Homophobes Telefonmarketing "Die Konkurrenz unterstützt Kinderpornographie"

Mit merkwürdigen Methoden versucht eine Telefongesellschaft aus Oklahoma Kunden zu werben: Die Konkurrenz unterstütze nicht nur die Homo-Ehe sondern auch Kinderpornographie, behaupten christlich angehauchte Anwerber am Telefon. Ein US-Comedian zeichnete mehrere der Anrufe auf.


Telefonmarketing: "Wir werden sie zerschmettern"
AP

Telefonmarketing: "Wir werden sie zerschmettern"

Der folgende Dialog stammt aus einem Gespräch zwischen der Vertreterin einer religiösen Non-Profit-Organisation und dem US-Komiker Eugene Mirman. Der Grund für den Anruf: Die Anruferin will Mirman überreden, die Telefongesellschaft zu wechseln.

Profiteur des Ganzen ist United American Technologies (UAT), ein Netzbetreiber im Bundesstaat Oklahoma und, laut Aussage einer Anwerberin, "die einzige Telefongesellschaft, die aktiv gegen gleichgeschlechtliche Ehe und Harcore-Kinderpornographie Stellung bezieht".

Operator: Haben Sie die 1 gedrückt, um sich gegen gleichgeschlechtliche Ehen auszusprechen?

Mirman: Oh, habe ich gedrückt, ja.

Operator: Okay, das ist schön zu hören. Und sind Sie gegen gleichgeschlechtliche Ehen?

Mirman: Nun ja, ich will sie zerstören, ja.

Operator: Okay. Das ist schön zu hören...

Mirman: Wir werden sie zerschmettern wie die Faust Gottes.

Operator: Genau.

Mirman hat schon mehrere solcher Anrufe erhalten, zwei davon sind auf seiner Webseite im Mp3-Format abzurufen. "Mir haben sie erzählt, das Geld würde für Kirchen gespendet, wenn ich die Gesellschaft wechsle", erklärte der Stand-Up-Comedian, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Er ist in den USA in mehreren hochkarätigen Fernsehshows aufgetreten, veröffentlicht Platten - und im kommenden Sommer wird er beim Edinburgh Fringe Festival in Schottland auf der Bühne stehen. Mirman glaubt, sein Name sei auf einer entsprechenden Adressliste gelandet, weil er vor einigen Jahren 50 Dollar an den erzkonservativen Politiker Alan Keyes gespendet hat.

Bei jedem Werbeanruf der Organisation mit dem Namen "Faith, Family and Freedom" lief zunächst lief ein Band mit der Aufforderung, eine Petition gegen gleichschlechtliche Ehen zu unterstützen. Nachdem Mirman per Tastendruck auf dem Telefon Zustimmung signalisiert hatte, wurde ihm der Wechsel zu der "christlich basierten Telefongesellschaft" nahegelegt.

Webseite von UAT: "Die haben eine pädophile Webseite"

Webseite von UAT: "Die haben eine pädophile Webseite"

Mirman drückte stets den Aufnahmeknopf seines Tonbandgerätes - und gab sich als schwulenfeindlicher Rechtsaußen aus, um die Anrufer noch weiter aus der Reserve zu locken. Weil die Dame am Telefon auch davon spricht, dass andere Telefongesellschaften Kinderpornographie unterstützen würden, fragt Mirman entsetzt nach:

Mirman: AT&T sponsort Kinderpornographie?

Operator: Nein. Nein, das ist MCI
[eine andere Telefongesellschaft].

Mirman: MCI hat Hardcore-Kinderpornografie?

Operator: Ja, haben sie. Sie haben eine pädophile Webseite für Männer, die Jungen lieben. Sie ist in Montreal...

Mirman: MCI hat also praktisch einen Kinderpornografie-Ring?

Operator: Das ist korrekt.

Anschließend macht die Anruferin einem anderen Konkurrenten von UAT, Verizon, zum Vorwurf, er "trainiere" seine Angestellten darauf, "den schwulen und lesbischen Lebensstil zu akzeptieren". Weder MCI noch AT&T haben bislang auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE reagiert - aber die Marketingmethoden von UAT dürften durchaus justiziabel sein.

Komiker Mirman: "Ich würde mich betrogen fühlen"

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Einem Journalisten von der Zeitung "New York Sun" gelang es, einen UAT-Angestellten zum Thema zu befragen - und der bestätigte, dass etwa 2000 Menschen im Monat durch solche Anrufe dazu bewegt würden, die Telefongesellschaft zu wechseln. Er gab gegenüber dem Blatt auch zu: "Unser Hauptding sind Anrufe gegen den schwulen und lesbischen Lebensstil."

Der Reporter der "New York Sun" will auch herausgefunden haben, wer das Geld, das UAT für erfolgreiche Anrufe bezahlt, wirklich bekommen haben soll: Die Organisation "Faith, Family and Freedom" wurde demnach von Lance Cargill gegründet, dem Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus von Oklahoma.

Ein Prozentsatz aller Profite, die durch die Werbe-Anrufe erzielt werden, flössen demnach konservativen politischen Kampagnen zu - nicht, wie Mirman gesagt wurde, für kirchliche Einrichtungen. Der kommentiert sarkastisch: "Wenn ich die Sache ernst gemeint hätte, würde ich mich jetzt wirklich betrogen fühlen." Kein Kommentar liegt SPIEGEL ONLINE bisher dagegen von Lance Cargill vor, der auf eine entsprechende Anfrage nicht reagierte.

Gegenüber der "New York Sun" bestritt der Republikaner Cargill dagegen, von dem exakten Vorgehen bei den Abwerbungsversuchen gewusst zu haben. Inzwischen habe "Faith, Family and Freedom" seine Rekrutierungsbemühungen für UAT auch eingestellt. Man habe damit aufgehört, weil es Beschwerden von Menschen gegeben habe, "die die Anrufe nicht zu schätzen wussten", so Cargill gegenüber der Zeitung. Andere Organisationen versuchten aber weiterhin, Menschen zum Wechsel zur "christlich basierten Telefongesellschaft" zu bewegen.

Christian Stöcker



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