Informationsfreiheit Auslandssender protestieren gegen Zensur

Die Chefs der fünf großen westlichen Auslandssender beklagen, dass immer mehr Länder die Arbeit von Journalisten behindern, Internet und Radio zensieren und blockieren. In einem bisher beispiellosen Aufruf richten sie sich an Regierungen auf allen Kontinenten, "solche Praktiken" aufzugeben.


Zum ersten Mal richten sich die fünf großen Auslandssender westlicher Staaten - der BBC World Service, die Deutsche Welle, Radio France International, Radio Netherlands Worldwide und Voice of America - mit einem gemeinsamen Appell direkt an die Politik: "Immer mehr Staaten versuchen, mit Störsendern das Radio zu behindern und das Internet zu blockieren und zensieren", heißt es darin ungewöhnlich deutlich. Dazu kämen Einschränkungen der Medienfreiheit und Angriffe gegen Journalisten in vielen Gebieten.

Konkrete Länder nennt der Appell an Regierungen, "solche Praktiken" aufzugeben, nicht: "Eine steigende Zahl von Ländern - in Eurasien, Afrika, Süd- und Ostasien und Lateinamerika - haben Berichte über Ereignisse von erheblichem öffentlichem Interesse eingeschränkt oder blockiert. Journalisten - darunter viele, die für unsere Organisationen arbeiteten, wurden verhaftet, ausgewiesen, entführt oder getötet."

Besonders beunruhigend seien darüber hinaus "die Versuche einiger Regierungen, durch Lizenzierungs- und Regulierungsmaßnahmen lokalen Partnersendern die Wiederausstrahlung unserer Hörfunk- und Fernsehprogramme zu erschweren oder zu verbieten". Ungeachtet unterschiedlicher historischer Hintergründe, Aufträge und Erfahrungen seien sich die internationalen Sender einig in dem Ziel, wahrheitsgemäße und pluralistische Nachrichten und Informationen für Menschen weltweit anzubieten.

Informationszugang ist Menschenrecht

Jan Hoek, Intendant von Radio Netherlands Worldwide und Sprecher der fünf Sender, bezeichnete es als wichtigste Aufgabe, denjenigen Menschen verlässliche und unabhängige Informationen zu liefern, die keinen Zugang zu unterschiedlichen Quellen und Standpunkten haben. Die gemeinschaftlich verfasste Resolution wurde am Dienstag anlässlich des Jahrestreffens der Auslandssender im niederländischen Hilversum veröffentlicht.

Die Intendanten der Sender mahnen Regierungen darin, die UNO-Deklaration der Menschenrechte zu respektieren und verweisen darauf, dass sie gerade in Bezug auf Menschen in Ländern mit eingeschränktem Informationszugang in der Pflicht stünden. In einer zunehmend "polarisierten Welt, in der die Medien vieler Länder sich mit schweren Einschränkungen ihrer Publikationsfreiheit konfrontiert sehen", sei es gemeinschaftliche Aufgabe der Auslandssender, die Massen, die anders nicht an Informationen kämen, mit Nachrichten zu versorgen, so Hoek. Seit 2002 verzeichneten Gruppen wie Reporter ohne Grenzen jedes Jahr steigende Todeszahlen unter Journalisten und eine stetige Einschränkung der Pressefreiheit in vielen Ländern.

Die fünf internationalen Sender erreichen mit Hörfunk, Fernsehen und Internet wöchentlich mehrere hundert Millionen Hörer, Zuschauer und Nutzer. Sie produzieren Programme in insgesamt 60 Sprachen, die durch mehrere tausend Partnerstationen und Kabelsysteme rund um den Globus übernommen werden.

pat/dpa



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