Internet Domainräuber kapern Google.de

Gesucht und nicht gefunden: Unbekannte haben kurzzeitig Google.de entführt. In der Nacht zum Dienstag wechselte die Domain gleich zweimal den Besitzer. Die Kidnapper hatten leichtes Spiel - woran die Suchmaschine Mitschuld trägt.

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Wer heute Nacht das deutschsprachige Google-Angebot aufrief, bekam eine seltsame Startseite zu sehen. Statt der schlichten Suchmaschinenoberfläche tauchte ein Werbebanner auf, auf dem Erstaunliches zu lesen war: "Für diese Domain wurden keine Inhalte hinterlegt." Daneben stand das Logo der Mindener Internetfirma Goneo.

Gekapert: Statt Google.de der Satz "Für diese Domain wurden keine Inhalte hinterlegt"

Gekapert: Statt Google.de der Satz "Für diese Domain wurden keine Inhalte hinterlegt"

Google hat heute Morgen nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa bestätigt, dass die Domain google.de für einige Internetnutzer in Deutschland vorübergehend nicht erreichbar war. Das Problem sei jedoch "innerhalb kurzer Zeit behoben" worden.

Wie es zu der Übertragung der Domain google.de an eine Mindener Internetfirma kam, war zunächst nicht bekannt. Es habe sich nicht um einen Hacker-Angriff gehandelt, sagte ein Google-Sprecher am Morgen der dpa.

Ein Hack? Wohl kaum

Mittlerweile scheint jedoch festzustehen, wie die Entführung vonstatten ging. "Einer unserer Kunden hat am 13. Januar die Domain google.de bei uns bestellt", sagte Marc Keilwerth, Geschäftsführer des Providers Goneo, bei dem google.de kurzzeitig lag. Diese Anträge würden vollautomatisch verarbeitet, sagte Keilwerth. "Da guckt kein Mensch mehr drüber." Der Kunde habe angegeben, Inhaber von google.de zu sein.

Der Antrag für den Umzug der Suchmaschine sei dann an den deutschen Domainverwalter Denic weitergeleitet worden. Die Denic habe den Umzugsantrag an den Provider von google.de weitergereicht - dieser habe offenbar jedoch nicht widersprochen, wie er es hätte tun müssen, um die Entführung zu verhindern. Von einem Hack könnte, sollte sich diese Erklärung bestätigen, also absolut keine Rede sein.

Die Übertragung einer Domain von einem Provider zu einem anderen läuft bei der Denic nach einem festen Schema ab. Reagiert der alte Provider auf den Wechselantrag nicht, auch wenn dieser vom Inhaber gar nicht gewünscht ist, dann wird der Wechsel nach einigen Tagen automatisch vollzogen. Dies soll verhindern, dass Provider Domainwechsel durch Untätigkeit blockieren können. "Dieses Verfahren ist sehr umstritten", sagte Goneo-Chef Keilwerth. "So etwas gibt es nur bei de-Domains."

Nach dem gleichen Schema sei es vor einiger Zeit auch einer Privatperson gelungen, ebay.de zu kapern. Nach Keilwerths Angaben kommen derartige Domainentführungen jeden Tag vor. "Bei Lieschen Müller fragt aber niemand danach", so Keilwerth.

Verwirrung um Mitternacht

Protokoll der Entführung: In Foren werden die Hintergründe diskutiert

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Am Montagabend um 19.33 Uhr sei der Wechsel von google.de zu Goneo vollzogen worden. Er war jedoch erst wirksam, als die Serverdaten gegen 23 Uhr aktualisiert waren. "Wir haben dann plötzlich sehr viele Mails bekommen von Leuten, die dachten, wir hätten ihre Rechner gehackt, weil statt ihrer Startseite google.de plötzlich ein Goneo-Banner zu sehen war", berichtete Keilwerth.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Der Mindener Provider wandte sich sofort an die Denic und wies auf die offensichtliche Domainentführung hin. Dort reagierte man angeblich, in dem man die Domain an einen anderen Provider, Favo aus Wiesbaden, weiterreichte - der Hintergrund hier offenbar ebenfalls eine Domainkaperung. "Da liefen wahrscheinlich zwei Umzugsanträge für google.de parallel", sagte Keilwerth.

Mittlerweile wurden die beiden Umzüge rückgängig gemacht. Auf Grund der Zwischenspeicher-Funktion des Internet könne es vereinzelt weiter zu Problemen beim Zugang zur Google-Seite kommen. Man erwarte aber, "dass für alle Nutzer die volle Funktionalität in Kürze wieder hergestellt ist."

Originalversion des Google-Screenshots: Oliver Mengedoht



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