Indizierte Musik: YouTube zeigt Nazi-Videos
Auf dem Videosharing-Portal YouTube sind Videos mit rechtsradikaler Musik zu finden, die in Deutschland auf dem Index steht. Auch Propagandamaterial von Terroristen taucht auf der Plattform gelegentlich auf. Jugendschützer haben Probleme, dagegen vorzugehen.
Rund 70 Millionen Videoclips werden täglich auf der Videoseite YouTube abgespielt. Darunter befindet sich auch Material, das in Deutschland auf dem Index steht, wie das Magazin "Computerbild" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.
YouTube: Nicht nur Spaßvideos, sondern auch fragwürdige Inhalte
Auf der im Herbst 2005 gegründeten Videosharing-Seite YouTube veröffentlichen Privatnutzer in der Regel selbst produzierte Filme. Alle Internetnutzer können sich diese Filme gratis ansehen. Zwar können Zuschauer bedenkliche Filminhalte dem Unternehmen melden; die Clips werden dann aber nach "Computerbild"-Angaben nur für nicht angemeldete Nutzer gesperrt. Eine Anmeldung ist jedoch in wenigen Schritten möglich. Das Alter wird dabei nur abgefragt und nicht überprüft.
Theoretisch verstoßen Songs mit rechtsradikalen Inhalten gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube. Dort ist ausdrücklich vermerkt, dass es verboten ist, Material hochzuladen, das rassistisch ist oder ethnisch diskriminierend. Auch pornografische oder hasserfüllte Videos sind verboten.
Die Nutzungsbedingungen sind das eine - in der Praxis gelangen jedoch immer wieder Filme mit fragwürdigen Inhalten auf die Seite - so auch Propagandamaterial von Terroristen. Verhindern ließe sich das nur, wenn jedes Video vor dem Hochladen auf die YouTube-Server kontrolliert würde - was derzeit nicht geschieht und die Betreiber wohl vollkommen überfordern würde, die noch nicht mal ein tragfähiges Geschäftsmodell für ihre Seite besitzen. Auch Verstöße gegen das Urheberrecht sind deshalb keine Seltenheit.
Die Redaktion der "Computerbild" machte YouTube auf die fragwürdigen Videos aufmerksam. Das Unternehmen war jedoch zu keinem Kommentar bereit. Daraufhin schaltete das Magazin Jugendschutz.net ein - die zentrale deutsche Beschwerdestelle für jugendgefährdende Inhalte im Internet. Die Behörde habe erklärt, sich umgehend mit "YouTube" zum Löschen der betroffenen Seiten in Verbindung setzen zu wollen.
Jugendschutz.net hat allerdings keine juristischen Mittel in der Hand, um Inhalte auf Webseiten in den USA zu löschen, vor allem, wenn diese wie rechtsradikale Musik nach dortigem Recht nicht verboten sind. Deshalb setzt Jugendschutz.net ganz auf die Einsicht von Providern und Website-Betreibern.
hda/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Montag, 10.07.2006 – 17:37 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Umsonst-Videos: Analysten zweifeln an YouTube (02.07.2006)
- Abmahnungen: Musik-Lobby geht gegen Web-Karaoke vor (21.06.2006)
- Netzwelt-Ticker: Vielguck-Videos bringen Kohle (04.07.2006)
- Konkret kopiert: Die krasse Story vom "Sonnenlischt" (21.03.2006)
- YouTube
- Youtube: Nutzungsbedingungen
- Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM)
- Jugendschutz.net
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
