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Projekt "Mirror Mirror": Virtuelle Anprobe mit dem Hightech-Spiegel

Von

Hightech-Spiegel: Kleidung projizieren, statt anziehen Fotos
Dong Hyeok Yun

Statt in die Umkleidekabine zu gehen, soll man sich zur Anprobe künftig vor einen Digitalspiegel stellen. So stellen sich das jedenfalls japanische Forscher vor - und tüfteln schon am digitalen Schminkspiegel.

"Steht mir das überhaupt?" - die Antwort auf diese zweifelnde Frage beim Kleiderkauf könnte man in Zukunft vielleicht leichter klären als bisher. Etwa indem sich Kaufinteressenten die Anprobe sparen und ihre Garderobe stattdessen virtuell zusammenstellen? Bei der koreanischen Schule für Industriedesign KAIST, genauer, beim MyDesignLab, war das der Ausgangspunkt für die Entwicklung des Hightech-Spiegels "Mirror Mirror".

Das Entwicklerteam setzte für sein Konzept einen großen Flachbildschirm ein, der das Bild des Betrachters wie eine riesige Selfie-Kamera wiedergibt.

Ein Infrarot-Sensor erfasst die Person und ihre Bewegungen. Diese Informationen dienen wiederum einem Projektor dazu, Texturen und Farbmuster auf die Kleidung des Probanden zu werfen. Durch Gestensteuerung und mithilfe kleiner Infrarot-Pointer kann man durch eine Sammlung von Farben und Muster blättern. Die Texturen lassen sich drehen, vergrößern und verkleinern.

Was die Sache noch interessanter macht: Der Anwender ist nicht auf die vorgegebene Musterauswahl beschränkt. Einfach mit dem Infrarot-Pointer auf sich selber zeigen und schon kann man sich mit Hilfe einer Farbpalette nach Lust und Laune Farbmuster, -verläufe und Kombinationen virtuell auf den Leib zeichnen.

Je nach Kleidungsstil oder -zweck kann außerdem ein passendes Hintergrundbild projiziert werden. Der Anwender trifft seine Auswahl dann in simulierten Umgebungen wie Büro, Wald oder Strand. Dieser mehrfach gespiegelte und interaktive Kontext soll die Auswahl eines passenden Designs erleichtern.

Einwegkleidung aus dem Drucker

Wenn das Ergebnis gefällt, wird die getroffene Auswahl an die Körpermaße des Anwenders angepasst und gedruckt. Derzeit funktioniert das Prinzip am besten auf schlichten Kleidungsstücken wie T-Shirts und Sweatshirts. Da das Muster auf den Körper projiziert wird und über die Kamera auf dem TV-Spiegel erscheint, kann man sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Das Verfahren wurde für den Modebereich entwickelt. Es ziele auf den Trend zu Einwegkleidung, schreibt das koreanische DesignLab. Dank3D-Druck sei die Zeit nicht mehr fern, in der sich jeder seine Kleidung selbst herstellen und seine Designs über das Internet teilen könne.

Für die Modebranche ist das Konzept bereits mehr als Zukunftsmusik. Wie "FastCompany" berichtet, gibt es im Textilhandel seit Längerem Überlegungen, Kunden im Laden die Gestaltung und Produktion eigener Entwürfe zu ermöglichen. So habe etwa Adidas angekündigt, ab 2017 derartige Geschäfte zu eröffnen.

Virtuelle Schminkhilfe

Die Einsatzmöglichkeiten von Mirror Mirror sind dabei nicht auf die Gestaltung von Kleidung beschränkt. Entwicklungsleiter Daniel Saakes sagte SPIEGEL ONLINE, eine miniaturisierte Version des Systems, etwa in einem Taschenspiegel mit Projektor, könnte Frauen beim Schminken helfen. Die Anwenderin würde sozusagen ein Vorschaubild im TV-Spiegel oder direkt auf ihr Gesicht projiziert bekommen. Ähnliche Gestaltungshilfen seien für Tattoo-Studios denkbar.

Vor allem aber möchte Saakes seine Entwicklung in ernsthaften Bereichen einsetzen, zum Beispiel in der Medizin. Ärzte könnten geplante Operationen mit ihren Patienten besser besprechen. Innere Krankheiten könnten den Betroffenen direkt auf ihrem Körper erklärt werden.

Unterm Strich scheint es sich bei "Mirror Mirror" um eine vereinfachte, aber bewegliche Version von Microsofts Illumiroom und Room Alive zu handeln. Auch dort wird die Bildschirmumgebung durch Sensoren und Projektoren in eine interaktive Steuerzone umgewandelt. Das ähnliche HoloLens-System ist ebenfalls für medizinische Zwecke geeignet.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. High-Tech?
humorrid 18.09.2015
Bei Mirror Mirror handelt es sich eher um eine Low-Tech-Lösung: eine verdunkelte Kiste mit einseitig verspiegelter Oberfläche (Glas + Spionfolie) sowie einen handelsüblichen Projektor und einen Kinectsensor (Xbox), beide sind an einen Medienrechner angeschlossen. Sensor erkennt die Extremitäten des Users und mappt dann die entsprechende Oberfläche darauf. Ausserdem kann die Technik nur auf einen User gleichzeitig reagieren, was eine Verschwendung ist, mehr als ein Gimmick ist es nicht. Lustiges Beispiel des gehackten Kinects unter vimeo.com/93496608 oder einfach Kinect und Interaction suchen. Sonst ist die Nutzung der Technologie für Klamottenkauf finde ich nicht gerade fantasievoll, genausowenig wie transparente Displays als Tür für einen Kühlschrank.
2. Den digitalen Schminkspiegel...
etude 18.09.2015
...gibt es längst als App für's Smartphone. Nennt sich Make Up Genius, stellt zwar nur frei wählbare Produkte eines Herstellers dar, aber funktioniert auf dem eigenen Livebild hervorragend. Von Männern angewandt übrigens der Brüller auf jeder Party!
3. Sorry
Leser161 18.09.2015
Wer glaubt das das funktioniert hat zuviel Geldscheine geschnupft. Der Witz beim Anprobieren und der Grund warum anprobieren noch sehr lange undigital sein wird ist, dass man herausfindet wie sich das Teil so anfühlt. Ohne Gehirnschnittstelle wird einem das kein Computer sagen können.
4. Erinnert
Flying Rain 18.09.2015
Erinnert mich an die App von L'Oreal zum Schminken, wobei ich es als man eher als Gegenstück zu den Apps sehe wo ich leuten Bärte ankleben kann ;D aber wenn es ebenso gut funktioniert könnte das schon klappen....immer wieder lustig Leuten am nächsten morgen nach dem Feiern die Bilder aus der App zu zeigen und ihnen zu sagen das man sie geschminkt hatt ::D
5. Welche japanischen Forscher?
hermann gottschewski 19.09.2015
Wo kommen denn jetzt im Artikel japanische Forscher vor? Arbeiten diese im koreanischen Forschungsinstitut? Oder besitzt Daniel Saakes die japanische Nationalität?
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