Illegaler Badespaß Feierwütige Briten stürmen fremde Pools - nach Google-Recherche

In Großbritannien zeichnet sich ein neuer Sommertrend ab: Via Web-Community organisieren Jugendliche nächtliche Badevergnügen in fremden Privat-Pools. Die Behörden sind besorgt, die Party-People amüsiert.


Hamburg - Britische Pool-Besitzer haben es schwer. Nicht nur, weil ihnen das manchmal etwas unstete Inselwetter zu schaffen macht, sondern weil ihre Privatschwimmbäder in letzter Zeit immer öfter zum Ziel partyfreudiger Jugendlicher werden. Die nächtlichen Badeüberfälle werden über Netzgemeinschaften wie MySpace und Facebook organisiert, geeignete Locations per Google Earth ausgesucht und dann ausgespäht, wann die Eigentümer nicht zu Hause sind, berichtet die britische Tageszeitung " Telegraph".

Swimmingpool in Google Earth: Über das Web werden die nächtlichen Badestellen ausgesucht

Swimmingpool in Google Earth: Über das Web werden die nächtlichen Badestellen ausgesucht

Dass sie auf diese Weise unfreiwillig zu Gastgebern wurden, merken die meisten der Heimgesuchten erst, wenn sie nach Hause kommen und einen Pool vorfinden, in dem Dutzende leerer Bierdosen schwimmen.

Doch manchmal sind die Veranstalter auch falsch informiert, merken nicht, dass die Eigentümer doch zu Hause sind. Dann kommt es meist zu unliebsamen Überraschungen. Zum einen für die Besitzer, die mitten in der Nacht von wildem Partylärm geweckt werden, zum anderen für die Badegäste, die sich in solchen Situationen sehr überstürzt aus dem Staub machen müssen. Nicht ohne Grund heißt es in den Einladungen üblicherweise "bring your bike", also "bring dein Fahrrad mit". So soll für eine schnelle Flucht vorgesorgt werden.

Ansonsten aber geht es den Party-People offenbar vor allem darum, Spaß zu haben. Denn zu den Standardanforderungen für die Teilnahme gehört es, dass man sich ungewöhnlich kleiden soll. Themenpartys mal anders.

Nur das Wetter kann das Partyvolk bremsen

Wie das in der Praxis aussieht, untersucht derzeit die Polizei von Devon und Cornwall. Beamte ermitteln nach einem Pool-Überfall, der sich Anfang der Woche zugetragen hat. An insgesamt 500 Leute wurde einen Einladung zum Gruppenplanschen verschickt, immerhin 16 davon versammelten sich tatsächlich zu verabredeten Zeit am vereinbarten Treffpunkt. Gleich zwei Pools in Bournemouth waren Ziele ihrer nächtlichen Badeaktion.

Die Behörden fürchten nun, der Trend könne sich ausweiten, im warmen Sommerwetter zu einer Massenbewegung werden. Ein Polizeisprecher sah sich offenbar genötigt, "vernünftige Schwimmer" zu warnen, "dass die Benutzung eines fremden Pools Hausfriedensbruch und damit illegal" ist. Dass sich die jungen Badegäste, die ihre verbotene Freizeitbeschäftigung selbst als "Dipping" bezeichnen, von solchen Reden beeindrucken lassen, darf bezweifelt werden.

Und das scheint auch die Polizei selbst zu befürchten. Vorsorglich empfiehlt sie britischen Besitzern von Swimmingpools "auf der Hut und besonders wachsam zu sein". Dieses Wochenende zumindest, können die Eigentümer der Luxusbadewannen bestimmt beruhigt zu Bett gehen: Für Südengland sehen die Meteorologen Regenwetter und Temperaturen von bestenfalls 17 Grad Celsius voraus - kein Wetter für Pool-Partys.

mak



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