Belohnung fürs Anschwärzen BSA zahlt Prämien für Hinweise auf illegale Software

Die Business Software Alliance verspricht eine Belohnung für Hinweise auf illegale Software in Unternehmen. Wer eine Firma denunziert, kann dafür bis zu 10.000 Euro bekommen.

"No Piracy"-Werbung auf Facebook (Screenshot): Geld gibt es nur in bestimmten Fällen

"No Piracy"-Werbung auf Facebook (Screenshot): Geld gibt es nur in bestimmten Fällen


Die Business Software Alliance (BSA) lockt neuerdings in Deutschland mit einer Prämie für diejenigen, die ein Unternehmen verraten, das unlizensierte Software nutzt. Auf Facebook wirbt der Branchenverband im Rahmen der Kampagne "No Piracy" fürs Anschwärzen: "Du weißt von illegaler Software im Job?" heißt es da, "Zivilcourage zahlt sich aus - Melde jetzt unlizensierte Software und kassiere dafür eine Belohnung!"

Die "Belohnung" gibt es allerdings "nur für Hinweise, die zu einem für die BSA oder ihre Mitgliedsfirmen erfolgreichen Urteil oder Vergleich führen", so Georg Herrnleben, Senior Director des BSA. Nach einem erfolgreichen juristischen Prozesss gibt es dann für den Tippgeber maximal zehn Prozent des Streitwerts, nicht mehr allerdings als 10.000 Euro.

Die BSA geht laut einer Pressemitteilung davon aus, dass jedes vierte Software-Programm in Deutschland unlizensiert benutzt wird, also etwa verbotenerweise kopiert. Das sei kein Kavaliersdelikt und verursache hohe wirtschaftliche Schäden, wird Herrnleben in der Mitteilung zitiert. "Wir sind daher der Meinung, dass es auch in Deutschland belohnt werden sollte, wenn Personen die Zivilcourage besitzen und gegen gewerbliche Urheberrechtsverletzungen vorgehen, indem sie diese anzeigen."

Auf der Tech-Website "Golem" klang das vor kurzer Zeit noch ganz anders. Noch im Februar 2014 habe Herrnleben gegenüber der Nachrichtenseite gesagt: "In manchen Ländern sind Belohnungen ein akzeptiertes Mittel, um Hinweise zu erhalten, in anderen Ländern wie Deutschland aber sind sie aus kulturellen oder historischen Gründen nicht angebracht."

So sehen das wohl auch die ersten Nutzer, die von dem Aufruf zum Melden der Firmen mitbekommen haben. Unter dem Werbeposting auf Facebook stehen viele Kommentare: "Stasi 2.0", heißt es da, "grauenhaft", "Das ist nicht Zivilcourage, das ist Denunziantentum" und "Judas Lohn? Nein danke".

"Mach dich beliebt, zeig den Arbeitgeber an"

Den Verdacht, dass es bei so einer Meldung weniger um gut gemeinte Hilfe, sondern tatsächlich ums Petzen geht, erweckt auch ein kurzes Werbefilmchen, das die BSA auf ihrer Website zeigt. Darin putzt ein Chef seine Mitarbeiterin im persönlichen Gespräch herunter: "Überstunden gehören einfach dazu", sagt er, "so toll waren Ihre Leistungen auch nicht", und "bei der Wirtschaftslage können Sie froh sein, wenn Sie Ihren Job behalten." Dann zündet er sich eine Zigarre an.

"Du aber auch", hört man darauf die Mitarbeiterin zu sich selbst sagen, "hier ist ja nicht mal die Software legal." Dann lächelt sie wissend in die Kamera. Aus dem Off tönt eine Stimme: "Es gibt gute Gründe, illegale Software zu melden." Dabei nennt der Film nicht einen dieser Gründe, sondern stellt die Meldung des Unternehmens eher als "Rache" für im Job erlittenes Unrecht dar.

Auf Facebook warnen manche Nutzer explizit davor, womöglich den eigenen Job aufs Spiel zu setzen - für eine Prämie, die es eben doch nur gibt, wenn der Prozess gegen das Unternehmen gewonnen wird. "Außerdem ist man im Zweifelsfall kaum geschützt gegen Forderungen, die die entsprechende Firma dann gegen mich hat", schreibt ein Nutzer. Ein anderer kommentiert: "Mach dich beliebt, zeig den Arbeitgeber an."

juh

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insgesamt 39 Beiträge
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Reinste Wahrheit 21.10.2014
1. Illegal?
Ich musste erst einmal googeln was illegale Software überhaupt ist. Fragt mal bei Studenten nach: In der Entwicklungsabteilung eines Kfz Zulieferers für Frontleuchten waren die Ingenieure z.B. immer auf die matlab-Version von uns Studenten neidisch. Installiert => läuft! Und zwar mit jedem Zusatzpack. Will man es legal machen, braucht man rund 2 Arbeitstage alleine für die Installation (Lab View ist ein gutes Beispiel). Und dann hat man es nicht mal vollständig :-D Seit gut 20 Jahren bin ich es nicht gewohnt für Software zu bezahlen und werde es weiterhin nicht tun. Die ganzen open source Software hält sich ja auch ohne Werbung und Lizenzen, oder?
No Way, Jose 21.10.2014
2. Bitte um Erläuterung
Ich verstehe den Satz nicht: "Außerdem ist man im Zweifelsfall kaum geschützt gegen Forderungen, die die entsprechende Firma dann gegen mich hat" Soll das etwas andeuten, dass der Mitarbeiter dann dem Arbeitgeber zu "Schadenersatz" verpflichtet wäre, wenn dieser wegen der (illegalen) Raubkopie zahlen müsste?
Loddarithmus 21.10.2014
3. Maximal 10%?
da krieg ich vom Arbeitgeber aber garantiert mehr, wenn ich die Klappe halte.
LDaniel 21.10.2014
4. mhh
Bei Steuerhinterziehung drohen Gefängnis und Geldstrafen in hohem Ausmaß. Hier kauft der Staat illegal erworbene Daten und zahlt den Kriminellen Millionen dafür - das soll ich toll finden. Aber für Software nicht zu bezahlen (oder sonst alles Digitale) ist völlig ok... .
cindy2009 21.10.2014
5. wie geil ist das denn?
na dann... leicht verdientes Geld. bei den undurchsichtigen Lizenz Bestimmungen ist da wahrscheinlich jedes Unternehmen dran.a
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