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Im Ausland einkaufen: Schnäppchenjagd im Minenfeld

Von Jörg Noll

Preisgünstig über das Internet einkaufen? Eine feine Sache, denn gerade in Übersee locken Schnäppchenangebote. Doch die Sache ist nicht so einfach, wie sie scheint. So mancher arglose Kunde verletzt ungewollt Steuer- und Zollrecht: Im Extremfall droht der Eintrag ins Strafregister.

Klar, die Kaufkraft des Euro ist beachtlich, der Dollar günstig - und wenn wir im Ausland schon die Augen lasern und Zahnersatz fabrizieren lassen, warum sollten wir nicht in Amerika CDs und in China Fernseher ordern? Im weltweiten Web, der weltgrößten Shopping-Mall, ist das schließlich ein Kinderspiel. Die Auswahl ist riesig, die Aussicht auf ein Schnäppchen verlockend.

Klassiker des Schilderwaldes: In den Schengen-Ländern hat so mancher schon vergessen, dass es den Zoll noch gibt. Doch Auslandseinkauf per Web ist Import
DPA

Klassiker des Schilderwaldes: In den Schengen-Ländern hat so mancher schon vergessen, dass es den Zoll noch gibt. Doch Auslandseinkauf per Web ist Import

Wer über internationale Zahlungsmittel (Kreditkarte, Paypal etc.) verfügt, kann im Internet nahezu mühelos überall einkaufen. Viele der großen Versender arbeiten grenzüberschreitend, bei Amazon- und Ebay-Shops verwischt die Grenze zwischen Binnenhandel und Importgeschäft mitunter: Allzu schnell übersieht man das kleingedruckte "Versand von den Caiman-Inseln", das den Schnäppchenpreis für die CD oder DVD erklären würde.

Denn zu berücksichtigen ist der Umstand immer, dass das Schnäppchen im Netz nur einen Klick entfernt sein mag, in der Realität mitunter aber Tausende Kilometer. Horrende Transportkosten und etwaige Zollgebühren können die Freude am günstigen Preis gründlich verleiden. Wenn man etwa das in Bangkok für 2000 Euro erworbene Gewand mit 500 Euro verzollen muss, taugt der Einkauf unter Umständen nicht mehr als Schnäppchen.

"Hätte ich das gewusst, hätte ich die Sachen gar nicht erst bestellt" - das ist ein Satz, den Zollbeamte oft hören. Man sollte vorher wissen, dass beim Import aus Nicht-EU-Ländern Zoll und Steuer fällig werden. Noch viel teurer wird die Sache zudem, wenn man das einfach ignoriert.

Aus Kunde wird Rechtsbrecher

"Wer abgabenpflichtige Waren nicht anmeldet, macht sich strafbar", erklärt der Hamburger Anwalt Jens O. Brelle. "Das ist versuchte Steuerhinterziehung. Wer erwischt wird, muss einen Zuschlag in Höhe des zu zahlenden Zoll- und Steuerbetrags nachlegen. Liegt die Höhe der geschuldeten Abgaben über 250 Euro, kommt es sogar zu einem Steuerstrafverfahren."

Zudem ist es so, dass manche Waren überhaupt nicht eingeführt werden dürfen. Jede Woche entdeckt der deutsche Zoll Tausende illegale Lieferungen. Dazu gehören etwa Arzneimittel aus Asien, Potenzpillen aus Indien, gefälschte Markenprodukte sowie Tiere und Pflanzen, die unter Artenschutz stehen. Diese Produkte werden nicht ausgeliefert, sondern zurückgeschickt, vernichtet oder konfisziert.

Risiko: Hochpreisiges ist zoll- und steuerpflichtig
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Risiko: Hochpreisiges ist zoll- und steuerpflichtig

Liegt der Artikelstandort der Ware innerhalb der EU, fallen in der Regel keine Zoll- und Steuerabgaben an. Die sind jedoch bei der Einfuhr von Waren aus einem Nicht-EU-Land ab einem bestimmten Freibetrag immer zu entrichten. Im Fall des klassischen Duty-Free-Shop-Warenportfolios (Tabakwaren, Alkohol, Kaffee etc.) kommen zudem auch innerhalb der EU Verbrauchsteuern hinzu. Das kennt man von Urlaubsreisen, doch dieses Wissen lässt sich auf das Internet-Shopping nicht einfach übertragen.

Man darf weniger, als man ahnt

Denn vom Flughafen kennt man eine Freimenge von 175 Euro pro Person, die zollfrei eingeführt werden darf. Bei Bestellungen über das Internet und Postversand gelten indes andere Bestimmungen: Hier sind Einkäufe ab 22 Euro steuer- und zollpflichtig. Das gilt dann im Zweifelsfall also schon für die so bescheidene wie häufige CD-Bestellung von den Caiman-Inseln - wer denkt schon daran?

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Ab dem 1. Dezember 2008 wird die Wertgrenze für Kleinsendungen von 22 auf 150 Euro angehoben - siehe Verordnung (EG) Nr. 274/2008. Einfuhrabgaben sind damit erst ab einem Warenwert von mehr als 150 Euro fällig.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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1. Ales halb so wild!
??? 23.09.2008
So kompliziert wie im Artikel dargestellt ist das nun auch wieder nicht. Die Händler, die einen Versand ins Ausland anbieten erledigen natürlich den Papierkram und wer selbst schon mal ein Paket ins Ausland geschickt hat kennt das ja auch. Es ist also schon so, klicken und abwarten. Dann etweder direkt an der Tür beim Postboten die Zollgebühr bezahlen oder auf dem Zollamt. Ich war schon einige Male dort, die Leute kennen ihre Tabellen auch da muss man nix wissen. Zu Deutschen sind sie auch ganz freundlich, Ausländer bekommen oft "Amtssprache ist hier deutsch zu hören", das habe ich mehrfach angehört und finde es eine Frechheit das die Leute nicht mal Englisch sprechen oder sprechen wollen. Beim Garantiefall eben zurückschicken, halt ins Ausland. Das macht der deutsche Händler nicht anders nur das der nochmal kräftig Gewinn absahnt. Es ist wie mit allem: man muss sich ein wenig auskennen dann ist es kinderleicht.
2. Erziehnung in Steuerangelegenheiten?
spectator11 23.09.2008
Zitat von sysopPreisgünstig über das Internet einkaufen? Eine feine Sache, denn gerade in Übersee locken Schnäppchen-Angebote. Doch die Sache ist nicht so einfach, wie sie scheint. So mancher arglose Kunde verletzt ungewollt Steuer- und Zollrecht: Im Extremfall droht der Eintrag ins Strafregister. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,579750,00.html
Ist das wieder so ein Artikel aus dem Finanzministeriums, um den Leuten Angst zu machen? Seit wir einen Finanzminister haben, der offen zur Steuerdenunziation von Freunden, Arbeitgeber usw. aufruft, würde mich dies jedenfalls nicht wundern. In die gleiche Richtung zielt offenbar die neulich an den Grenzen durchgeführte "Geldsuchaktion" um angebliche Drogengelder, die im Ausland gewaschen werden sollen, aufzuspüren. Dies ist m.E. nur wieder ein Versuch, die Bevölkerung davon abzuhalten, angesichts der demnächst wirksam werdenden Abgeltungssteuer Geld ins Ausland zu schaffen. Mit der telegenen Veröffentlichung solcher an sich wenig effektiven Aktionen sollen offenbar Millionen Zuschauer "erzogen" werden.
3. Reparatursendungen sind zollfrei
norbertr 23.09.2008
Meine Speicherkarte aus Hongkong kam mit dem Vermerk "Reparaturware" auf der Verpackung und war deshalb zollfrei ....
4. Globale Abzocke
jasthoff 23.09.2008
da hört man es täglich im Radio und Fernsehen: im Zuge der Globalisierung müssen wir jene Kröte schlucken, im Rahmen von globalen Strukturveränderungen werden so und soviel tausend Menschen entlassen...was war denn noch mal der Vorteil der Globalisierung? So weit wollen wir dann wohl doch nicht gehen, zumindest nicht unsere Administrationen....Geld beim Bürger abkassieren hat schließlich jahrhunderte lange Tradition. Das ist erhaltenswert! Da werden dem Privatmann 150 Euro aus der Tasche gezockt, weil er ein Schnäppchen in Bankok machen wollte, und der KfW-Mitarbeiter, der schnell mal eben noch 500 Millionen überwiesen hat geht straffrei aus....so wird es kommen. Beamte im Dienst halt....Es wird Zeit darüber nachzudenken, wie lange man sich das alles noch gefallen lassen will. Zeit darüber nachzudenken, ob man in Zeiten der Globalisierung überhaupt noch Verwaltungen in der Art großer Breite braucht. Europa, Deutschland, 16 Bundesländer, Städte und Gemeinden.... wer braucht das? Brauchen wir 16 Landesregierungen mit ihren Apparaten? 9 würden doch auch reichen, wer braucht Berlin als Bundesland, oder Hamburg. Könnte das Saarland nicht gemeinsam mit Rheinland Pfalz regiert werden? Das würde prächtig Geld sparen, dafür könnte man den Bürgern mal Steuern erlassen, oder Zölle. Das wäre mal ein Sparkurs, der den Namen auch verdient. Ansonsten wird beim Sparen immer nur auf den Bürger gezeigt. Das sollten sich unsere Regierungen mal sparen!
5. Nicht alles ist so tragisch
Iggy Rock, 23.09.2008
Ich habe bestimmt für mehrere Tausend Euro inzwischen Ware aus dem Ausland bezogen, mit verschiedenen Versandunternehmen, alles wurde problemlos abgefertigt, d.h. verzollt. Probleme gab es keine, selbst Instrumente aus Tropenhölzern gehen problemlos durch, letztlich sind ähnliche auch frei in Deutschland erhältlich. Das man bei solchen Bestellungen nebst Kreditkartengebühr, evtl. Verlusten bei Kursschwankungen, Abzüge beim Kaufpreis wegen wegfallen der Steuern im Ausland, die inzwischen recht hohen Portokosten und den Zoll mitberechnen sollte, sollte jedem klar sein. Dennoch ist "Kleinkram", etwa DVD oder Audio CDs in den USA nicht selten so billig, dass jene Kosten, solange sie unter der Zollgrenze bleiben, günstiger sind wie ein Kauf in Deutschland. Natürlich, das darf man keinem ökologisch-korrekt Denkendem erzählen, weil das stets über Luftfracht abgewickelt wird und der Transport über 6000km irgendwie schwachsinnig ist, aber wer sparen will, kommt irgendwann auch über die Hürde. Schüttelt wahrscheinlich nur den Kopf, warum Waren in Europa teilweise so übertrieben teuer sind. Gut finde ich in dem Artikel die Nennung der 150€ Freigrenze, die noch dieses Jahr kommen wird. Erst dann wird sich auch ein größerer Einkauf von Kleinkram im Ausland rechnen. Ansonsten, viel Angstschürerei, Garantieleistungen z.B., auf die verzichtet jeder logisch denkende Mensch nun einmal, angesichts der Portokosten. Das man jeden Preis erst einmal durchrechnet und mit dem dt. Preis abwägt, dürfte klar sein.
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