Internet-Attacken: Auf dem Schlachtfeld der Cyber-Krieger

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Rüstungskonzerne, Regierungen, Großunternehmen: Es vergeht kaum ein Tag ohne Meldung über eine spektakuläre Internet-Attacke. Und immer wird Hackern die Schuld zugeschrieben. Doch der Begriff ist viel zu unscharf. Neben der Spaßguerilla sind im Web längst hochprofessionelle Cyber-Krieger im Einsatz.

Begriffsfindung: Wer sind eigentlich Hacker? Fotos
dapd

Hamburg - Die Angriffe laufen fast immer gleich ab. Ein Beamter, Angestellter, Politiker mit Zugang zu sensiblen Informationen bekommt eine E-Mail.

Augenscheinlich stammt sie von einem Bekannten, einem Kollegen oder jemandem, den der Angeschriebene einmal bei einer Konferenz kennengelernt hat. Die E-Mail nimmt Bezug auf gemeinsame Interessen oder verspricht weitergehende Informationen zu einem interessanten Thema. Wird der Anhang geöffnet, nistet sich ein Schädling auf dem Rechner des arglosen Empfängers ein. Dieser Schädling öffnet Hintertürchen oder protokolliert Tasteneingaben - zum Beispiel Passwörter für die gesicherten internen Bereiche des Firmen- oder Behördennetzwerks - und sendet sie an seinen Auftraggeber.

Mit dieser Methode wurden beispielsweise die privaten E-Mail-Accounts vieler Menschen aus dem Umfeld der US-Regierung angegangen. Einfacher als mit einem solchen fingierten Anhang einer scheinbar privaten E-Mail, kann man die in der Regel hohen Sicherheitshürden behördeneigener Systeme kaum umgehen.

Diese Art von Angriff zielt auf die größte Schwachstelle eines jeden Sicherheitssystems: seine Anwender. Seit Jahren benutzen mutmaßlich von China aus operierende Computerspione diese Methode, um an möglichst heiße Informationen aus dem Umfeld der US-Regierung, aus Rüstungs-, Sicherheits- oder Geheimdienstkreisen zu kommen. Auch die Attacke auf das IT-Sicherheitsunternehmen RSA, dessen SecurID-Tokens weltweit eingesetzt werden, um externe Zugriffe auf Firmen- und Behördennetze abzusichern, begann mit solchen Trick-E-Mails.

Systematisch und geduldig vorgehende Profi-Hacker

Was danach geschah, zeigt vor allem eins: Der allzu unspezifische Begriff "Hacker" ist für diejenigen, die da am Werk sind, längst nicht mehr ausreichend. Hier sind strategisch operierende Angreifer zu Gange, die Geduld haben, jede Menge Zeit und offenbar ausreichende Ressourcen, um Sicherheitssysteme nach Schwachstellen abzusuchen. Bei RSA verschafften sich die Angreifer mit Hilfe der via Phishing erschnüffelten Informationen Zugang zu gesicherten Teilen des Firmennetzwerkes. Entwendet wurden dann offenbar Informationen, die sich dazu benutzen lassen, um das SecurID-System auszutricksen, allerdings nur mit einigem zusätzlichen Aufwand und detaillierten Kenntnissen über das RSA-Sicherheitssystem.

Die so erbeuteten Informationen wurden dann genutzt, um eine weitere Lücke ins Sicherheitssystem eines ganz anderen Unternehmens zu reißen: des Rüstungskonzerns Lockheed-Martin. Nun will RSA an die 40 Millionen SecurID-Tokens austauschen, Firmenkunden rund um den Globus sind betroffen. In diversen Betrieben mit geheimen militärischen Projekten dürften die IT-Verantwortlichen momentan äußerst nervös sein. Denn wer sagt, dass die geduldigen, methodisch vorgehenden Angreifer nicht noch diverse andere Ziele attackiert haben?

Die Angriffsschritte, die in diesem Fall zum Einsatz kamen, sind eindrucksvoll:

  • Effektives, gezieltes Phishing (also keine schludrig übersetzten E-Mails mit unfreiwillig komischen Formulierungen, sondern glaubwürdiges Social Engineering)
  • Gezielte Durchsuchung einer Firmendatenbank nach einer ganz bestimmten Information
  • Weiterverarbeitung dieser Information als Angriffswaffe gegen ein anderes Unternehmen
  • Schließlich der Einbruch in dessen Netzwerk; entwendet wurden bei Lockheed-Martin allerdings angeblich keine sensiblen Informationen.

Wer so viel Aufwand betreibt, der handelt nicht aus Spaß am digitalen Schlösserknacken. Hier sind Profis am Werk, Fachleute für IT-Sicherheit, die methodisch und organisiert vorgehen, um bestimmte Informationen in ihren Besitz zu bringen. Bezahlte, womöglich festangestellte Cyber-Kriminelle, vielleicht im Dienste eines ausländischen Geheimdienstes. In den USA ist man überzeugt, dass die Angreifer in China sitzen, wo dies stets heftig und zunehmend wütend bestritten wird. Dass sich jedoch ein erfolgreicher Angreifer zu Wort meldet, womöglich auf einer Website mit seinem Coup prahlt - das passiert in solchen Fällen nie. Diskretion ist Trumpf im Geschäft mit den Sicherheitslücken.

Spaß-Hacker

Ganz anders stellen sich die Attacken dar, durch die derzeit das lautstark agierende, ostentativ ohne finanzielle Motivation agierende Hackerkollektiv LulzSec von sich reden macht: Hier laufen die Angriffe in der Regel über Sicherheitslücken in Datenbank-Software. Mit sogenannten SQL Injections lässt sich die Datenbank-Software mancher Web-Anwendungen so manipulieren, dass sie Informationen ausspuckt, die eigentlich nicht für Nutzer von außerhalb zugänglich sein sollten. So entwendete LulzSec eigenen Angaben zufolge beispielsweise eine Million Datensätze von Sony-Servern.

Anschließend prahlte die LulzSec-Truppe online mit dem eigenen Erfolg: "Wir sind kürzlich bei SonyPictures.com eingebrochen", dort habe man persönliche Informationen einschließlich Passwörtern, E-Mail-Adressen, Postadressen, Geburtsdaten" und andere Informationen von "über 1.000.000 Nutzern" entwendet.

Jeff Moss, Organisator der Hacker-Konferenz Defcon, sagte der "Huffington Post": "Soweit ich das beurteilen kann, stehlen sie keine Geheimnisse und versuchen dann, sie zu verkaufen, wie Industriespione. Und soweit ich weiß, erpressen sie auch niemanden." Man könne die LulzSec-Truppe vielleicht als "Grey Hats" einstufen, so Moss, als Hacker, die zwar Regeln und Gesetze brechen, aber nicht zum eigenen Vorteil.

Definitionsprobleme

Angesichts der Bandbreite dessen, was sich in den vergangenen Monaten an Hack-Attacken ereignet hat, erscheint die Einteilung von Hackern in gute "White Hats", böse "Black Hats" und irgendwo dazwischen angesiedelte "Grey Hats" allerdings zunehmend überholt. "White Hats" sind Hacker, die das Aufdecken von Sicherheitslücken als eine Art Sport und gleichzeitig Dienst an der Menschheit betrachten. Wenn sie eine Lücke entdecken, machen sie das betroffene Unternehmen darauf aufmerksam. Viele stehen längst im Dienst von Firmen oder Behörden.

Sinnvoller erscheint da schon eine Einteilung nach Motivation, Ziel und Vorgehensweise. Da sind die Hacker, die mutmaßlich im Regierungsauftrag gezielt Lücken in Sicherheitssystemen suchen und ausnutzen, so wie im Fall RSA/Lockheed - oder aber im Fall Stuxnet, wo ebenfalls mit viel Aufwand und großen finanziellen Ressourcen eine Cyberwaffe entwickelt wurde, die schließlich gewaltige Schäden in der iranischen Uranaufbereitungsanlage Natanz verursachte. Sind das jetzt White Hats, weil Iran ja der Feind ist, oder Black Hats, weil sie in offensichtlich zerstörerischer Absicht handelten?

Dann gibt es da die anderen Hacker, die augenscheinlich aus kriminell-finanzieller Motivation heraus Systeme knacken und sich dort Datensätze verschaffen, die sie anschließend meistbietend verkaufen - etwa Kreditkarten- oder Adressdatensätze. So wie die Angreifer, die vor wenigen Wochen Sony bis auf die Knochen blamierten, als sie aus dem Konsolennetzwerk PSN etwa 100 Millionen Nutzerdatensätze entwendeten. In speziellen Foren oder verschlüsselten Chats verkaufen solche Cyber-Kriminellen ihre Beute, etwa an andere organisierte Kriminelle, die aus noch gültigen Kreditkartendaten Profit schlagen können.

Und dann gibt es da die Spaß-Hacker, Guerilleros ohne patriotische Motivation und konkretes Ziel außer dem, Aufmerksamkeit zu erregen und vielleicht einer missliebigen Behörde oder einem Unternehmen nebenbei ein bisschen Schaden zuzufügen. Die LulzSec-Gruppe beispielsweise macht sich einen Spaß daraus, Sony nach dem katastrophalen PSN-Leck eine weitere Sicherheitslücke nach der anderen nachzuweisen.

Die dabei erbeuteten Daten werden aber nicht verkauft - sondern per BitTorrent für jedermann zum Download angeboten.

Was ist ein Hacker wirklich?

In aller Bescheidenheit verwiesen die LulzSec-Angreifer sogar darauf, dass all das nicht besonders schwierig gewesen sei: "Wir versuchen hier gar nicht, als Meister-Hacker zu erscheinen, deshalb erklären wir: SonyPictures.com wurde mit einer sehr einfachen SQL Injection übernommen, einer der primitivsten und am weitesten verbreiteten Sicherheitslücken." Mit einer einzigen "Injection" habe man "ALLE" Daten erreichen können.

LulzSec attackierte nicht nur Sony, sondern auch eine FBI-nahe Organisation namens InfraGard, den TV-Sender PBS (mutmaßlich wegen eines WikiLeaks-kritischen Berichts), das Videospielunternehmen Nintendo (allerdings, ohne größere Schäden anzurichten) und die Website von Rupert Murdochs Fox News. Die Auswahl der Ziele erscheint weitgehend willkürlich, begründet werden die Angriffe wahlweise mit "weil sie es verdient haben" oder "weil wir es konnten".

Das Netz hat viele neue Varianten von Regelverstößen ermöglicht, sie reichen von Vandalismus über organisierte Kriminalität bis hin zu Industrie- und Rüstungsspionage. Der Begriff "Hacker" hat angesichts dieser Entwicklung in diesem Zusammenhang kaum noch eine sinnvolle Bedeutung. Vielleicht wäre es am besten, man kehrte zum ursprünglichen Gebrauch zurück - als Hacker einfach Tüftler, Bastler, Problemlöser hieß.

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1. ⎗⎘
flachatmer 09.06.2011
---Zitat--- Es vergeht kaum ein Tag ohne Meldung über eine spektakuläre Internet-Attacke. ---Zitatende--- Kleine Berichtigung im Satzbau: das "spektakulär" gehört vor "Meldung". Eine Bitte: Noch maximal zehn solcher Häppchen und dann könnte mal langsam die eigentliche Nachricht über ThreeStrikes/eingestampfte Netzneutralität/Stoppschilder/Vorratsdatenspeicherung/... gebracht werden, dieses sturmreif geschossen zu werden langweilt ungemein.
2. Keine sensible Daten auf dem Computer mit Internetanschluss speichern
sukowsky 09.06.2011
Was lernen wir draus? Keine sensible Daten auf dem Computer mit Internet speichern.
3. .
mindphuk 09.06.2011
"Hacken" klingt nunmal nach "kaputtmachen", daher ist der Begriff für böswillige Angriffe auch so flüssig.
4. Was zur Hölle...
Nania 09.06.2011
... sind den CYBER-KRIEGER? Das Wort CYBER wird in der IT-Branche von NIEMANDEM verwendet, der halbwegs bei klarem Verstand ist. CYBER klingt nur toll und futuristisch, wenn man den Leuten Angst machen will. Ach, was waren das für Zeiten, als die CYborgs noch durch das Fernsehen wanderten und Angst und Schrecken verbreiteten. Jetzt kommen die CYBER-KRIEGER. Die Fehrnsehwelt wird WIRKLICHKEIT. Entschuldigung. So schlimm Straftaten im Internet auch sein mögen, dass ist kein Grund einen "CYBER-KRIEG" auszurufen und mit Wörtern wie "Schlachtfeld" um sich zu werfen. Das macht einen falschen Eindruck. Genauso wie der Begriff "Hacker" nicht unbedingt was negatives ist. Viele Firmen haben sogar den Wert von Hackern erkannt. Aber bis die Politik das erkennt, wird wohl noch einige Zeit verstreichen.....
5. Was zur Hölle...
Nania 09.06.2011
... sind den CYBER-KRIEGER? Das Wort CYBER wird in der IT-Branche von NIEMANDEM verwendet, der halbwegs bei klarem Verstand ist. CYBER klingt nur toll und futuristisch, wenn man den Leuten Angst machen will. Ach, was waren das für Zeiten, als die CYborgs noch durch das Fernsehen wanderten und Angst und Schrecken verbreiteten. Jetzt kommen die CYBER-KRIEGER. Die Fehrnsehwelt wird WIRKLICHKEIT. Entschuldigung. So schlimm Straftaten im Internet auch sein mögen, dass ist kein Grund einen "CYBER-KRIEG" auszurufen und mit Wörtern wie "Schlachtfeld" um sich zu werfen. Das macht einen falschen Eindruck. Genauso wie der Begriff "Hacker" nicht unbedingt was negatives ist. Viele Firmen haben sogar den Wert von Hackern erkannt. Aber bis die Politik das erkennt, wird wohl noch einige Zeit verstreichen.....
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
Fotostrecke
Sony: So kamen Hacker an Kundendaten

Die Hackergruppe LulzSec
Das nach eigenen Angaben kleine Hackerkollektiv LulzSec hat sich auf das Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken spezialisiert. Ziele waren unter anderem Sony, Nintendo, die Nachrichtenseite PBS und der Cyber-Sicherheitsverband InfraGard. LulzSec steht für "Laughing at your security". Die "Lulz", der Spaß am Unsinn, sind eine Erfindung aus dem Anarcho-Bilderforum 4Chan, in dessen Umfeld auch die lose organisierte Spaßguerilla Anonymous entstanden ist. Der Werbespruch im Twitter-Profil von LulzSec lautet: "Weltmarktführer in Sachen Spitzenunterhaltung auf Eure Kosten."

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