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Illegales Musikangebot: Magazin "Chip" verbannt Links von seiner Website

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Erster Erfolg für die Musikindustrie im Kampf gegen das russische Musikportal Allofmp3: Das Münchner IT-Magazin "Chip" hat Artikel und Forenbeiträge mit Links zu der Seite vom Netz genommen. Ein "Chip"-Redakteur hatte Allofmp3 als "vorbildliches Angebot" bezeichnet.

Kein Text, keine Links: Die Google-Suche nach allofmp3 führt auf leere Seiten

Kein Text, keine Links: Die Google-Suche nach allofmp3 führt auf leere Seiten

In der vergangenen Woche erhielt "Chip Online", die Website des IT-Magazins "Chip", Post von der Münchner Anwaltskanzlei Waldorf. "Chip Online" solle alle Links zum russischen Musikanbieter Allofmp3 entfernen, hieß es in dem Schreiben; eine Unterlassungserklärung nebst zu erstattenden Anwaltskosten lag bei.

"Wir haben die Unterlassungserklärung unterzeichnet", sagte Christian Riedel, Chefredakteur von "Chip Online". Seit Donnerstag seien alle Artikel und Forenbeiträge vom Netz, die einen Link zu der umstrittenen Website haben. Über den Google-Cache kann jedoch nach wie vor auf die Texte zugegriffen werden.

"Wir wollen die Berichterstattung über das Thema nicht einstellen", versicherte Riedel im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Künftig werde man nur darauf verzichten, Links zu setzen.

Seit einigen Monaten schon versucht die deutsche Musikbranche, dem russischen MP3-Discounter das Handwerk zu legen. Allofmp3 verkauft Musiktitel je nach Dateigröße für 10 bis 15 Cent - hiesige Anbieter wie Musicload oder iTunes verlangen hingegen mindestens 99 Cent pro Download.

Noch im Cache zu finden: Ursprünglicher Artikel auf "Chip Online"

Noch im Cache zu finden: Ursprünglicher Artikel auf "Chip Online"

Das Magazin "Chip" hatte Allofmp3 in der Mai-Ausgabe 2003 für "einfache Bedienung" und "faire Preise" gelobt; "Chip Online" bezeichnete den Dienst im Februar 2004 als "vorbildliches Angebot". Die Konkurrenz könne sich noch eine Menge abschauen, hieß es in dem Online-Artikel, der nun offline ist.

Der Branchenverband Ifpi wirft dem russischen Anbieter vor, keine Lizenzen für den Verkauf von Musik nach Deutschland zu besitzen. Das Landgericht München hatte im Mai eine Einstweilige Verfügung der Musiklabels gegen Allofmp3 zugelassen, in der der Plattform der Verkauf von Musik nach Deutschland untersagt wird. Diese hindert den Anbieter jedoch offenbar nicht daran, weiterhin MP3s zu verkaufen.

Versuche, die Seite in Russland rechtlich auszuhebeln, scheiterten bislang. "Es gibt Lücken im russischen Urheberrecht", sagte der Ifpi-Jurist Thorsten Braun im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Zudem gebe es unterschiedliche Ansichten über die Rechte, die die russische Verwertungsgesellschaft Roms an Allofmp3 vergeben habe.

Braun verteidigte die Strategie der Musiklabel, sich auch deutsche Websiten vorzuknöpfen, die einen Link zu dem umstrittenen Angebot haben: "Wir gehen gegen die vor, die aktiv illegale Angebote unterstützen." Man könne nicht einfach zusehen, wie für illegale Angebote Werbung betrieben werde.

Dass Betroffene für einen Link auf ihrer privaten Homepage, der vor zwei, drei Jahren gesetzt wurde, eine kostenpflichtige Abmahnung der Kanzlei Waldorf bekommen - dabei geht es um Kosten von mehreren tausend Euro - verteidigte der Jurist ebenfalls. "Dort wird mit sehr viel Augenmaß vorgegangen", sagte Braun. "Die finanziellen Verhältnisse der Betroffenen werden berücksichtigt."

Kein Link: Die Ifpi nennt auf ihrer Seite aber die Webadresse

Kein Link: Die Ifpi nennt auf ihrer Seite aber die Webadresse

Der Heise-Verlag aus Hannover weigert sich bislang, Links zu der russischen Website aus seinem redaktionellen Angebot zu entfernen. Links gehörten in die Online-Berichterstattung wie die Seitenzahlen in eine Zeitschrift, sagte "c't"-Redakteur Holger Bleich. Man wolle den Lesern nicht in vorauseilendem Gehorsam Informationen vorenthalten, nur weil sie den kommerziellen Interessen einer Gruppe von Unternehmen entgegenstünden.

Der Branchenverband Ifpi müsste sich möglicherweise sogar selbst abmahnen. Auf der Ifpi-Seite findet sich zwar kein Link zu Allofmp3, jedoch die Angabe der Webadresse "allofmp3.com". Jurist Braun sagte, die URL sei zu nur Beginn der Aufklärungskampagne angegeben worden, "als wir den Verbraucher aufklären wollten". Ein direkter Link sei "etwas anderes, insbesondere mit weiteren Angaben, etwa der Bewerbung des Angebots", so Braun.

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