Illegale Musik-Downloads: US-Musikindustrie kritisiert Googles Ranking

Google-Logo: Die US-Musikindustrie ist unzufrieden mit dem Suchmaschinenkonzern Zur Großansicht
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Google-Logo: Die US-Musikindustrie ist unzufrieden mit dem Suchmaschinenkonzern

Übertriebenes Versprechen? Im Sommer kündigte Google an, Websites, die häufig gegen das Urheberrecht verstoßen, könnten bald weniger prominent in seinem Ranking auftauchen. Verändert habe sich seitdem aber kaum etwas, kritisiert jetzt der Verband der US-Musikindustrie.

Die RIAA, der Verband der US-Musikindustrie, wirft Google vor, dass eine seiner jüngsten Algorithmus-Änderungen praktisch wirkungslos geblieben sei. Seiten mit hohem Musikpiraterie-Anteil würden nach wie vor häufig prominent bei den Suchergebnissen erschienen, heißt es in einem Bericht der RIAA (PDF). Der Verband schreibt darin, er habe anhand einiger "Serienrechtsverletzter" überprüft, ob und wo diese Websites beim Suchen nach Charthits im Ranking auftauchen. Ausgewählt wurden MP3-Angebote, zu denen Google eine große Zahl Beschwerden von Rechteinhabern erhalten hatte.

Das Ergebnis des RIAA-Tests: Meistens zählten die beanstandeten Seiten drei bis fünf Mal zu den zehn ersten Google-Ergebnissen, wenn in der Suchanfrage Künstlername, Songtitel sowie "mp3" oder "download" vorkamen. Legale Angebote wie die von Apple oder Amazon dagegen belegten nur bei etwas mehr als der Hälfte der Suchen Top-10-Plätze. Das Fazit der RIAA lautet daher: "Was auch immer Google mit seinem Algorithmus gemacht hat, um die Platzierung Rechte verletzender Seiten zu ändern, es scheint nicht zu funktionieren."

Über sein Blog "Inside Search" hatte Google im August 2012 angekündigt, künftig auch die Zahl der gemeldeten Urheberrechtsverstöße in sein Ranking einzubeziehen, sofern diese stichhaltig seien. Welchen Einfluss dieser neue Faktor konkret haben sollte, ließ Google offen. Vage hieß es: "Seiten mit einer hohen Zahl von Entfernungswünschen könnten bei den Ergebnissen weiter hinten auftauchen." Die Rankingänderung hatte laut Google das Ziel, Nutzern dabei zu helfen, leichter seriöse und qualitative hochwertige Quellen für Inhalte zu finden. RIAA-Geschäftsführer Cary Sherman hatte Google damals gelobt: "Diese Änderung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung."

Millionen Eingaben pro Monat

Google erhält monatlich Millionen Eingaben wegen angeblicher oder tatsächlicher Urheberrechtsverstöße. Einen Großteil davon dokumentiert das Unternehmen im sogenannten Transparency Report. Allein zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar 2013 erhielt Google demnach über 2,35 Millionen Gesuche, die der Suchmaschinenanbieter dem Verband der Musikindustrie zuordnet.

In einer aktuellen Stellungnahme bei "Ars Technica" heißt es von Seiten einer Google-Sprecherin, das Unternehmen habe viel in Tools für Copyright-Inhaber investiert, Meldungen von Urheberrechtsverletzungen bearbeite es schneller denn je. Von den 14 Millionen Eingaben, die Google im vergangenen Monat zu Urheberrechtsverletzungen erhalten hat, habe man in über 97 Prozent der Fälle Ergebnisse aus dem Suchindex entfernt.

mbö

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  • Natalie Stosiek
    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

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