Imageprobleme Ärger für Apple

Als vor Tagen eine kleine Website offenbar wirklichkeitsnahe Gerüchte über kommende Apple-Produkte veröffentlichte, reagierte der Konzern völlig humorfrei mit einer Klage gegen die Betreiber - und das nicht zum ersten Mal. Die aggressiven Reflexe erweisen sich als Gift fürs Image.


Profil zweier Sympathieträger: Zuviel Beißreflex ist nicht gut für Apple
DPA

Profil zweier Sympathieträger: Zuviel Beißreflex ist nicht gut für Apple

Apple, das ist eine freundliche Marke. Die Produkte der Firma aus Cupertino gelten als ganz besonders benutzerfreundlich, als schön und gut gestaltet, als qualitativ hochwertig und überhaupt als wichtig, weil sie der gehassliebten "Wintel-Allianz" noch Widerstand leisten: In den Augen seiner Fans sind Steve Jobs und seine Firma eine Art innovativer Robin Hood der IT-Welt. Von einem derart positiven Image kann Hauptkonkurrent und "Sheriff" Bill Gates nur träumen.

Apple hat sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, auch von der Presse geliebt und gehätschelt zu werden. Umso überraschender kommt für den Konzern nun das mediale Echo auf Apples nervös-aggressive Reaktion auf die unautorisierte Veröffentlichung von Apple-Gerüchten auf einer kleinen Webseite.

Warum gibt sich eine coole Marke so verkrampft?

Anfang Januar hatte ThinkSecret Gerüchte aus ungenannten Quellen zitiert, was Apple so nicht akzeptieren wollte und will: Dass Presseorgane oder auch nur Blogger ihre Quellen schützen, ist im Beziehungskodex zwischen Apple und Presse nicht vorgesehen. Apple reichte Klage gegen ThinkSecret ein, wie der Konzern zuvor im Dezember auch schon zwei Blogs verklagt hatte.

Offenbar stößt Apples ruppiges Gebahren im Umgang mit der Öffentlichkeit nun immer mehr Medien sauer auf. Von der "New York Times" über die "Technology Review" bis hin zur "Mac World" reichen die Unkenrufe. Alle nehmen die Nachricht, dass die weltweit bekannte Cyberrights-Organisation Electronic Frontier Foundation die Prozesskosten der verklagten Mac-Blogger-Seiten übernehmen will, zum Anlass, Apple eine offenbar überfällige Watsche zu verpassen.

Vordergründig geht es um die Frage, ob Blogger, die auf privat betriebenen Webseiten Nachrichten sammeln, nun als Journalisten gelten oder nicht und mithin entsprechende Schutzrechte für sich in Anspruch nehmen können. Letztlich aber geht es um Apple. "Ich bin zutiefst enttäuscht über Apples Verhalten und die neue Taktik des Unternehmens, seine besten Kunden mit Klagen zu bedrohen", teilte Jason O'Grady, einer der verklagten Blogger, über seine Webseite mit. "Wiegt die Paranoia eines Unternehmens wirklich mehr als das verfassungsmäßig verbriefte Recht auf freie Meinungsäußerung?"



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