iAd-Datenschutz Apple wertet iTunes-Kaufverhalten für Werbung aus

Ihre Anzeigen sollen nur verheiratete Väter Ende 30 auf ihrem iPhone sehen? Angeblich kein Problem bei Apple Anzeigenplattform iAd: Werbekunden loben, man könnte "chirurgisch präzise" bestimmte Zielgruppen aussuchen. Apple wertet dafür das Kaufverhalten der 150 Millionen registrierten Kunden aus.

Von

Apple-Boss: Steve Jobs stellt das iPhone 4 vor
AFP

Apple-Boss: Steve Jobs stellt das iPhone 4 vor


iTunes, App Store und iBookstore: Apple verkauft Musik, Filme, Programme und nun auch digitale Bücher in seinen digitalen Runterlade-Läden. Weltweit hat Apple mit diesen Angeboten bislang 150 Millionen aktive Kundenkonten mit Kreditkarteninformationen gesammelt. Zu jedem dieser Kundenkonten hat der Konzern natürlich eine Aufstellung der bislang eingekauften Programme, Songs, Filme, Serien und Bücher. Diese wertvollen Daten können Kunden von Apples neuer Werbeplattform iAd anonymisiert nutzen, um Anzeigen gezielt bei bestimmten Zielgruppen zu schalten.

Die Werbeplattform iAd können Entwickler von Programmen für iPhones und iPads in ihren Anwendungen integrieren. Sechzig Prozent der Einnahmen will Apple an die Entwickler weiterreichen. Neue Funktionen sollen die iAds abheben vom herkömmlichen mobilen Werbegeschäft. Mit einem Fingerstupser auf die Anzeige lässt sich eine eigene Anwendung starten. Die interaktive Werbung soll sowohl Videos als auch Spiele enthalten können.

Apple hat nach eigenen Angaben für dieses Jahr schon Buchungen im Wert von 60 Millionen für iAd-Anzeigen erhalten. Neben der interessanten Zielgruppe ist iAd für Werbekunden wegen der Selektionsmöglichkeiten. Apple selbst gibt an, Werbekunden könnten sich anhand dieser Kriterien aussuchen, wer ihre Anzeigen zu sehen bekommt:

  • demografische Daten
  • Software-Präferenzen
  • Musikvorlieben
  • Vorlieben für bestimmte Filmgenres
  • Fernsehgenre-Interessen
  • Standortinformationen

Marketing-Manager lobt Apples "chirurgisch präzise" Sortierfunktion

Wie diese Informationen aus der Einkaufsgeschichte eines iTunes-Kontos destilliert werden, beschreibt der Wirtschaftsdienst Bloomberg etwas detaillierter. Bloomberg zitiert einen Marketing-Chef des Konzerns Unilever, der iAd-Werbekampagnen entwickelt, zum Beispiel für eine neue Herrenseife. Der Manager berichtet, man könnte mit den iAd-Instrumenten ganz gut "verheiratete Männer, die Ende 30 sind und Kinder haben" einkreisen. Laut dem zitierten Unilever-Manager nutzt Apple zur Auswahl der Kunden, die die Anzeigen zu sehen bekommen "iTunes-Informationen" und selektiert die Zielgruppe "sehr gut und chirurgisch präzise".

Apple teile mit den Werbekunden aber nicht Informationen über individuelle Nutzer, man könne nur auswählen, in welchen Gruppen von Anwendungen man werbe, die basierend auf Eigenschaften der Nutzer zusammengestellt würden. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Apple, man kommentiere diese Äußerungen nicht.

Kunden können einer Art der Auswertung widersprechen - nur welcher?

Apple bietet Kunden eine Möglichkeit, der Auswertung ihrer Daten für interessenbasierte Anzeigen zu widersprechen. Es gibt eine sogenannte Opt-out-Seite für die Werbeplattform iAd. Wer die mit einem iPad oder iPhone mit dem neuen Betriebssystem iOS4 aufruft, soll damit automatisch der Speicherung bestimmter Daten widersprechen. Welche Datensätze damit genau gemeint sind, ist nicht klar benannt. So scheinen zum Beispiel die Standortinformationen nicht von diesem Widerspruch abgedeckt zu sein.

Im Juni hatte Apple seine Datenschutzrichtlinie ergänzt. Eine der neuen Passagen lautet so:

"Um standortbezogene Dienste auf Apple-Produkten anzubieten, können Apple und unsere Partner und Lizenznehmer präzise Standortdaten erheben, nutzen und weitergeben, einschließlich des geografischen Standorts Ihres Apple-Computers oder Geräts in Echtzeit. Diese Standortdaten werden in anonymisierter Weise erhoben, durch die Sie nicht persönlich identifiziert werden."

Die Formulierung ist sehr schwammig. Der Nutzer bekommt keine Antwort auf die zentralen Fragen: Welche Daten Apple wie häufig erfasst, wie lange sie gespeichert und womit sie verknüpft werden. Apple hat eine entsprechende Anfrage von SPIEGEL ONLINE seit Ende Juni nicht beantwortet.

Anfang Juni versprach Apple-Chef Steve Jobs auf der Technologiekonferenz D8 eine transparente Datenschutzpolitik. Seinen Anspruch formulierte Jobs so: "Datenschutz bedeutet, dass die Menschen verstehen, wofür sie sich anmelden." Apple werde sich an dieses Credo halten: "Lass die Nutzer genau wissen, was du mit ihren Daten tust."

Mit der Kein-Kommentar-Routine wird Apple diesem eigenen Anspruch kaum gerecht.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.