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Internet-Sicherheitslücke Heartbleed: Ändern Sie Ihre Passwörter. Jetzt!

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Die Heartbleed-Sicherheitslücke macht erneut deutlich, wie abhängig wir Internetnutzer von unseren Passwörtern sind. Warum sind wir zu faul, sie bei Gefahr zu ändern?

Heartbleed-Logo: Fehler in OpenSSL-Programm sorgt für viel Arbeit Zur Großansicht
REUTERS

Heartbleed-Logo: Fehler in OpenSSL-Programm sorgt für viel Arbeit

Die Heartbleed-Sicherheitslücke gefährdet, grob geschätzt, so ziemlich jeden Internetnutzer. Theoretisch. Die Lücke könnten böswillige Angreifer genutzt haben, um bei Dutzenden der größten Web-Dienste Daten abzusaugen, in denen beispielsweise Passwörter enthalten sind. Wie genau das funktioniert, lesen Sie hier. Wie viele Passwörter in der Praxis tatsächlich herausgefischt wurden, ist völlig unklar.

Was jetzt, rein vorsichtshalber, zu tun wäre, ist dagegen klar: Für alle wichtigen Web-Dienste, die man nutzt, sollte man die Passwörter ändern.

Haben Sie das schon getan? Dann können Sie hier aufhören zu lesen.

Haben Sie das noch nicht getan? Dann könnten Sie jetzt, statt weiterzulesen, damit anfangen - am besten mit dem Passwort Ihres primären E-Mail-Accounts, denn an dem hängen im Zweifel zahlreiche andere Dienste.

Sind Sie noch da? Okay, dann können wir ja mal darüber nachdenken, warum das eigentlich so schwierig ist mit den Passwörtern. Genaugenommen ist Heartbleed ja nicht der erste Anlass, sich darüber Gedanken zu machen. Wenn man sich aber umhört, wer aus dem eigenen Bekannten- oder Kollegenkreis tatsächlich zur Tat geschritten ist, stößt man meist auf betretenes Schweigen.

Mit Passwörtern ist es ein bisschen wie mit Fahrradhelmtragen oder häufigem Händewaschen in der Erkältungszeit: Man weiß, dass es eigentlich wichtig wäre, lässt es dann aber doch. Weil man die Wahrscheinlichkeit, dass es einen trifft, subjektiv als zu gering einschätzt, um die eigene Trägheit zu überwinden. Und weil man auch bei großem Aufwand nicht sicher ausschließen kann, dass es einen womöglich doch trifft.

Die Auswirkungen können katastrophal sein, doch die Möglichkeit, dass diese Katastrophe eintritt, ist so abstrakt, dass sie eher als fernes Unbehagen denn als furchteinflößende Bedrohung wahrgenommen wird. Die Passwort-Quälerei dagegen ist sehr real. Menschen, deren Accounts einmal geknackt worden sind, verfahren erfahrungsgemäß sehr viel gewissenhafter bei der Passwortverwaltung. So wie sich Menschen nach Fahrradunfällen häufig zu Helmträgern wandeln.

Passwörter sind eine Quälerei

Damit Passwörter möglichst sicher sind, müsste man sie eigentlich möglichst schwierig machen, schwierig also nicht zuletzt für einen selbst. T8b$l6G.4S5dxHw!d%sP ist ein gutes Passwort (genau diese Zahlenfolge sollten Sie jetzt allerdings nicht mehr verwenden), Mausilein eher ein schlechtes, Passwort das allerschlechteste. Aber Mausilein kann man sich doch so viel besser merken!

Viele Nutzer wählen deshalb eben doch die Mausilein-Variante, vermutlich mit schlechtem Gewissen. Wer die T8b$l6G.4S5dxHw!d%sP-Variante wählt, fühlt sich im Zweifel sicherer, muss aber vermutlich öfter die Passwort-Vergessen-Funktionen bemühen. Oder andere Hilfestellungen nutzen, wie die, sich selbst Listen mit den eigenen Passwörtern per E-Mail zu schicken. Was ähnlich riskant ist wie ein Mausilein-Passwort.

Kurz: Passwörter sind eigentlich immer unangenehm. Sie machen ein schlechtes Gewissen, sie strapazieren das Gedächtnis, sie demütigen uns damit, dass wir ohne sie nicht leben können, sie aber trotzdem ständig vergessen. Ein neues Passwort einzurichten, ist sogar noch unangenehmer, weil man dann beim nächsten Mal noch weniger weiß, welches man jetzt eigentlich aktuell im Gebrauch hatte - und ob das Ausrufezeichen vor oder nach dem kleinen w kam.

Der Umgang mit Passwörtern ist ein Vorgeschmack darauf, wie es sein könnte, eines Tages dement zu werden.

Was passieren kann, wenn es doch passiert

Gleichzeitig sind Passwörter, besonders das für den zentralen E-Mail-Account, so wertvoll wie der eigene Wohnungsschlüssel. Was passieren kann, wenn jemandem sein wichtigstes Passwort geklaut wird, hat der "Wired"-Autor Mat Honan einmal in epischer Breite aus leidvoller eigener Erfahrung aufgeschrieben - wer immer noch bezweifelt, wie schlimm ein Passwortverlust sein kann, dem sei die Lektüre seines Artikels "Kill the Password" wärmstens ans Herz gelegt.

Für Eilige hier die Kurzfassung: Honan verlor die Kontrolle über seinen E-Mail- und seinen Twitter-Account. Die Passwort-Diebe löschten alle Informationen von seinem iPad, seinem iPhone und seinem Macbook, inklusive aller Fotos seines kleinen Kindes. Hätten die Angreifer auch noch seinen Paypal-, Amazon- oder Ebay-Account geknackt, hätten sie auch noch in seinem Namen einkaufen können. Hätten sie sein Leben zerstören wollen, hätten sie Kinderporno-Bilder über seine Accounts kaufen und in die Welt schicken können. Und so weiter.

Honans Fazit war damals: Passwörter sind als System grundsätzlich kaputt, sie müssen weg. Wir alle müssen uns, so folgerte er, online als reale Personen identifizierbar machen: "Wir müssen erlauben, alle unsere Bewegungen, alles, was über uns messbar ist, auf verschiedenste Weise zu erfassen und diese Bewegungen und Messungen mit unserer tatsächlichen Identität zu verknüpfen."

Mit anderen Worten: Honans düstere Antwort auf sein eigenes Passwort-Desaster war selbstgewählte orwellsche Totalüberwachung. Wir hier bei SPIEGEL ONLINE halten das nicht für eine sinnvolle Lösung.

Uns bleibt deshalb derzeit nichts anderes übrig, als uns mit dem Status quo zu arrangieren. Sie haben drei Möglichkeiten:

  • Sie machen es wie der Chefredakteur des Fachmagazins "Heise Security" und bekennen sich dazu, "eher faul als ängstlich" zu sein: Jürgen Schmidt schrieb, er werde "bei den meisten meiner Passwörter folglich erst mal abwarten und nur dann aktiv werden, wenn es konkrete Hinweise auf eine reale Gefahr für sie gibt".
  • Sie denken sich möglichst viele verschiedene starke Passwörter aus (wie das geht, lesen Sie hier), merken sich diese entweder oder schreiben sie auf einen Zettel, den Sie bei sich tragen.
  • Sie vertrauen ihre weniger wichtigen Passwörter einem zentralen Passwort-Manager an. Das macht einmal ziemlich viel Arbeit, erleichtert danach aber das digitale Leben ungemein. Eins setzt allerdings auch diese Lösung voraus: Sie müssen Teile Ihres digitalen Allerheiligsten einer Software oder einer Plattform anvertrauen, der Sie dann eben vertrauen müssen. Besser als die Mausilein-Lösung ist das aber allemal.

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insgesamt 80 Beiträge
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1. Ändern Sie ihr Passwort und...
spon-facebook-10000098389 11.04.2014
... Geben Sie der NSA noch heute nach einem ihrer großen Datencrash´s eure Passwörter weil eine Sicherheitslücke genutzt wird um Menschen dazu zu bringen ihr Passwort zu ändern. Und warum das ganze richtig weil Sie jetzt all eure Daten haben wollen :)
2. Unnötige Panikmache
dt1011047 11.04.2014
Fakt ist, daß selbst diejenigen, die verstehen, wie diese Lücke funktioniert, keinen Weg sehen, systematisch damit Unfug anzurichten. Selbst wenn das eine oder andere Passwort auf diese Weise übertragen wurde, ist es immer noch nicht zwingend als Passwort in den Daten zu erkennen. Und die Zugehörigkeit zu einem Account-Namen ebensowenig. Der Chefred. von heise Security hat da schon ganz Recht, und der ist vom Fach.
3.
saarpirat 11.04.2014
Zitat von sysopREUTERSDie Heartbleed-Sicherheitslücke macht erneut deutlich, wie abhängig wir Internetnutzer von unseren Passwörtern sind. Warum nur sind wir zu faul, sie bei Gefahr zu ändern? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/heartbleed-passwoerter-aendern-und-zwar-sofort-a-963938.html
Was wir brauchen ist ein neuen System, dass unabhängig von mehr oder weniger simplen Passwörtern ist. Sich vielleicht dutzende von alphanumerischen und mit Sonderzeichen angereicherten Ungetümen zu merken kann die Lösung nicht sein. Vielleicht ein Chip. Nur als Anregung.
4. wollte
snake-4 11.04.2014
nur mal auf die eingangsfrage eingehen. warum sind wir zu faul, eine andere regierung zu wählen, wenn uns die alte gefährdet? und was soll das getue um die internetsicherheitslücke, wenn es die nsa gibt?
5. Passwort-Manager
tkedm 11.04.2014
Wenn man bei vielen Seiten und Diensten angemeldet ist, ist so ein Manager eigentlich die einzige Lösung. Was bringt es mir, 50 Login-Daten auf einen Zettel zu schreiben, auf welchen ich dann eines Tages meinen Kaffee verschütte oder der mir geklaut wird? Egal welche Methode: Ein Risiko gibt es immer.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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