PC-Hardware: Intel beendet Produktion von Desktop-Mainboards

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Intel-Hauptquartier in Kalifornien: Keine Mainboards für Desktop-Rechner mehr

Im Sommer ist mit der Neuentwicklung von Mainboards für PC-Desktops bei Intel Schluss. In den nächsten drei Jahren soll das Geschäft mit Hauptplatinen gänzlich abgewickelt werden.

Der US-Elektronikhersteller Intel ist für die Produktion von Prozessoren bekannt, die vor allem in Desktop-PCs oder Notebooks ihren Dienst tun. Für die Tischrechner fertigt das Unternehmen jedoch auch Mainboards, zu deutsch Hauptplatinen. Das sind die Bauteile, auf denen neben dem Hauptprozessor auch diverse andere zentrale Bestandteile einer Rechnerarchitektur montiert sind.

Mit der Herstellung dieser Hauptplatinen soll bei Intel bald Schluss sein. Am Mittwoch erklärte Intel in einer Pressemitteilung, das Geschäft mit Hauptplatinen für PCs werde im Verlauf der kommenden drei Jahre zurückgefahren. Die in 20 Jahren angewachsenen Kenntnisse im Platinengeschäft würden künftig in anderen, wachsenden Geschäftsbereichen angewendet. Damit sind laut "Cnet" vor allem Produkte aus der Mobilsparte gemeint, also Smartphones, Tablets und Ultrabooks.

Die letzte von Intel entwickelte Mainboard-Generation ist für die im Sommer geplanten Haswell-Prozessoren vorgesehen. Danach werde die Entwicklung von Desktop-Hauptplatinen eingestellt, so das Unternehmen.

Mit dieser Entscheidung ist allerdings noch lange nicht das Ende des PC-Zeitalters besiegelt. "The Register" meint, Intel-Mainboards werde schon deshalb niemand vermissen, weil das Unternehmen davon nicht mehr als vier Millionen Stück im Jahr absetze. Diese Zahlen würden von den Marktführern Asus und Gigabyte bei weitem übertroffen. Außerdem, fügt das "C't Magazin" an, sei die Marktbedeutung einzeln verkaufter Mainboards recht gering, denn 90 Prozent der PCs würden als Komplettrechner verkauft. Die PC-Marktführer HP, Lenovo oder Dell würden ohnehin eigene Boards entwickeln oder dies von Zulieferern erledigen lassen.

Intels Zukunft soll also mobil sein und sie soll klein sein. Dem entspricht auch die Ende des vergangenen Jahres vorgestellte "Next Unit of Computing" (NUC). Der Zwergrechner besitzt ein besonders kleines Mainboard mit den Abmessungen 10,8x10,8cm und passt damit auch in kleine Gehäuse. Weil kein optisches Laufwerk verbaut wird, ist das Gehäuse nur noch knapp vier Zentimeter hoch. Dass Intel NUC jetzt in seiner Mitteilung zum Ende der PC-Mainboards erwähnte, scheint interessant. Denn das zeigt, welchen Wert der Konzern auf diese Technologie legt. In einem Tweet von Intels Board-Abteilung hieß es am Mittwoch sogar, die Aktivitäten im NUC-Bereich würden verdoppelt, "es wird unser Kernprodukt". Denkbare Einsatzmöglichkeiten sind zum Beispiel digitale Anzeigetafeln.

Für Intels Bestandskunden im Mainboard-Bereich gibt es nicht viel mehr als ein paar warme Worte. Das Unternehmen werde in enger Abstimmung mit anderen Lieferanten für den Übergang seiner Kunden zu neuen PC-Mainboard-Entwicklungen sorgen.

meu

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
antilobby 24.01.2013
Das dürfte der Tod von kleineren PC-Bauer sein, die bisher mehr oder wenig das Referenzdesign von Intel übernommen hat. Die Großen entwerfen die Mainboards sowieso selber.
2. Entwicklung ohne internes Feedback?
a.vollmer 24.01.2013
Die Kernfrage scheint zu sein, wie sich die zukünftig fehlende Erfahrung mit Motherboard-Design und -Bau auf die Konstruktion von CPUs und Chipsets auswirkt. Die Synergieeffekte des KnowHows im gleichen Konzern fallen weg, Wege werden länger und wenn dann die Informationsstruktur zur "Stillen Post" verkommt verfällt auch die Produktqualität bei den CPU und anderen Chips für PC-Motherboards. Warten wir ab, aber wundern würde es mich nicht.
3. Desktop PC`s sind out
mayortom 24.01.2013
Die Ära des Desktop PC`s geht ihren Ende entgegen. In Zeiten von Notebook und Pad, Smartphone und Tablet eine logische Entwicklung. Ferner scheint man bei der Entwicklung von CPU`s mit Quadcore Designs am Ende des machbaren angekommen zu ein. Neue Technologien, wie Quantencomputer scheinen am Horizont schon sichtbar. Damit stirbt leider auch die offene Architektur heutiger Desktops in der man sich, bei ausreichender Kenntnis, seinen PC Massgeschneidert konfigurieren konnte. Jedoch ist der Markt gefüllt mit Produkten, so dass man "seinen" Rechner finden sollte.
4.
stefansaa 24.01.2013
Zitat von mayortomDie Ära des Desktop PC`s geht ihren Ende entgegen. In Zeiten von Notebook und Pad, Smartphone und Tablet eine logische Entwicklung. Ferner scheint man bei der Entwicklung von CPU`s mit Quadcore Designs am Ende des machbaren angekommen zu ein. Neue Technologien, wie Quantencomputer scheinen am Horizont schon sichtbar. Damit stirbt leider auch die offene Architektur heutiger Desktops in der man sich, bei ausreichender Kenntnis, seinen PC Massgeschneidert konfigurieren konnte. Jedoch ist der Markt gefüllt mit Produkten, so dass man "seinen" Rechner finden sollte.
Das mag sein, dass man "seinen " Rechner findet. Aber bei den Ansprüchen heutiger Rechner im Zockersegment, habe ich keine Lust mir alle 3 jahre ein Notebook für 2.000€ zu kaufen. Meinen jetzigen PC habe ich durch Austausch von 5 Komponenten nach 5 Jahren Laufzeit wieder zukunftssicher gemacht. Kosten dafür knapp unter 600€. Mit der Anschaffung eines passenden Notebooks in der Leistungskategorie hätte ich mehr als das dreifache bezahlt. Ich hoffe, dass der Desktop PC noch lange erhalten bleibt. Er ist ein Segen für Verbraucher. Notebooks sind einfach noch zu unflexibel in der Konfiguration und noch zu teuer in diesen Segmenten.
5. optional
TeslaTraX 24.01.2013
1. antilobby heute, 13:19 Uhr Das dürfte der Tod von kleineren PC-Bauer sein, die bisher mehr oder wenig das Referenzdesign von Intel übernommen hat. Die Großen entwerfen die Mainboards sowieso selber. Quatsch, das sind alles Normen und Intel Boards waren eher Raritäten. Verstehe nicht warum du dir Sorgen um die PC Bauer machst ...
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