Internet-Abzocke Kostenlos kann teuer werden

Deutschlands Verbraucherschützer schlagen Alarm: Zum Safer Internet Day am Dienstag warnen sie vor den Dingen, die ihnen täglich in der Beratungspraxis begegnen. Die Warnung macht klar: Abzocke ist Alltag.


Frankfurt/Main - Vor dem Safer Internet Day am Dienstag haben Verbraucherschützer vor zunehmender Abzocke im Internet gewarnt. Besonders boome das Geschäft mit scheinbar kostenlosen Online-Angeboten, sagte Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am Montag der Nachrichtenagentur DAPD. Aber auch andere Maschen - von Täuschung bis Datendiebstahl - haben nach Angaben der Verbraucherzentralen Konjunktur. Davor schützen demnach vor allem Aufklärung und Wachsamkeit.

Ein großes Problem stellen laut Verbraucherschützerin Steinhöfel derzeit Kostenfallen im Internet dar. Im vergangenen Jahr hätten deshalb rund 7000 verunsicherte Nutzer allein bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nachgefragt. Die Dunkelziffer liege aber vermutlich deutlich höher. In dem Bundesland wohnt außerdem nur etwa jeder zwanzigste Bundesbürger - was auf eine deutschlandweit sehr viel höhere Zahl schließen lässt.

Tatsächlich haben sich die Verbraucherzentralen in Deutschland in den vergangenen Jahren notgedrungen zu regelrechten Internet-Beratungsstellen gemausert. Auf die Pest der Dialer-Programme Ende der Neunziger, die Verbraucher durch die Umleitung von Internetverbindungen auf astronomisch teure Verbindungen abzockten, folgte die Seuche der Abmahnwellen. In ihrer aktuellen Form stehen Abmahnungen mit an der Spitze des täglichen Beratungsbedarfs - Zehntausende von Bundesbürgern werden zu jedem gegebenen Zeitpunkt unter Druck gesetzt, irgendwelche erbrachten oder erdachten Dienstleistungen zu bezahlen, die sie nie willentlich bestellt haben.

Die Masche sei dabei fast immer die gleiche: Der Kunde müsse für Informationen oder ein Download seine persönlichen Daten eingeben. Im Kleingedruckten auf der Seite und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht demnach aber, dass der Verbraucher sich zu einer Zahlung oder einem kostenpflichtigen Abonnement verpflichtet. Nach einiger Zeit bekommt der Nutzer dann eine Rechnung.

Steinhöfel warnt davor, die Rechnung aus der Abzock-Falle zu bezahlen. Die Verträge seien unwirksam. Von Mahnungen, Inkasso-Schreiben, Forderungen von Rechtsanwälten oder Drohungen mit Schufa-Einträgen sollten sich Verbraucher nicht verunsichern lassen. "Man wird mindestens ein Jahr mit Schreiben bombardiert", so die Verbraucherschützerin. Internetnutzer sollten Widerspruch gegen die Forderungen einlegen. Musterschreiben und weitere Informationen gebe es bei den Verbraucherzentralen.

Gesetzgeber ist gefragt

Um Internetsurfer besser vor der Abzocke zu schützen, forderte Steinhöfel Gesetzesänderungen. So solle es verpflichtend werden, vor dem Abschluss eines Vertrags noch einmal ausdrücklich auf die Kosten hinzuweisen. Dies sei zum Beispiel in Frankreich der Fall, wo es fast keine Probleme mit versteckten Gebühren gebe.

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnte derweil vor Datensammlern, die mit Adressen und Telefonnummern Geld verdienten. "Daten werden nicht gesammelt, um sie in Alben zu kleben oder einzurahmen. Daten werden benutzt, um Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen", sagte Geschäftsführer Günter Hörmann. Die Verbraucherschützer setzen demnach auf die Veröffentlichung von Namen der Datenhändler im Internet, Unterlassungsklagen und die Kooperation mit Banken und Sparkassen.

Sogenannte Erlebnisauktionen nahm die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ins Visier. Dabei handele es sich um eine Art Glückspiel mit hohem Verlustrisiko. Bei dieser Art von Auktion kostet es die Nutzer demnach meist zwischen zehn und 50 Cent, um auf einen Artikel zu bieten, etwa ein Handy oder einen Computer. Allerdings bekommt nur derjenige das Gerät, der als einziger das niedrigste Angebot abgibt. Auf diese Weise verdienten die Anbieter oft ein Vielfaches des eigentlichen Warenwertes, während das Angebot besonders für Spielsüchtige eine zu große Verlockung darstelle. Von einem Betrug kann hier allerdings kaum eine Rede sein: Die Anbieter machen kein Hehl aus ihrem Geschäftsmodell - und dass am Ende nur einer die Ware gewinnt, die viele bezahlen.

pat/APN



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