Infoporn Rund 20 Prozent der Arbeitszeit wird im Web verbummelt

Ein Fünftel ihrer Arbeitszeit, so das Ergebnis einer US-Studie, vertrödeln Büroarbeiter im Web. In der Hitliste der Arbeitszeit-Killer finden sich Online-Games, Auktionen und Pornografie. Regelrecht süchtig sind die Büroarbeiter aber vor allem nach einem: aktuelle Nachrichten.


Nicht sachgerechte Beschäftigung eines Büroarbeiters: 20 Prozent der Arbeitszeit verbummelt?

Nicht sachgerechte Beschäftigung eines Büroarbeiters: 20 Prozent der Arbeitszeit verbummelt?

Der moderne Büroalltag ist so abwechslungsreich und vielfältig wie nie. Beschäftigten sich bocklose Büroarbeiter früher damit, Aktenstapel von rechts nach links zu sortieren, dringende Dienstgespräche am Kaffeeautomaten zu führen oder den neuesten Bürogag im Kopierraum zum Wohle der Allgemeinheit hundertfach zu kopieren, sitzt Otto-Normal-Büroarbeiter heute mehr und länger denn je konzentriert vor dem Monitor. Doch das allein garantiert natürlich keine geistige Anwesenheit.

Rund 20 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen durchschnittliche amerikanische Büroarbeiter heute damit, ihren Horizont zu erweitern - im Internet. Das war in den Anfangstagen des Webs sogar gern gesehen, ging man doch optimistisch davon aus, dass die Angestellten und Beamte sich bilden würden, Kontakte zu Kunden und Konkurrenten pflegen oder zumindest branchenrelevante Informationen einholen. Die Euphoriker des Cyberspace prophezeiten ein neues Zeitalter der Vernetztheit, in der die Arbeitsproduktivität sich auf ganz neuem Niveau einpendeln würde.

News-Google: Volltextsuche auf den Seiten der amerikanischen und britischen Medien

News-Google: Volltextsuche auf den Seiten der amerikanischen und britischen Medien

Weil genau das tatsächlich eintraf, wenn auch anders als gedacht, gingen und gehen heute immer mehr Arbeitgeber dazu über, den Internet-Anschluss wieder abzuklemmen oder aber der Surflust der Arbeitnehmer mittels Filtersoftware etwas die Flügel zu stutzen. Eine aktuelle amerikanische Studie von WebSense fand nun heraus, warum auch das relativ wenig nützt: Die Unternehmen blockieren und filtern die falschen Inhalte.

In Generalverdacht steht stets die Online-Pornografie und andere Dunkelecken des Webs - nicht zuletzt, weil Arbeitgeber hier rechtliche Konsequenzen befürchten. Kein Monat, in dem man nicht von Kündigungen liest, die sich ein Büroarbeiter durch zu intensives Studium der menschlichen Anatomie einfing. Dass irgend jemand gefeuert wurde, weil er beim Nachrichten lesen erwischt worden wäre, hat man dagegen bisher nicht gehört.

Denn das, behauptet Websense, finden 67 Prozent aller Arbeitgeber sogar eigentlich gut, obwohl 23 Prozent der nicht dienstlich verbrachten Surfzeit auf Nachrichtenseiten entfalle. Als "suchtbildend" bezeichnen die Befragten solche Angebote, die Pornografie (18 Prozent), Spieleseiten (8 Prozent) und Auktionen (6 Prozent) auf die Plätze verweisen. Allein Online-Shopping (24 Prozent) scheint - zumindest in Amerika - noch leicht populärer zu sein als der stete Strom spannender News.

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Bürozeit ist Surfzeit

Produktivitätskiller Internet? 20 Prozent ihrer Arbeitszeit versurfen amerikanische Büroarbeiter im Web. Wie sieht das hier zu Lande aus?

Notorische Wiederholungstäter unter den Nachrichtenlesern sind die Wirtschafts- und Sportjunkies. Während bei letzteren das Surfaufkommen wohl vor allem anlässlich einschlägiger Großereignisse steigt, korreliert die Hauptsurfzeit vor allem der Aktienjongleure mit den Kernarbeitszeiten in normalen Bürobetrieben.

Google sucht auch Nachrichten

Wie populär Nachrichten sind, weiß man auch bei Google, die in dieser Woche ihre Nachrichten-Suchseite offiziell freigeschaltet haben. Das Angebot ist weder neu noch originell: Solche Nachrichtensammler gibt es seit mindestens fünf Jahren. Doch mit Google drängt ein Großer vor, dem man den Totalüberblick auch zutraut.

Tatsächlich ist das Angebot an amerikanischen Medien im neuen Nachrichten-Suchdienst reichhaltig, die Google-Volltextsuche wie immer bequem und zuverlässig und ermöglicht dem nachrichtensüchtigen Bürosurfer das gezielte Suchen nach den News seiner Wahl.

Das ist nett, aber letztlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Was News sexy macht, ist das Moment der Überraschung: Nach echten, frischen Nachrichten kann man doch gar nicht suchen. Die findet man nur dann, wenn man oft genug vorbeischaut - zum Beispiel bei SPIEGEL ONLINE...



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