Illegale Videoplattform: kino.to-Betreiber kontrollierten weitere Filmportale

Razzien, gesperrte Konten, beschlagnahmte Luxusautos - die Ermittlungen gegen die Betreiber von kino.to weiten sich aus. Jetzt sind die Fahnder erneut fündig geworden: Nach SPIEGEL-Informationen kontrollierten die kino.to-Bosse weitere Filmportale. Als Kopf der Bande gilt ein gelernter Bodenleger.

Screenshot neu.to: Scheinbares Konkurrenzportal von kino.to Zur Großansicht

Screenshot neu.to: Scheinbares Konkurrenzportal von kino.to

Hamburg - Der Skandal um die illegale Videoplattform kino.to nimmt immer größere Ausmaße an. Gut zwei Wochen nach Sperrung der Plattform für raubkopierte Filme, sind die Fahnder auf weitere Spuren im Netz gestoßen: Nach SPIEGEL-Informationen kontrollierten die Betreiber von kino.to offenbar weitere Filmportale. Dort konnte man ebenfalls raubkopierte Kinohits anschauen und sich teilweise herunterladen (Mehr dazu auch heute im SPIEGEL TV Magazin, um 22.10 Uhr auf RTL).

Nach Erkenntnissen der Dresdner Generalstaatsanwaltschaft steckte die Gruppe um den mutmaßlichen Gründer und Chef Dirk B., 38, auch hinter den Internetseiten movie2k.to und neu.to und betrieb zudem diverse sogenannte Filehoster, auf denen die Dateien vorgehalten wurden. Die Beschuldigten hätten die "dauerhafte und umfassende Schädigung der Film- und Fernsehwirtschaft" angestrebt, heißt es in den Justizunterlagen, und "die öffentliche Ordnung nachhaltig gefährdet".

Vergangene Woche hatten Fahnder erste Konten der kino.to-Bosse gesperrt und Luxusautos beschlagnahmt.Der Hauptbeschuldigte Dirk B., ein gelernter Bodenleger aus Leipzig, ist bereits einschlägig vorbestraft. Im Juni 2004 hatte ihn das Amtsgericht Leipzig zu 3900 Euro Geldstrafe verurteilt, demnach hatte er auf seiner damaligen Seite saugstube.to mindestens 15 Hollywood-Filme illegal zum Download vorgehalten. Bei kino.to waren den Justizunterlagen zufolge zuletzt mehr als eine Million Links auf "geschützte Filmwerke aus Film und Fernsehen" im Angebot, monatlich seien "etwa 131.000" hinzugekommen.

Nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden kamen die Beschuldigten, denen sie die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorwirft, gemeinsam auf "jährliche Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich". Allein Dirk B. und seine 28-jährige Ehefrau sollen "einen Anteil im mindestens einstelligen Millionenbereich erhalten haben". Der Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), Matthias Leonardy, hält zwar die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Streaming-Inhalten für illegal, will die Besucher von kino.to aber nicht juristisch verfolgen: "Von unserer Seite aus werden wir keine rechtlichen Schritte gegen einzelne Nutzer einleiten."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 235 Beiträge
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1. ...
Obi-Wan-Kenobi 26.06.2011
"die öffentliche Ordnung nachhaltig gefährdet" wie sich das anhört :-) ... Man könnte ja fast meinen, das sind Terroristen. Ich warte eigentlich noch immer darauf, dass der angebliche Verlust, den solche Portale verursachen, schlüssig belegt wird. Bei solchen Zahlen http://boxofficemojo.com/daily/chart/ seh ich den einfach nicht... Hier soll einfach an jemanden ein Exempel statuiert werden, weil er eine Idee hatte, die eigentlich die Filmindustrie hätte haben müssen.
2. Geschäftsmodell
Sequester 26.06.2011
Welche Ironie - ein Bodenleger schafft es ein funktionierendes Geschäftsmodell (wenn auch leider etwas illegal) für Video on Demand auf die Beine zu stellen. Ein "Erfolg", an dem sich alle großen Netzbetreiber und Content Provider seit Jahren vergeblich versuchen. Aber aus dieser success story mit Millionen von "Kunden", die ja bewußt eine potentielle Illegalität in Kauf nahmen und immer noch nehmen, die richtigen Rückschlüsse zu ziehen - dies intellektuelle Leistung wird wohl nicht zustande gebracht werden.
3. Lächerlich...
czerwonka 26.06.2011
Schädigen? Wen? Hollywood?? Kinobetreiber?? Die prozentuale Schädigung oder besser, die mangelnden Besucherzahlen haben wohl ganz andere Ursachen! Gott wie blöd muss man sein, um für Filme, die die Qualität von Hartz IV-TV haben 8 € zu bezahlen?! Bei diesem Artikel sieht man die eigentlichen Vorantreiber der Ermittlungen. Papa Staat! Steuerhinterziehung! Vielleicht sollten die Griechen mal was von der Raffgier unseres Systems lernen!
4. verfolgung...
vzbioo 26.06.2011
"Von unserer Seite aus werden wir keine rechtlichen Schritte gegen einzelne Nutzer einleiten." Dieser Satz klingt natürlich gnädig. Die Verfehlungen der einzelnen User sollen nicht bestraft werden, sie sind ja nun abgeschreckt genug. Täuscht aber darüber hingweg, dass es technisch praktisch unmögich ist, jemandem die Nutzung nachzuweisen. Und selbst wenn man das könnte, wäre es immer noch eine juristische Grauzone.
5. die öffentliche Ordnung
ecce homo 26.06.2011
Raubkopierer, die "die öffentliche Ordnung nachhaltig gefährden". Juristisch betrachtet gibt es keine Raubkopierer, der Begriff "Raubkopierer" ist eine Erfindung der Rechteverwertern. Soweit wie in Shadowrun sind wir noch nicht, daß die Legislative direkt von der Wirtschaft gestellt wird. Zum Begriff der Raubkopie: http://de.wikipedia.org/wiki/Raubkopie Inwieweit wurde denn hier die öffentliche Ordnung gestört? Das war eine systematische Uhrheberrechtsverletzung, kein terroristischer Akt.
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Filehoster: Blick hinter die Kulissen einer undurchsichtigen Branche

Sogenannte Filehoster, 1-Click-Hoster oder Cyberlocker stellen die Infrastruktur für die große, weltweite Dateiverteilung. Für die einen sind sie komfortable Dienste, für die anderen Piraterie-Dienstleister. SPIEGEL ONLINE blickt in einer Serie hinter die Kulissen einer undurchsichtigen Branche.

Teil 1: Helfer oder Hehler? Was sich hinter dem Begriff Filehoster verbirgt (14.9.2010)

Teil 2: Selbstbild einer umstrittenen Branche: "Wir sind auch Opfer" (15.9.2010)

Teil 3: Ausweitung der Grauzone: Die rechtliche Situation (16.9.2010)

Linkverzeichnis kino.to vor dem Zugriff: Beliebte Anlaufstelle für Film- und Serienfans Zur Großansicht
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Nutzung von Filehostern: Mache ich mich strafbar?

Privatnutzer, die urheberrechtlich geschützte Werke, an denen sie selbst keine Rechte besitzen, über einen Filehoster Dritten zugänglich machen, verstoßen gegen das Urheberschutzgesetz ("Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte"). Das Gesetz unterscheidet hier nicht zwischen verschiedenen digitalen Vertriebswegen: Ob per P2P-Börse, Filehoster oder 1-zu-1-Verbindung per Messenger, die unautorisierte Verteilung der geschützten Güter Dritter ist verboten.

Die bloße Hinterlegung einer Privatkopie, die ohne Umgehung eines funktionierenden Kopierschutzes geschaffen wurde, ist zur rein privaten Eigennutzung hingegen wohl unproblematisch - man darf sie allerdings nicht zugänglich machen.

Für die meisten Internetnutzer wichtiger ist die Frage, ob auch der reine Download verboten ist. Prinzipiell ist die Nutzung von Filehostern durchaus nicht illegal. Allerdings erklärt das novellierte deutsche Urheberrecht klar, dass auch der Download - ergo: das Anlegen einer Kopie - eines Werkes aus dem Internet nicht legal ist, wenn diese Datei für den Downloader "offensichtlich rechtswidrig" zur Verfügung gestellt wurde.

Das aber dürfte bei den meisten Filmen und Musikstücken, die über Filehoster zu finden sind, der Fall sein. Die Formulierung läßt Raum für Interpretationen, ist aber letztlich eindeutig: Wenn man bei einem Filehoster die Kopie eines aktuellen kommerziellen musikalischen oder filmischen Werkes findet, ist nicht davon auszugehen, dass der Hinterleger über die Rechte zur Verbreitung verfügte. Kurzum: Wer weiß, dass die Verbreitung eines Werkes illegal geschah, verstößt gegen das Gesetz, wenn er diese nutzt.

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