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11. Juni 2012, 16:26 Uhr

Netzwelt-Ticker

Indien rüstet zum Cyberwar

Von Felix Knoke

Die indische Regierung verschärft ihre Wehrfähigkeit im Internet, die US Navy wird ihre Drohnenflotte auf Linux umstellen, Microsoft muss Penis-Blamage erdulden, und Anonymous Austria veröffentlicht drei Gigabyte Scientology-E-Mails. Das und mehr im täglichen Netzwelt-Überblick.

Indiens Regierung verschärft die Gangart beim Umgang mit echten und angeblichen Internet-Bedrohungen. Zum einen sollen neue Regierungsprogramme den Schutz der nationalen kritischen Infrastrukturen verbessern, zum anderen sollen gleich zwei Behörden Cyber-Schläge gegen andere Staaten ausführen dürfen.

Wie die "Times of India" von anonymen Quellen erfahren hat, wird der indische Sicherheitsrat demnächst der Defence Intelligence Agency (DIA) und der National Technical Research Organization (NTRO) den Einsatz von Hackangriffen erlauben, und allen anderen Geheimdiensten die Spionage im Internet.

Die digitale Aufrüstung in Indien hat einen ernsthaften Hintergrund - und wird populistisch legitimiert. Zum einen sei Neu-Delhi immer wieder Opfer von Cyber-Angriffen - also vor allem Überlastungsangriffen und Spionageversuchen, kriminellen, polit-aktivistischen und vermutlich staatlichen Ursprungs. Zum anderen werden sogar zufällige Stuxnet-Infektionen in Indien von einem (von der "Times of India" nicht näher identifizierten) Regierungsbeamten als potentieller Angriff auf die indische Infrastruktur umgedeutet.

Ganz handzahm erscheinen dabei die Bemühungen zum Schutz der kritischen Infrastrukturen. Indiens digitale Feuerwehren, die Computer Emergency Response Teams (CERTs), sollen ausgebaut und mit neuen Befugnissen ausgestattet werden. Neue Teams sollen einzelne Bereiche der kritischen Infrastrukturen beaufsichtigen und schützen.

Linux statt Windows: US-Marine stellt um

Die US Navy wird ihre Drohnenflotte auf Linux umstellen. Die private Militärfirma Raytheon wurde mit der Umrüstung der Bodenstationen für knapp 28 Millionen Dollar beauftragt. Zwar ist kein offizieller Grund für den Umstieg bekannt, doch dürften die Erfahrungen des US-Militärs mit Windows-Malware zumindest einen wichtigen Beitrag zur Entscheidung geleistet haben. Im letzten Jahr infizierte ein Virus die Drohnen-Cockpits - laut Militärs nur eine Störung, kein Angriff. Als Entwickler dürfte sich die Firma Raytheon durch die langjährigen Erfahrungen sowohl mit Drohnen als auch mit deren Steuerung durch Linux-Computer empfohlen haben.

Aber wie sieht das eigentlich mit den Software-Lizenzen aus, müsste das US-Militär nicht den Quellcode offenlegen? Nicht, heißt es in einem Militärhandbuch, solange die Militär-Software in der Hand der Regierung bleibt.

Penis-Blamage für Microsoft

"Unangemessene, verletzende Elemente und vulgäre Sprache": Software-Hersteller Microsoft hat sich für einen Bühnenauftritt auf der norwegischen Entwicklerkonferenz NDC entschuldigt. Man werde sich der Sache "aktiv" annehmen und entschuldige sich bei Partnern und Kunden.

Ein ganz schön rauer Ton, angesichts des Schadens, den das Video nicht bei "Partnern und Kunden", sondern bei Microsoft selbst anrichten dürfte. Denn auch wenn der Developersong offenbar lustig gemeint ist - "Program People; Coding is our Drug" - so ist er doch vor allen Dingen unerträglich peinlich. "I got the skillz 2 impress / I'm a computer genious / The words "Micro" and "Soft" / Don't apply to my penis (or vagina)," lautet die umstrittene Textzeile, von einer Scooter-Stimme gestammelt, von Hotpants betanzt.

Einem Publikum, das von einem schlechten Penis-Witz nicht gerührt ist, dürfte aber vor allem ein Moment trauriger Erleuchtung zur Textzeile "I'm developing for the rest of my life" und der Applaus vom Band, zu dem das peinlich berührte Entwickler-Publikum sich steif wundert, aufgefallen sein. Aber schauen Sie selbst...

Was am Montag sonst in der Netzwelt wichtig war

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