Hintergrund Was sind Cyberwaffen?


Bei „Cyber-Waffen“ kann prinzipiell zwischen physischen und logischen Angriffsmöglichkeiten unterschieden werden. Physische Angriffe könnte es zum Beispiel durch Mikrowellen geben, mit denen die Halbleiterchips der Computer zerstört werden können. Für die so genannten "Jamming"-Angriffe sind starke Sender nötig, die sich möglichst nahe am Ziel befinden müssen. Diese Geräte gibt es bereits, einige sind nicht größer als ein normaler Aktenkoffer. Datensicherheitsexperte Klaus Brunnstein entwirft ein Zukunftsszenario: "Denkbar wären auch Angriffe aus dem Weltraum, wenn die Störstrahlen sich fokussieren lassen".

Neben den physischen Attacken könnte es in einem Cyberwar auch Angriffe geben, bei denen Software die Hauptrolle spielt. So könnten Eindringlinge bestimmte "Hintertüren" in den Programmen des Gegners nutzen, um sich Zugang zu dessen Computernetzwerken zu verschaffen. "Es gibt seit langem Gerüchte, dass solche Funktionen gezielt von US-Herstellern in Systeme eingebaut wurden, die in bestimmte Regionen geliefert werden sollten, eventuell auf Einwirkung von US-Stellen", erklärt Brunnstein.

Neben vorsätzlich eingebauten "backdoors" könnten sich Angreifer auch auf Sicherheitsmängel und Systemschwächen in der Software des Gegners verlassen. Solche Probleme, etwa in Internetprotokollen oder in Server-Betriebssystemen sind zwar häufig in Fachkreisen bekannt, trotzdem tun viele Systembetreuer aus Unwissenheit oder Ignoranz nichts dagegen, selbst im militärischen Bereich. Computer-Krieger oder von ihnen entwickelte Software könnten sich das zunutze machen.

Weitgehend automatisierte Schadprogramme spielen die Hauptrolle bei so genannten Distributed-Denial-of-Service-Angriffen (DDoS). Mit solchen Attacken mussten bereits zahlreiche E-Commerce-Unternehmen wie Amazon und Yahoo! kämpfen. Auch in der Cyber-Konfrontation zwischen chinesischen und US-Hackern spielten DDoS-Angriffe eine wichtige Rolle. Durch die Attacken wird verhindert, dass die angegriffenen Rechner überhaupt noch über das Netz zu erreichen sind, weil sie von den Angreifern mit Tausenden von sinnlosen Anfragen überschwemmt werden.

Nicht zuletzt sind Viren, Würmer und Trojaner, bösartige Software also, wichtige Waffen im Cyberwar. Sie können wie die anderen Angriffsmöglichkeiten direkt gegen ein bestimmtes Ziel oder indirekt gegen mehrere Ziele eingesetzt werden. Vor allem bei Viren und Würmern ist eine genaue Kontrolle der Wirkung aber schwierig. Kritiker, unter anderem aus der Grünen-Bundestagsfraktion, warnen daher vor einer unkontrollierten Verbreitung der Cyber-Waffen, die im Kriegsfall auch zivile Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser lahm legen könnten.

Christoph Seidler

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