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Armes Würstchen

Bayern Münchens Präsident Hoeneß: Armes Würstchen Zur Großansicht
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Bayern Münchens Präsident Hoeneß: Armes Würstchen

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Er hat sich als Saubermann inszeniert ("Ich zahle volle Steuern"), sich in Interviews auf die Seite des "kleinen Mannes" geschlagen ("Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen"), seinen Umgang mit Geld betont locker dargestellt ("Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein") - jetzt bekommt es Uli Hoeneß mit voller Wucht zurück. Seine mutmaßliche Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung bleibt im Netz selbstredend nicht unkommentiert. Armes Würstchen.

Nein, wirklich. Die Wurstmetapher können Twitterer und Blogger sich nicht verkneifen. "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, meine Würstchen sind sauber. (#Hoeness)", twittert Doris Brockmann. Würstchen-Uli sei "mit allen Wurstwassern gewaschen", konstatiert die Satire-Website "Der Postillon" und lässt ihre Leser über Hoeneß-Lieblingszitate abstimmen; alle selbstredend zu den Themen Management, Geld und Steuern. Noch kann abgestimmt werden.

Und wer sich selbst allwissend und weißwestig inszeniert, der muss auch damit rechnen, sich bei mutmaßlicher Steuerhinterziehung in einem Tumblr-Blog wiederzufinden. "Uli Hoeneß erklärt Dinge" heißt die Seite, in der der Bayern-Chef nicht nur das "Abseits", sondern auch "unvorstellbare Summen" oder "sich für zuständig" erklären darf. Bebildert natürlich: Hoeneß mit Zigarre, Hoeneß im Bayern-Outfit.

Hoeneß wird schon lange geliebt und gehasst. Diejenigen, die zu seinen Fans gehören, zeigen sich enttäuscht. Andere wütend: "Ja, ja #Hoeness. Jetzt sind wieder die Medien Schuld. So etwas Erbärmliches!", twittert Gert Korn. Schließlich sagte Hoeneß erst lange nichts, dann kündigte er Klagen gegen Medienhäuser an.

Und wie geht es jetzt weiter? Falls Merkel ihm noch nicht "das vollste Vertrauen ausgesprochen" habe oder der russische Präsident Putin ihm noch nicht "den Pass angeboten" habe, wie Twitterer vermuten, bleibt… ja, was? Der Rücktritt? Gefängnis?

"#OLG München: Die ersten fragen schon, ob sie ihre #NSU Tickets gegen die vom #Hoeneß Prozess tauschen dürfen...", schreibt Comedy-Schreiber Micky Beisenherz. Doch so weit ist es noch lange nicht.

Erst einmal spielt der FC Bayern morgen im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona. Und auch wenn Trainer Jupp Heynckes keine negativen Auswirkungen auf das Spiel befürchtet - so wie die Stimmung im Netz derzeit ist, dürfte sich Hoeneß bei einer Niederlage freuen, wenn es bei Würstchen-Witzen bleibt.

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borzensen 22.04.2013
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"Ich muss nicht auf die Malediven"

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