Fotokunst auf Instagram Istanbul zum Schwummrigwerden

Aydin Büyüktas stellt Istanbul auf den Kopf. Der türkische Künstler bearbeitet bekannte Motive mit einem 3D-Programm - und manipuliert unsere Sehgewohnheiten auf spektakuläre Weise.

Aydin Büyüktas

Die Welt, die unten beginnt, scheint oben nie zu enden? Es gibt viele Sätze, mit denen man die Instagram-Bilder des türkischen Künstlers Aydin Büyüktas beschreiben könnte. Am besten erschließt sich das Konzept seiner Fotoreihen aber, wenn man sich einfach selbst ein paar seiner Werke ansieht: Denn Büyüktas' Bilder brechen mit unseren Sehgewohnheiten.

Seine optisch beeindruckenden und irgendwie auch verstörenden Motive sind das Ergebnis von mehreren komplizierten Arbeitsschritten. Ausgangsmaterial für die Collagen sind Fotos bekannter Sehenswürdigkeiten oder Stadtlandschaften der türkischen Metropole Istanbul, die der Künstler mithilfe einer Drohne aufnimmt.

Am Anfang setzte Büyüktas noch auf eine traditionelle Collagetechnik. Doch schon bald wechselte er zu einem 3D-Bildbearbeitungsprogramm. In mühevoller Arbeit verändert er sein Ausgangsmaterial so, dass am Computer ganz neue Landschaften entstehen.

Die Bilder wirken zugleich vertraut und fremdartig, bekannte Gebäude fügen sich in ungewöhnliche Hintergründe ein. Seit 2015 veröffentlicht Aydin Büyüktas seine Kunstwerke auf seinem Instagram-Profil und auf seiner Website.

Die Gesetze der Schwerkraft außer Acht gelassen

Ob es nun die Neue Moschee ist, der Große Basar oder das Maltepe-Stadion, alle Orte erfahren durch ihre surreale Bearbeitungen einen ganz neuen Reiz. Ganze Straßenzüge werden gespiegelt, ihre Sichtachsen bis in den Himmel gestreckt und wieder zurückgebogen. Die Gesetze der Schwerkraft scheinen keine Rolle mehr zu spielen.

Als Inspiration für die mehrdimensionale Bilderverfremdung verweist der Künstler nicht etwa auf den Thriller "Inception" von 2010, sondern auf eine Ende des 19. Jahrhunderts erschienene Novelle namens "Flatland". Darin geht es um die Konflikte zwischen zweidimensionalen Wesen, die es mit der dritten Dimension zu tun bekommen. Ähnlich herausfordernd sollen auf den Betrachter Büyüktas' Werke wirken, da sie allen bekannten physikalischen Gesetzen zu widersprechen scheinen.

Die Metropole Istanbul ist nicht das einzige Sujet, das der Künstler einer dreidimensionalen Verfremdung unterzogen hat. 2014 schuf er eine Reihe von Motiven, die er unter dem Titel "Parallel Universes" veröffentlichte. Auch hier spielte Büyüktas mit Perspektiven und Spiegelungen. Alltägliche Situationen verwandelte er in geheimnisvolle Visionen einer anderen Welt, ob es sich um einen Rangierbahnhof, einen Güterhafen oder Hochhausszenen handelt.

Berlin würde Büyüktas reizen

Aktuell ist Büyüktas dabei, ein weiteres Album namens "Parallel Universes 2" zu erstellen. Bei den hier gezeigten Motiven arbeitet Büyüktas vor allem mit Spiegelungen: Über dem Kopf des Betrachters ist das Spiegelbild genau der Landschaft zu sehen, in der er sich selbst befindet.

Für künftige Projekte denkt Künstler Büyüktas über die Grenzen der Türkei hinaus. Er hoffe, auch in anderen Ländern die Gelegenheit für seine Fotokunst zu bekommen, erzählt er. Frankreich würde ihn reizen, daneben China. Und auch nach Deutschland würde er gern gehen: Vor allem in Berlin gebe es viele Orte, in die er sich geradezu verliebt habe.



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
clara1337 28.01.2016
1. Klagen
Da sollte Apple schnell klagen, so sah doch ihre Karten App schon vor Monaten aus...
seb.mazur@googlemail.com 28.01.2016
2. sehr schöne idee
und die umsetzung gefällt auch. aber wieso schonwieder berlin? es gibt auch andere städte, gerade für so ein projekt bieten sich doch schlösser burgen und oder altstädte geradezu an. meiner bescheidenen meinung nach.
KeepCoool_Mr.Smith 28.01.2016
3. Schöne Idee...
...aber hoffentlich ist das keine Kunst die dem Sultan Erdogan missfällt. Es könnte ja seine, oder irgendwelche Gefühle verletzen, wenn ein Künstler religiöse oder historische Bauwerke verfremdet. Es sind dort schon Leute für weniger in den Knast gegangen... Leider muss man sich wohl zum Thema Türkei und Islam inzwischen solche Gedanken machen. Hoffentlich ist er schnell genug in Berlin und macht hier seine Kunst, dann kann nix passieren ;-)
krustentier120 28.01.2016
4. Danke!
Beeindruckend! Danke für die Links zu Homepage und Instagram!
wahn-sinn 28.01.2016
5. Hollywood als Inspiration?
die bilder erinnern natürlich stark an christopher nolans film "inception", wo in den traumsequenzen straßen und gebäude ähnlich gekrümmmt werden, sowie an den sci-fi-film "elysium" von regisseur neill blomkamp. nichts neues also, dennoch: toll aussehen tut es trotzdem.
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