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HTML5: iPad krempelt Videostandard im Web um

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Ihre Websites sollen glänzen: Medienunternehmen wollen, dass ihre Angebote auch auf Apples neuem iPad funktionieren. Weil Apple sich dem verbreiteten Flash-Plugin verweigert, müssen sie dazu die Videowiedergabe auf HTML5 umstellen. Gerät die Marktmacht von Flash ins Wanken?

Apple iPad: Der flache Tablet-PC kann Videos abspielen - nur nicht im Flash-Format Zur Großansicht
Getty Images

Apple iPad: Der flache Tablet-PC kann Videos abspielen - nur nicht im Flash-Format

Die "New York Times" und das "Time"-Magazin machen den Anfang: Pünktlich zur Markteinführung von Apples iPad am 3. April haben die Nachrichtenseiten angekündigt, ihre Videos künftig auch für den neuen Tablet-PC auszuliefern. Die Firma Brightcove, die für 1300 Kunden die Video-Auslieferung übernimmt, hat mit beiden Seiten die Video-Auslieferung im neuen Web-Standard HTML5 getestet.

Bisher ist bei Brightcove, und damit zahlreichen wichtigen Medienunternehmen, das Flash-Format im Einsatz. Im Web ist Flash praktisch der Standard für die Anzeige von interaktiven Grafiken und Videos. Nahezu alle Browser haben das dafür benötigte Plug-in der Firma Adobe installiert. Doch weil sich mit Flash nicht nur Videos abspielen lassen, sondern auch ganze Anwendungen programmiert werden können, sperrt sich Apple gegen das Plug-in.

Programme für iPhone und iPad sollen nur über den App Store erhältlich sein, damit Apple kontrollieren kann, was auf den Geräten läuft. Außerdem verdient das Unternehmen an jeder verkauften App mit. Weil das Flash-Plug-in nicht nur ordentlich Rechenpower und möglichst direkten Zugriff auf die Hardware benötigt, sondern auch eine Gefahr für das Geschäftsmodell ist, setzt Apple zur Videowiedergabe auf den neuen Webstandard HTML5.

Ausgerechnet Apples protektionistische Absicht führt nun dazu, dass sich das in den finalen Zügen der Entwicklung befindliche HTML5 schneller verbreitet, als man es von Web-Standards bisher kannte. Kein Wunder: Nutzer von iPhones waren nach einer Studie im Dezember in den USA für mehr als die Hälfte aller Web-Abrufe per Handy verantwortlich. Schenkt man dem aktuellen Hype ums iPad Glauben, könnten allein in den ersten Wochen über 1,5 Millionen Geräte verkauft werden.

HTML5 im Einsatz, Codecfrage unentschieden

Auch der US-Fernsehsender CBS experimentiert bereits mit der Videofunktion von HTML5. Ebenso YouTube: Googles Videoplattform liefert sowieso schon mit dem Standard H.264 codierte Videos aus, die auf dem iPhone laufen, genauso wie die mobile Version von SPIEGEL ONLINE. Testweise schickt YouTube seine H.264-Videos auch schon mit HTML5 direkt an den Browser, ohne Umweg über das Flash-Zusatzprogramm.

Der Umstieg von Flash, dem Format der Firma Adobe, auf einen offenen Web-Standard hat bisher allerdings einen Haken: Nicht alle aktuellen Browser, die HTML5 beherrschen, können auch mit den H.264-codierten Filmen etwas anfangen. Während Googles Chrome und Apples Safari den Codec mitbringen, bleiben Mozilla Firefox und Opera draußen vor. Der Internet Explorer ist noch nicht in der HTML5-Welt angekommen, die neunte Version soll aber H.264 können.

Das Problem: Der neue Web-Standard schreibt zwar vor, wie man Videos in Web-Seiten einbettet und was Browser damit anfangen. Was er nicht vorschreibt, ist der zu verwendende Codec. Weil H.264 keine Open-Source-Software ist und für den Einbau des Decodieralgorithmus Lizenzgebühren fällig werden, verzichten die Firefox- und Opera-Entwickler darauf und verwenden einen anderen Codec.

Bis die Flash-Videos ganz aus dem Internet verschwunden sind, muss also noch eine Formatfrage geklärt werden. Möglicherweise hält Google mit einer kürzlich aufgekauften Firma den Schlüssel dazu in den Händen. Doch weil Flash eben so viel mehr kann, als nur Videos abzuspielen, wird es auch dann zunächst ein Nebeneinander der Formate geben. Für animierte Grafiken zeichnet sich eine breite Unterstützung des freien Vektorgrafikformats SVG als Flash-Alternative ab - wenn auch noch die entsprechenden Inhalte fehlen.

Selbst jetzt, da sich das Web HTML5 zuwendet, gibt es Gerüchte um eine engere Kooperation zwischen Google und der Flash-Firma Adobe. Der Chrome-Browser, so heißt es, könnte noch enger mit dem Plug-in verwoben werden. Google fährt offenbar zweigleisig, ganz so radikal wie Apple setzt man noch nicht auf HTML5. Dabei hat auch Google ein Interesse am Flash-Abbau: Bisher lassen sich sich Flash-Inhalte kaum sinnvoll durchsuchen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
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1. aber hoffentlich
digidigi 30.03.2010
Hoffentlich geht dieses Übel so schnell wie möglich den Weg ins Jenseits. Fürs Streaming ist jede andere Lösung besser als Flash.
2. Apple Hype
Viper2024, 30.03.2010
dieser Hype um Apple ist mal wieder unerträglich. Ich bin sehr multimedial verzichte aber bisher ganz auf Produkte aus diesem Haus und lebe immer noch. Solange Apple keine freien Standards verwendet sondern alles immer kontrollieren und zensieren will bleibt dies auch so. Das Apple das ganze Internet zwanghaft umkremplen will finde ich zwar persönlich lächerlich, aber wenn sie Spaß dran haben, sollen sie es versuchen. PS: Werde deutsche Onlinereakteure eigentlich von Apple bezahlt, da alle deutschen Medien diese Firme so hypen?
3. ...
m-pesch, 30.03.2010
Zitat von Viper2024dieser Hype um Apple ist mal wieder unerträglich. Ich bin sehr multimedial verzichte aber bisher ganz auf Produkte aus diesem Haus und lebe immer noch. Solange Apple keine freien Standards verwendet sondern alles immer kontrollieren und zensieren will bleibt dies auch so. Das Apple das ganze Internet zwanghaft umkremplen will finde ich zwar persönlich lächerlich, aber wenn sie Spaß dran haben, sollen sie es versuchen. PS: Werde deutsche Onlinereakteure eigentlich von Apple bezahlt, da alle deutschen Medien diese Firme so hypen?
Ganz umsonst gibt es das Gratis iPad für die Autoren natürlich nicht. Das ist wie mit den deutschen Autos. Für ne Probefahrt an der Cote d´azur mit dem neuesten BMW Cabrio übersieht der Tester schon mal die ein oder andere Kleinigkeit oder findet beim geizigen Mitbewerber das ein oder andere Haar in der Suppe.
4. Nun ja...
stasicom, 30.03.2010
Zitat von Viper2024dieser Hype um Apple ist mal wieder unerträglich. Ich bin sehr multimedial verzichte aber bisher ganz auf Produkte aus diesem Haus und lebe immer noch. Solange Apple keine freien Standards verwendet sondern alles immer kontrollieren und zensieren will bleibt dies auch so. Das Apple das ganze Internet zwanghaft umkremplen will finde ich zwar persönlich lächerlich, aber wenn sie Spaß dran haben, sollen sie es versuchen. PS: Werde deutsche Onlinereakteure eigentlich von Apple bezahlt, da alle deutschen Medien diese Firme so hypen?
Der mediale Apple-Hype ist in Deutschland so verbreitet, damit die zahlreichen Neider, Nerds und Basher ordentlich Dampf ablassen können... Was ja auch immer, aber wirklich immer funktioniert. Bin so ein bis zweimal im Jahr in den USA, da wird Apple in erster Linie als ein äusserst erfolgreiches Unternehmen wahrgenommen. Kann man hier wohl nicht erwarten...
5. Den Hype hypen...
derfflingert, 30.03.2010
Zitat von Viper2024dieser Hype um Apple ist mal wieder unerträglich. Ich bin sehr multimedial verzichte aber bisher ganz auf Produkte aus diesem Haus und lebe immer noch. Solange Apple keine freien Standards verwendet sondern alles immer kontrollieren und zensieren will bleibt dies auch so. Das Apple das ganze Internet zwanghaft umkremplen will finde ich zwar persönlich lächerlich, aber wenn sie Spaß dran haben, sollen sie es versuchen. PS: Werde deutsche Onlinereakteure eigentlich von Apple bezahlt, da alle deutschen Medien diese Firme so hypen?
Herzlichen Glückwunsch! Aber hatten Sie gelegentlich Zweifel... Hoffentlich werden Sie nicht schwach. Manchmal frage ich mich wirklich, ob die meisten, wenn nicht sogar alle, die sich über solche Hypes aufregen, schon den Kinderschuhen entwachsen sind. Dagegen spricht, dass sie nicht in der Lage zu sein scheinen, die entsprechenden Artikel einfach links liegen zu lassen. Was ist es nur, das sie veranlasst, nicht nur diese Seiten aufzurufen, sondern sich auch noch in die Blogs einzuschalten, um - völlig am Thema : vorbei - ihren Frust darüber loszuwerden, dass über ein Produkt einer Firma berichtet wird, die sie, wie auch der hier angesprochene Forist, nach eigenen Aussagen meiden wie der Teufel das Weihwasser. Ist das nur in D so, oder gibt's diese Masochisten auch in anderen Ländern? D
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Flash: Ein Multimedia-Player beherrscht das Web

Hintergrund
Flash-Geschichte
1996 bringt Macromedia die erste Flash-Version auf den Markt. Ursprünglich geht es um einfache Animationen, die Videofunktionen kommen erst sechs Jahre später dazu. Mit Flash Lite wird 2003 eine Sparversion entwickelt, die auch auf schwächeren Computern laufen soll. 2005, im YouTube-Geburtsjahr, wird Macromedia von Adobe übernommen. 2007 bringt Apple das iPhone auf den Markt - und weigert sich seitdem, Flash in seinen mobilen Browser zu integrieren. Im Oktober 2008 veröffentlicht Adobe die derzeit aktuelle Version 10 des Flash-Players, der nun auch 3D-Animationen unterstützt.
Apples Kriegserklärung
Die Botschaft überbrachte Apple-Chef Steve Jobs Anfang dieses Jahres persönlich. Bei der sorgfältig vorbereiten Präsentation des iPads, bei der nun wirklich nichts dem Zufall überlassen wurde, surfte Jobs mit dem neuen Tablet-Computer im Internet. Zu sehen war, was für viele Millionen iPhone-Besitzer Alltag ist: Eine Fehlermeldung, weil das Flash-Plugin fehlt. Statt der erhofften Inhalte war nur ein Platzhalter zu sehen. Jobs präsentierte den Computer der Zukunft, lobte die eigene Entwicklung als "signifikant besser als alles andere" und machte klar: In der schönen, neuen Apple-Welt ist für Flash kein Platz.
Der lange Weg zu HTML5
Seit 2004 arbeiten Mitarbeiter von Browser-Herstellern an der nächsten HTML-Version. Praktisch jeder kann bei der Web Hypertext Application Technology Working Group (WHATWG) mitmachen, die Federführung liegt jedoch bei neun Hersteller-Vertretern.

Für die offizielle Spezifikation ist wiederum eine Arbeitsgruppe des Webstandard-Konsortiums W3C zuständig, die HTML Working Group. Seit 2007 arbeitet dieses Gremium parallel zur WHATWG und nimmt deren Ergebnisse als Grundlage. Ende des Jahres soll die erste Fassung des HTML5-Standards fertig sein. Bis HTML5 offizieller Standard wird, werden noch ein paar Jahre voller Abstimmungen und Diskussionen vergehen. Aber 2022 könnte es dann soweit sein.
Fotostrecke
iPad: Das kann Apples schicke Flunder


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