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Terrier in der Fußgängerzone erschossen: Netzkampagne gegen hessische Polizisten

American Staffordshire Terrier (Archivbild): In Rüsselsheim wurden zwei Hunde von Polizisten getötet Zur Großansicht
DPA

American Staffordshire Terrier (Archivbild): In Rüsselsheim wurden zwei Hunde von Polizisten getötet

Im hessischen Rüsselsheim haben Polizisten zwei Terrier getötet, nachdem die Hunde Menschen gebissen hatten. Weil ein Video mit den Schüssen im Internet auftauchte, empören sich nun zahlreiche Tierfreunde über die Beamten.

Rüsselsheimer Polizisten müssen sich seit einigen Tagen mit drastischer Kritik aus sozialen Netzwerken auseinandersetzen. Anlass ist ein Facebook-Video, das zeigt, wie die Beamten in der Fußgängerzone zwei Hunde erschießen. Bei Facebook hat sich der Clip am Dienstag rasant verbreitet. Wie die Darmstädter Staatsanwaltschaft "HR Online" mitteilt, sind wegen des Vorfalls bereits mehrere Anzeigen eingegangen. Auch der Rüsselsheimer Oberbürgermeister bekommt laut Eigenaussage wegen der Angelegenheit derzeit Post "aus der ganzen Bundesrepublik".

Die Polizisten rechtfertigen die Tötung damit, dass die American-Staffordshire-Terrier frei herumgelaufen seien, ohne dass ihr Halter in der Nähe gewesen sei. Außerdem sei der Versuch, die Hunde einzufangen, gescheitert, die Tiere hätten währenddessen zwei Menschen gebissen. Diese Geschehnisse seien anders als die Schüsse nicht im Facebook-Video zu sehen.

Im Netz scheint es allerdings zahlreiche Nutzer zu geben, die die genannte Vorgeschichte anzweifeln oder für irrelevant zu halten: Eine Facebook-Seite namens "Wir glauben an Kimbos und Tays Unschuld" beispielsweise kommt auf fast 60.000 "Gefällt mir"-Angaben, von denen eine näher angeschaute Profil-Stichprobe durchaus authentisch wirkt.

Ermittlungen gegen Polizisten gefordert

Auf der Seite erscheinen Beiträge wie "Ich Bitte alle die diese Seite geliket haben und für die Gerechtigkeit für Kimbo und Tays (die Hundenamen - d. Red.) kämpfen bitte das Video überall, dass jedes Medien manipulierte Gehirn es erfährt das Kimbo und Tays Opfer sind keine Monster !!!!!!!". Dutzende Nutzer fordern die Suspendierung der Polizisten. Ebenso gibt es auf Facebook Einträge wie "Man sollte diese Polizisten genauso erschießen". Mittlerweile gibt es auch eine Online-Petition, die Ermittlungen "gegen schießwütige Polizeibeamten in Rüsselsheim" fordert. Sie kommt derzeit auf 78.600 Online-Unterschriften.

Die Halter der getöteten Hunde sagten in einem Fernsehbericht des Hessischen Rundfunks, die Tiere seien als Wachhunde in einer Shisha-Lounge gewesen. Die Lounge hätten sie verlassen können, weil es nachts einen Einbruchsversuch gegeben habe. Auf der Straße hätten die Hunde am Morgen nur "gespielt". Der Tierschutzverein Rüsselsheim schreibt in einer Stellungnahme, dass er das Vorgehen der Polizei für "absolut überzogen" hält und es "zutiefst missbilligt": "Die Notwendigkeit die Tiere vorher zu erschießen, sehen wir als nicht gegeben."

Vor Kurzem kursierte ein Katzenquäler-Video

Anfang September hatte ein Katzentötungs-Video im Netz für ähnlich große Aufregung gesorgt. Das Video zeigte, wie Männer eine Katze in einem leeren Silo zu Tode quälen, unter anderem indem sie mit Schaufeln auf das Tier einschlagen. In den sozialen Netzwerken kursierten nach Veröffentlichung des Videos mehrere Namen, Bilder und Adressen von Personen aus Baden-Württemberg, einige erhielten Drohanrufe. Das Polizeipräsidium Konstanz warnte damals, dass Hetzkampagnen und die Belastung von Unschuldigen nicht dabei helfen würden, die tatsächlich Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Fall aus Rüsselsheim könnte nun möglicherweise auch für einige Internetkommentatoren Konsequenzen haben. "Wir begrüßen natürlich freie Meinungsäußerung", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag zu "HR Online". "Aber das Netz ist kein rechtsfreier Raum." Man werde prüfen, wo es im Einzelfall zu Beleidigungen gekommen sei und ob eventuell Ermittlungen eingeleitet würden.

Der Rüsselsheimer Oberbürgermeister Patrick Burghardt schrieb am Donnerstag auf Twitter, die Polizei habe richtig gehandelt. In einer Erklärung auf der städtischen Website heißt es: "Ich will mir gar nicht ausmalen, was hätte passieren können, wenn die Polizei nicht so reagiert hätte. Es ist nicht auszudenken, wenn auch noch ein Kind gebissen worden wäre, das einfach nur zur Schule wollte."

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