Hype der Woche: "Ich weise diese Unterstellung zurück!"

Nur eine kleine Straßenumfrage zum Valentinstag sollte es sein. Doch der Herr mit dem braunen Hut möchte gerne grundsätzlicher werden. Seine knapp zweiminütige Tirade über das Diktat des Datums, das Zittern des Globus und die Neurosen der Reporterin wurde übers Wochenende zum YouTube-Hit.

Der drohend näherkommende Transporter bringt den Mann mit dem braunen Hut nicht aus der Ruhe, die Frage der jungen Dame mit dem Mikrophon dagegen schon. Wer sie denn eigentlich sei, und ob sie ihn nicht nur verführen wolle, in einem Laden etwas zu kaufen? Auf die Eingangs-Vorlage der Reporterin, er habe doch sicher eine Liebsten oder einen Liebsten zu Hause, antwortet der Mann erbost, er "weise diese Unterstellung zurück".

Dann folgt eine Tirade über die amerikanischen Feiertage im Allgemeinen und Besonderen, das Phänomen des Schaltjahrs, die Öffnungszeiten von Banken und die vermeintlichen Neurosen der jungen Reporterin. Der Mann mit dem braunen Outfit und dem Pelzkragen wirkt wie ein Kabarettist, ein bisschen wie Georg Schramm und ein wenig wie der Berliner Dampfplauderer Manne Dumke, der am Ende von Polylux immer über Gott und die Welt reden durfte.

Am vergangenen Freitag wurde der Zwei-Minuten-Clip online gestellt, Blogs wie "Das Kraftfuttermischwerk" griffen ihn auf - bis Montagmittag wurde das Video 125.000-mal abgerufen. Der Herr mit dem Hut ist am Montag ein kleiner Social-Media-Star.

Der Mann sei ein normaler Passant gewesen, den die Werkstudentin Sophie-Marie Erzmann bei ihrer Straßenumfrage zufällig vors Mikrophon bekommen habe, teilte der Lokalsender Info TV Leipzig auf Anfrage mit. Ihm ein regelmäßiges Programmplätzchen für seine Tiraden anzubieten, habe man nicht ernsthaft erwogen: "Wir wissen nicht mal, wie der Mann heißt."

cis

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Wo kommt der Hype her?
  • Das Internet hat eine neue Form des Unterhaltungskonsums hervorgebracht. Es fing an mit Videos, Fotos, Powerpoint-Präsentationen, die per E-Mail herumgeschickt wurden, ging weiter mit über Instant-Messaging-Dienste verbreiteten Links zu Clips mit skateboardfahrenden Hunden oder ungelenken Kindern beim Lichtschwert-Exerzieren und fand seinen vorläufigen Höhepunkt im Weitererzähl-Web der digitalen Gegenwart. Der Lacher für die Mittagspause wird heute über Facebook oder Twitter weitergereicht, genau wie der schnelle Niedlichkeits-Kick (Katzenvideos!) als Mittel gegen den grauen Büroalltag oder der mitgefilmte schmerzhaft-dämliche Skateboard-Unfall für zwischendurch.

  • Die kaskadische Form der Informationsverbreitung, die gerade Dienste wie Twitter ermöglichen, hat dem Phänomen des spontanen Internet-Hypes ein perfektes Biotop geschaffen. Auch ein Jahre altes Video von einem lachenden Pinguin kann urplötzlich innerhalb weniger Stunden ein Millionenpublikum erreichen - wenn geheimnisvolle Faktoren zusammenkommen, die noch niemand so recht entschlüsselt hat (wer das schafft, wird vermutlich sehr reich werden).

  • Und was sich lang genug in den Köpfen der Menschen hält, was weiterverarbeitet, verballhornt, umgedeutet, neu abgemischt wird, bringt es im Informationsverbreitungs-Wunderland Internet vielleicht sogar zum Mem.



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