Bartholl. Auch dafür hat er schon eine Idee: Eine Konstruktion aus doppeltem Plastikrohr, verkleidet mit dem Abschirmvlies, könnte auch solche Aufnahmen verhindern. Viel wichtiger ist ihm, dass Handynutzer über die Ortungsfunktion ihres Telefons nachdenken und ins Gespräch kommen.

"Wahrnehmung schärfen"

Auch mit seinen anderen Arbeiten macht Bartholl Virtuelles sichtbar. Zum Beispiel hat der Medienkünstler die rote Stecknadel aus Google Maps nachgebaut, sechs Meter groß, und in die Landschaft gepflanzt. Er hat USB-Speichersticks in Wände eingemauert, als Offline-Filesharing-Netzwerk, und sich ein eigenes Streetview-Auto gebaut, um zu sehen, wie Passanten auf die Google-Kameras reagieren.

Obwohl er seit mehr als zehn Jahren auf Hacker-Konferenzen geht und Netzkunst macht, haben ihn die Snowden-Enthüllungen über den Zugriff der Geheimdienste auf das Internet überrascht. "Das geht weiter, als ich mir das vorgestellt habe." Das Streetview-Auto könne man immerhin noch sehen, die Massenüberwachung sei unsichtbar. "Kunst kann helfen und die Wahrnehmung schärfen", sagt Bartholl.

Längst werden Künstler zu Hackern - und umgekehrt. Auf dem Transmediale-Festival im Februar haben zwei IT-Experten gerade gezeigt, wie verwundbar wir Handy-Nutzer sind. Die Hacker stellten eine Antenne auf. Handys, die sich in der Nähe aufhielten, verbanden sich automatisch mit der falschen Funkzelle. Statt abgehört zu werden, bekamen die Nutzer eine SMS geschickt: "Willkommen in Ihrem neuen NSA-Partnernetz." Mit der Handy-Verstecktasche wäre das nicht passiert.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 161 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ausschalten wäre dann wohl einfacher
Susiisttot 03.03.2014
Da kann er das Teil auch gleich ausschalten, wenn ich ein Handy derartig verpacke , dass es nicht senden kann, kann es auch nicht empfangen und damit ist es nutzlos.
2. Der
connaisseur 03.03.2014
...ist kostenfrei und das Display bleibt uneingeschränkt sichtbar. Insofern ein Produkt, das ausschließlich dem Produzenten nutzt.
3. So ein Blödsinn
Off the records 03.03.2014
Wer will das sein Handy den Aufenthaltsort nicht preisgibt, der schaltet es aus. Dazu raucht es keine Bastelarbeiten eine Drittklässlers.
4.
TheK79 03.03.2014
Man könnte sein Handy natürlich auch einfach abschalten, wenn man meint, davon überwacht zu werden – oder gleich gar keines haben, nachdem der Nutzen ja eh weg ist…
5. Sehr
raphaela45 03.03.2014
Sehr, sehr gute Initiative! :-)
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