Hype der Woche: Hunde spielen schlecht Klavier und singen falsch

Tiere und Musikinstrumente sind im Internet eine todsichere Sache. Doch galten bislang Katzen als die Königinnen des Pianoforte, bringt sich nun ein klavierspielender Hund in Position: Das Tier kann klimpern und gleichzeitig singen. Mit Inbrunst.

Klavierspielende Katzen sind bislang die unangefochtenen Stars des Internets. Ein schwarzes Tier namens Nora etwa fand bei YouTube ein Millionenpublikum, mit einer reduzierten, höhenlastigen Interpretation eines (mutmaßlich) selbstgeschriebenen Stücks, das in seiner Schlichtheit ein bisschen an Brian Enos "Music for Airports" erinnert. Mehr als 23 Millionen Mal ist das Video schon abgerufen worden.

Berühmt wurde auch die "Keyboard Cat", die scheinbar gezielt und korrekt auf einer schwarzweißen Tastatur herumhämmerte - bei näherem Hinsehen allerdings wird schnell deutlich, das nicht das Tier selbst spielt, sondern ein Mensch der Katze heimlich die Pfoten führt. Was dem Erfolg des Videos keinen Abbruch tat - bis heute ist es über 22 Millionen Mal abgerufen worden. Allerdings haben neben knapp 119.000 Menschen, die den "gefällt mir"-Knopf klickten, auch über 5400 angegeben, dass sie das Video nicht mögen - vereinzelt wurde der Vorwurf der Tierquälerei laut.

Auch ein klavierspielender Hund war schon einmal Videostar - allerdings spielte der erstens nichts echt und war zweitens nur das Begleitorchester eines vermeintlich singenden Papageis. In einem Werbespot des Versicherungsunternehmen Geico. "Take on me" singt der Papagei, und der Beagle haut dazu in die Tasten.

Genau das tut auch Runty, singt dabei allerdings selbst (er ist nicht der einzige Hund, der das kann). Das 48 Sekunden lange Video mit dem Hund, der auf der Tastatur eines Pianos herumklimpert und dabei ein lautes Klagelied anstimmt, ist bei YouTube derzeit ein viraler Hit. Am Montagmorgen lag die Abrufzahl noch bei etwa 50.000, am Nachmittag hatte sie sich bereits verdoppelt, am Dienstagmorgen waren es schon über 300.000 Abrufe. Runty wird gerade berühmt. Vermutlich, weil er wirklich inbrünstig zu singen scheint. Dieser Hund, da kann es kaum Zweifel geben, hat den Blues. Allerdings sind seine musikalischen Schöpfungen vermutlich nur für Hundeohren so richtig geeignet.

cis

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Wo kommt der Hype her?
  • Das Internet hat eine neue Form des Unterhaltungskonsums hervorgebracht. Es fing an mit Videos, Fotos, Powerpoint-Präsentationen, die per E-Mail herumgeschickt wurden, ging weiter mit über Instant-Messaging-Dienste verbreiteten Links zu Clips mit skateboardfahrenden Hunden oder ungelenken Kindern beim Lichtschwert-Exerzieren und fand seinen vorläufigen Höhepunkt im Weitererzähl-Web der digitalen Gegenwart. Der Lacher für die Mittagspause wird heute über Facebook oder Twitter weitergereicht, genau wie der schnelle Niedlichkeits-Kick (Katzenvideos!) als Mittel gegen den grauen Büroalltag oder der mitgefilmte schmerzhaft-dämliche Skateboard-Unfall für zwischendurch.

  • Die kaskadische Form der Informationsverbreitung, die gerade Dienste wie Twitter ermöglichen, hat dem Phänomen des spontanen Internet-Hypes ein perfektes Biotop geschaffen. Auch ein Jahre altes Video von einem lachenden Pinguin kann urplötzlich innerhalb weniger Stunden ein Millionenpublikum erreichen - wenn geheimnisvolle Faktoren zusammenkommen, die noch niemand so recht entschlüsselt hat (wer das schafft, wird vermutlich sehr reich werden).

  • Und was sich lang genug in den Köpfen der Menschen hält, was weiterverarbeitet, verballhornt, umgedeutet, neu abgemischt wird, bringt es im Informationsverbreitungs-Wunderland Internet vielleicht sogar zum Mem.



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