Absurde Kennzeichnungsflut Liebe Leserin, lieber Leser,

Von


seit einigen Wochen beobachte ich auf Instagram immer absurdere Werbekennzeichnungen unter den Beiträgen. Schuld sind die sogenannten Influencer. Sie bieten ihren Fans nicht nur einen scheinbar unverstellten Blick aufs eigene Leben - sondern preisen auch Produkte an und streichen dafür oft genug Geld von Firmen ein.

Solche Influencer mit vielen Abonnenten kleistern derzeit ihre Beiträge mit Werbehinweisen zu: "Werbung (unbezahlt)" lese ich dann, oder "Werbung unbeauftragt" oder "Anzeige da Verlinkung von Accounts, unaufgefordert, unbezahlt". Schon wenn ein befreundeter Blogger mit dem @-Zeichen verlinkt wird, steht unter Beiträgen jetzt: "Unbezahlte Werbung, da Personnennung".

Wehrt sich gegen Instagram-Abmahnung: Cathy Hummels
Getty Images

Wehrt sich gegen Instagram-Abmahnung: Cathy Hummels

Prinzipiell finde ich es richtig, dass die Branche stärker darauf achtet, Werbung auch entsprechend zu kennzeichnen. Nach einer Wild-West-Phase wächst nun das Problembewusstsein, glaube ich. Prominente Abmahn- und Gerichtsfälle, etwa um Influencerin Cathy Hummels, helfen da. Auch das 2017 eingeführte "Branded Content Tool" war dringend nötig, damit Nutzer Werbung besser kennzeichnen können. Schleichwerbung ist nun mal illegal, auch auf Instagram.

Die derzeitigen Unsinnskennzeichnungen nach dem Gießkannenprinzip aber stehen der klaren Trennung von tatsächlicher Werbung und nicht-werblichen Inhalten entgegen.

Gerichte und Landesmedienanstalten sind gefragt

Schuld an der Werbepanik der Influencer dürfte vor allem ein Gerichtsurteil aus Berlin sein, das Verlinkungen auch ohne Gegenleistung als Werbung wertete. Hat ein Instagram-Account viele Follower, handelt er wohl geschäftlich, so das Gericht. Einziger Schutz vor negativen Folgen scheint aus Sicht der Influencer ein inflationär verwendeter Werbehinweis zu sein.

In der Praxis führt das für Nutzer nicht zu einem Gewinn an Transparenz, sondern zu noch mehr Unklarheit im Werbedschungel Instagram. Wenn alles Werbung ist, dann ist tatsächliche Auftragsarbeit, für die es eine wie auch immer geartete Entlohnung für den Influencer gab, schwerer zu identifizieren. Aber auf genau diese Arrangements möchte ich als Nutzer hingewiesen werden.

Nun wird man wohl auf weitere gerichtliche Klärung hoffen müssen, und auch die Landesmedienanstalten als zuständige Aufsichtsbehörden sollten auf den fragwürdigen Trend reagieren.

Am Mittwoch ist Weltkatzentag!

Angela Gruber

Ein Internet ohne Katzen ist möglich, aber sinnlos. Am Mittwoch dürften Sie online besonders viele Katzenbilder und -Gifs erwarten, denn der 8. August ist Weltkatzentag.

Aus gegebenem Anlass lege ich Ihnen daher das unten stehende Duell in Katzenbildern aus dem Netzwelt-Archiv ans Herz. Klicken Sie auf das Bild links oder rechts, je nachdem, welche der beiden Katzen Ihnen besser gefällt. Am Schluss bleibt Ihre Lieblingskatze übrig und Sie sehen, wie andere SPIEGEL-ONLINE-Leser abgestimmt haben. Ich habe einen klaren Favoriten, vielleicht können Sie ja erraten, welchen.


Sie mögen Netzwelt-Themen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter.

Startmenü ist kostenlos und landet jeden Montag gegen 16 Uhr in Ihrem Postfach.

Seltsame Digitalwelt: Essen auf Rädern

Starship Technologies

Ich stehe an der Ampel in meinem Viertel in Hamburg und warte, bis es Grün wird. Neben mir ein leises Surren, dann Stille: Ein knapp kniehoher Roboter auf sechs Rädern wartet nun neben mir. Für mich ist der Anblick mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Seit einigen Monaten testet der Lieferservice Foodora den Starship-Roboter. Er fährt autonom durch die Straßen und sendet eine Nachricht aufs Smartphone des Bestellers, wenn er vor der Tür steht. Aktuell läuft immer noch ein Mensch hinterher, um auf den Roboter aufzupassen, diesmal ist es eine junge Frau. Gerade hat der Roboter Sushi geladen, erzählt sie mir, während die Ampel auf Grün springt und das Gefährt über den Bordstein schanzt, seinem Ziel entgegen. Hoffentlich, denke ich mir, hat der Behälter eine Kühlung eingebaut.

App der Woche: Spoilers Blocker
getestet von Tobias Kirchner

Invariant Labs

Wochenlang freut man sich auf die nächste Episode seiner Lieblingsserie - und dann erfährt man im Internet, ohne es zu wollen, kurz vor der Ausstrahlung, was in der Folge passiert. Die Vorfreude ist dahin wegen des sogenannten Spoilers. Verhindern soll das die App Spoilers Blocker. Neben dem Titel der Serie können beispielsweise wichtige Charaktere oder Schauspielernamen auf die Liste gesetzt werden. Wenn eine Seite aufgerufen wird, auf der die festgelegten Stichwörter auftauchen, blockiert sie die App.

Gratis von Invariant Labs, ohne In-App-Käufe: Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche voller Katzenbilder, Ihre

Angela Gruber

Mehr zum Thema
Newsletter
Startmenü - der Netzwelt-Newsletter


insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Dudenquatscher 06.08.2018
1. Da gibt es doch nur eins,
diesen ganzen Mist einfach nicht nutzen bzw. dort nicht mitmachen.
Martuk 06.08.2018
2. ja genau
Soll doch jetzt ein Gericht das Gegenteil klären. Denn dann ist gar nichts mehr klar. Dann hat ein Gericht "geklärt" man muss kennzeichnen, und das Andere hat "geklärt" man darf nicht kennzeichnen. - Na dann viel Spaß. Rechtssicherheit, das war Gestern, heute sind wir einen Schritt weiter.
fyer 06.08.2018
3.
Es ist keinesfalls absurd dass die "Influencer" ihre Posts als Werbung markieren müssen/sollen sondern vollkommen angebracht. Es gibt keine private unkommerzielle Bilder von Influencern, das was sie veröffentlichen ist alles Teil ihrer Arbeit und dient im einfachsten Fall nur um auf den Timelines zu erscheinen und nicht vergessen zu werden, quasi Werbung für sich selbst.
mark78 06.08.2018
4. Traffic ist auch eine Form der Bezahlung
Es braucht ja nicht mal ein explizites Arrangement der Bezahlung um zu beeinflussen. Da muss man sich nur mal die meist geschauten Videos bei YouTubern ansehen das sind meistens auch praktisch Werbesendungen für Luxusgüter. Marken zahlen dann halt an Youtube um Videos mit eigenen Produkten zu Featuren. Youtuber bekommen als Entlohnung mehr Views.
ancoats 06.08.2018
5.
Ob Werbung, sprich: Nennungen bzw. Hinweise auf Marken, Produkte und Dienstleistungen auf Instagram nun beauftragt / bezahlt sind oder nicht, tut doch hier überhaupt nichts zur Sache. "Influencer" heißen die jungen Menschen, die da ständig mehr oder weniger albernes Zeugs in die Kamera grinsen, halten & labern, ja nicht ohne Grund.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.