Netzwelt-Ticker: Musikindustrie-Leak, neuer Staatstrojaner, Ärger auf der Silk Road

Von Carolin Neumann

Ein internes Papier zeigt, wie sich die Musikindustrie ihre Rettung vorstellt; eine russische Firma enttarnt einen potentiellen Staatstrojaner; australische Behörden warnen Nutzer des illegalen Online-Marktplatzes Silk Road vor rechtlichen Konsequenzen.

Google Musik-Angebot (Symbolbild): Webunternehmen haben Ideen, viele Labels Angst Zur Großansicht
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Google Musik-Angebot (Symbolbild): Webunternehmen haben Ideen, viele Labels Angst

Der Vorwurf gegen die Musikindustrie lautet schon seit langem: Sie investiere zu viel in die Erhaltung ihres alten Geschäftsmodells und den Kampf gegen Online-Piraten, anstatt die Zukunft von Musik im Netz aktiv mitzugestalten. Was zu dieser defensiven Strategie gehört, zeigt jetzt ein interner Bericht (PDF) des Weltverbands der Phonoindustrie, den Netzpolitik.org veröffentlicht hat. Das Blog glaubt darin zu erkennen, dass die Industrie mit gesetzlich sanktionierten Internetsperren gegen Verletzungen des Urheberrechts vorgehen möchte.

So betont der Verband etwa, dass Österreich, Belgien, Deutschland und die Niederlande bereits gezeigt hätten, dass es hierfür eine rechtliche Grundlage geben könne. Es werden unter anderem einige Gerichtsentscheide aus diesen Ländern genannt, die den Kooperationswillen unterstrichen. Technisch sei das Blocken ohnehin meistens bereits möglich. Partnerschaften, heißt es im Fazit des Berichts, seien "entscheidend für den weiteren Erfolg" - und damit dürfte die Phonoindustrie neben den in diesem Konstrukt mit entscheidenden Serviceprovidern vor allem Regierungen meinen.

Italienischer Trojaner enttarnt

Der russische Anti-Viren-Hersteller Dr. Web will einen angeblich aus Italien stammenden Staatstrojaner enttarnt haben. Die "DaVinci"-Malware dringt demnach in Windows-Rechner ebenso ein wie das Apple-Betriebssystem Mac OS X oder mobile Plattformen und ist in der Lage, sich zu verstecken. Laut Dr. Web verwandelt der Trojaner einen Computer in eine umfassende Spionagemaschine einschließlich der Kontrolle über Kommunikationsdaten, Mikrofon und Kamera.

Dr. Web bringt die gefundene Schadsoftware mit der italienischen Firma Hacking Team in Verbindung ohne auszuführen, wieso. Das in Mailand ansässige Unternehmen vermarktet seinen Trojaner als effektives, nicht auffindbares Tool für staatliche Spionage im Dienste der Verbrechensbekämpfung und betonte zum Beispiel letztes Jahr, nicht an Länder zu verkaufen, die von der EU oder den Vereinten Nationen mit einer Handelssperre belegt sind. Eine aktuelle Stellungnahme des Unternehmens stand laut Netzpolitik.org zunächst aus.

Die Entdeckung von "DaVinci", sofern es sich tatsächlich um den mutmaßlichen Staatstrojaner handelt, macht zwei binnen einer Woche: Parallel war ein weiteres Schnüffelprogramm öffentlich geworden, das Berichten zufolge von Staaten eingesetzt wird. Es soll aus Großbritannien stammen und genutzt worden sein, um während der Proteste 2011 Menschenrechtsaktivisten auszuspionieren.

Australische Behörden belangen Silk-Road-Nutzer

Die australische Bundespolizei und der Zoll warnen Nutzer vor dem Online-Drogen-Umschlagplatz Silk Road. Obwohl die Betreiber mit verschiedensten Methoden sicherzustellen versuchen, dass ihre Nutzer nicht belangt werden können, seien diese vor Strafverfolgung keinesfalls sicher, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein Mann aus Melbourne müsse sich in zehn Anklagepunkten verantworten, weil er mit Hilfe der illegalen Plattform versucht habe, Drogen ins Land zu schmuggeln. Wie die Verhaftung gelang, führt die Behörde nicht aus.

"ArsTechnica" fühlt sich deshalb offenbar berufen, die Warnung etwas herabzustufen und damit kurioserweise die Nutzer von Silk Road zu besänftigen. Die Regierung mache zwar den Eindruck, sie könne den Handel auf der Plattform überwachen, heißt es, doch es sei denkbar, dass der Verdächtige eher mit klassischeren Methoden gefasst wurde.

Auch das noch:

  • Die Mayerisierung von Yahoo beginnt: Neu-Chefin Marissa Mayer führt als erstes eine Google-Tradition ein - kostenloses Kantinenessen für alle. Damit gehe sie einen wichtigen Schritt in Richtung Mitarbeiterfreundlichkeit, meint "AllThingsD", etwas, an das es Yahoo fehle - und dessen positive Effekte die frühere Google-Managerin kennt.
  • Ein deutscher Sicherheitsforscher hat laut "Heise" bei einem Test Tausende ungeschützte Geräte gefunden, darunter etwa KfZ-Ortungshardware oder bestimmte Router. Mobiltelefone waren in seine Untersuchung nicht einbezogen.
  • Laut Sophos kämpft Twitter derzeit mit einer massiven Spam-Welle - ist aber auf der Suche nach einer Lösung.
  • Apples Aktivitäten in Asien waren bislang vor allem wegen der strittigen Arbeitsbedingungen in Foxconn-Werken in der Kritik. Chinesische Verbraucherschützer stellen das Unternehmen jetzt wegen mangelndem Kundenservice und schlechten Reparaturbedingungen unter Beobachtung.
  • YouTube will das Kommentar-Niveau durch einen Zwang zu echten Namen heben. Dass eine solche Klarnamenpolitik allerdings gar keine besseren Kommentare bringt, zeigt ein Beispiel aus Südkorea, das "TechCrunch" ausgekramt hat.
  • Ein 19-jähriger Amerikaner wurde verhaftet, weil er via Twitter einen Amoklauf an seiner Uni ankündigte. Ein englischer Witzbold kam jetzt nach ähnlichen Aussagen noch mal mit seiner Freiheit davon.
  • Ausnahme für die Narren: Die umstrittenen neuen Gema-Regelungen gelten für Karnevalsvereine erst nach Aschermittwoch, die Jecken kommen also aus unerfindlichen Gründen noch eine Saison um die teure Neuregelung herum.

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
niska 30.07.2012
Zitat von sysopAPEin internes Papier zeigt, wie sich die Musikindustrie ihre Rettung vorstellt; eine russische Firma enttarnt einen potentiellen Staatstrojaner; australische Behörden warnen Nutzer des illegalen Online-Marktplatzes Silk Road vor rechtlichen Konsequenzen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,847142,00.html
Die Musikindustrie bestätigt nicht nur immer artig alle Vorurteile gegen sie, sondern toppt diese noch. Die einmalige Chance auch mal endlich im neuen Jahrtausend anzukommen und aus einer Neuausrichtung mit neuen Geschäftsmodellen als Gewinner hervorzugehen wird weiterhin leichtfertig verspielt. Stattdessen macht man auf Publikumsbeschimpfung und Kriminalisierung der eigenen potentiellen Kundschaft und überlässt die fetten Pfründe Drittanbietern (iTunes, Amazon, etc.). Sollen sie nur weiter so machen. Bösen Firmen weint keiner eine Träne nach, wenn sie im Lokus der Geschichte verschwinden.
2. Wertlose Einschraenkung...
ajf00 30.07.2012
Zitat von sysopAPEin internes Papier zeigt, wie sich die Musikindustrie ihre Rettung vorstellt; eine russische Firma enttarnt einen potentiellen Staatstrojaner; australische Behörden warnen Nutzer des illegalen Online-Marktplatzes Silk Road vor rechtlichen Konsequenzen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,847142,00.html
Diese Einschraenkung bringt nichts, solange verbrecherische Diktaturen wie Saudi Arabien und China unsere bevorzugten Handelspartner sind und auf solchen Listen nicht auftauchen.
3. optional
sixseven 31.07.2012
"Diese Einschraenkung bringt nichts, solange verbrecherische Diktaturen wie Saudi Arabien und China unsere bevorzugten Handelspartner sind und auf solchen Listen nicht auftauchen." Die Chinesen können das auch alleine, und die Saudis würden es nicht in D. bestellen und nach Hause bestellen, sondern direkt hier (über Mittelsmänner) kaufen.
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  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

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