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Internetkultur: Das sind die beliebtesten Apps in China

Von Katharin Tai, Peking

Videoportal Youku: Filme und Fernsehserien kostenlos anschauen - ganz legal Zur Großansicht

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Andere Länder, andere Apps: In Deutschland ist auf vielen Telefonen WhatsApp, MyTaxi oder die Facebook-App installiert. Nutzer in China nutzen ganz andere Dienste. Hier sind die beliebtesten.

Da westliche Marktführer wie Facebook, Google oder Instagram in China unzugänglich sind, bewegen sich die dortigen Smartphone-Nutzer in ihrem eigenen Ökosystem aus Apps und allgegenwärtigen Marken.

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass chinesische Apps schlechter sind - der service-orientierte chinesische Markt hat Anwendungen hervorgebracht, die das Leben der Kunden bis ins kleinste Detail vereinfachen sollen. Da sie vor allem in China genutzt werden, sind sie außerdem perfekt an die lokalen Gegebenheiten angepasst. Wir stellen elf der beliebtesten Anwendungen vor:

WeChat (Weixin)
Wenn es eine App gibt, die mobile Kommunikation in China dominiert, dann ist es WeChat. Im Westen wird es oft mit WhatsApp verglichen, aber die chinesische App geht deutlich weiter: Neben Einzel- und Gruppenchats können Nutzer Videos, Bilder oder einfach Text in ihren "Moments" posten, sodass eine Timeline aller Freunde zustandekommt. Wie in anderen asiatischen Chat-Apps üblich kann man sich außerdem eine große Auswahl an Stickern, selbstausgesuchte Gifs und sogar Geld zu Feiertagen schicken.

Taobao
Die Shopping-App schlechthin auf jedem chinesischen Smartphone - wenn man etwas sucht, findet man es auf Taobao. Seien es Ponys, Socken, Duschvorhänge oder Smartphones, hier gibt es alles. Bei Fragen zum Produkt kann man in der App sowohl vor als auch nach dem Kauf direkt mit den Verkäufern chatten. Ein weiterer Vorteil ist die detaillierte Sendungsverfolgung: Selbst innerhalb der gleichen Stadt sieht man, in welchem Sendungszentrum ein Paket gerade ist und welche ID der Angestellte hatte, der es zuletzt in Händen hielt.

Baidu Maps
Vielleicht die einzige App, die ein klares Äquivalent im Westen hat: Google Maps. Neben Informationen zu Routen und Zeiten im Nahverkehr, der in vielen Städten schon gegen zehn endet, bietet die App Offline-Maps, Wetter- und Shoppinginformationen. Die Entscheidung der chinesischen Nutzer für Baidu statt für Google Maps ist nicht ganz freiwillig: Google ist nicht nur gesperrt, sondern hat auch deutlich schlechteres Kartenmaterial für China als der einheimische Konkurrent.

Kugou Music
China ist berühmt-berüchtigt für seinen entspannten Umgang mit dem Copyright. Bei chinesischen Musik-Apps profitieren Nutzer davon direkt: Ob man nun chinesische Volksmusik, japanischen Metal oder deutsche Popmusik sucht, hier wird man fündig. Als zusätzliche Funktionen gibt es die Lyrics in Echtzeit auf den Handybildschirm und Zugang zu diversen chinesischen Radiosendern. Und wer nicht immer eine stabile Internetverbindung hat oder Daten sparen möchte, kann die Musik einfach auf sein Telefon herunterladen - alles kostenlos.

Dianping
Für alles, was mit Essen zu tun hat, wendet man sich an Dianping - sei es die Suche nach einem guten Restaurant in der Nähe, dem billigsten Angebot oder einem Lieferservice, der nicht weiter als 200 Meter entfernt ist. Neben Bewertungen sieht man bei verschiedenen Restaurants, wie viel Kunden im Schnitt pro Person bezahlen und was sie gegessen haben. Findet man ein Lokal ansprechend, lässt sich über die App auch direkt ein Tisch reservieren. Wem gerade nicht nach Essen ist, der kann bei Dianping allerdings auch nach Kinos, Karaokebars, Hotels oder Schönheitssalons und Sonderangeboten suchen, die es nur über die App gibt.

Didi/Kuaidi Dache
Obwohl es Uber auch in sieben chinesischen Städten gibt, dominieren Taxis alles, was nicht öffentlicher Nahverkehr ist. Über Didi oder Kuaidi Dache, die vor einigen Wochen ihren Zusammenschluss ankündigten, gibt man sein Ziel an, das dann an alle teilnehmenden Taxen in einem gewissen Umkreis gesendet wird. Wenn ein Fahrer annimmt, verabredet man sich per Telefon - sehr praktisch besonders in Städten, deren Taxen bei Regen keine Gäste vom Straßenrand einsammeln und in denen es keine Taxistände gibt. Im April kündigten die beiden Apps außerdem eine "Ride Sharing"-Funktion an, bei der man nur für das Benzin bezahlen soll.

Alipay
Während im Westen noch über die Möglichkeit einer "digitalen Brieftasche" diskutiert und Apple Pay als innovativ gefeiert wurde, ist China einen Schritt weiter: Mit Alipay bezahlen die Nutzer sowohl im Internet als auch in der realen Welt längst über eine App. Bei internationalen Überweisungen über Alipay fallen deutlich weniger Gebühren an als über das offizielle System, und auch sonst nutzen viele Chinesen die App mittlerweile wie ein Bankkonto. Banken fühlen sich bedroht, aber eine Regulierung seitens der Regierung gibt es bisher nur in Ansätzen.

MeituPic
Chinas beliebteste Foto-App hat einen anderen Fokus als Instagram: Statt des Bildes bearbeitet man vor allem sich selbst. Die eigene Haut heller, sich dünner und größer machen, Akne wegretuschieren, die Augen vergrößern oder zum Glänzen bringen - alles Standardoptionen, die einiges über chinesische Schönheitsideale aussagen. Dazu gibt es eine Riesenauswahl an Filtern, Pinseleffekten, Rahmen und Stickern, die man nach Belieben herunterladen kann. Damit dekoriert man seine Fotos, bevor sie in den "Moments" bei WeChat landen.

360 Mobile Security
Was iPhone-Nutzern "Find my iPhone", das ist Android-Nutzern diese App der Firma Qihoo, die auch einen Browser und einen Appstore anbietet. Mit über 50 Prozent Marktanteil ist die nordchinesische Firma klarer Marktführer und bietet Nutzern alles, was man sich für die Sicherheit seines Smartphones wünschen könnte: Sie kann das Gerät auf Viren scannen, den Datenverbrauch im Auge behalten, unerwünschte Telefonnummern blocken und das Handy aus der Entfernung orten, blockieren oder komplett löschen.

Youku
Wo Kugou sämtliche Musik bietet, die man sich wünschen kann, dominiert Youku den Videomarkt. Auch hier kann man viele Videos herunterladen, um unterwegs Daten zu sparen. Hier findet man problemlos und gut sortiert chinesische Fernsehserien und Filme - besonders verlockend für die vielen Chinesen, die täglich eine Stunde oder mehr auf dem Weg zur Arbeit verbringen. Da China zahllose Regionalsender hat, die nur sehr begrenzte Bereiche abdecken, kooperieren auch immer mehr Sender mit Videoplattformen, auf denen Serien parallel zum Fernsehen ausgestrahlt werden. So hat man alles auch direkt online zur Verfügung - und zwar legal.

QQMail
Während Gmail in Europa und den USA den Markt dominiert, hat sich der beliebteste chinesische Mail-Client aus einem Instant Messenger entwickelt. QQ war Tencents Antwort auf ICQ, ein Instant-Messenger für den Desktop, über den man nicht nur mit Freunden, sondern auch mit Dienstleistern wie Hotels und Onlinehändlern kommunizierte. QQMail-Adressen bestehen daher auch aus der jeweiligen QQ-ID, sodass eine E-Mail-Adresse wie 87654321@qq.com keine Seltenheit ist.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Eigenes Ökosystem und weitaus mehr als das
Katharina Merowing 27.04.2015
Ähnlich wie in Indien und Südamerika existiert in China bzw. im asiatischen Raum eine zum "Westen" parallele Medien- und Kunstkultur. Diese Identität wurde schon vor der staatlichen Zensur gepflegt und wird durch die Unzugänglichkeit weiter ausgebaut. In Deutschland und Europa würde ich mir eine solche Entwicklung wünschen, nicht die Zensur, aber eine moderne Eigenständigkeit, da unsere Medienkultur dominierend aus den USA importiert bzw. kopiert wurde und wir Diese vorwiegend konsumieren anstatt in vielen Bereichen selbst zu schaffen. Das transatlantische Freihandelsabkommen wird diese Dominanz noch weiter stärken und eine moderne europäische Kunst- und Kulturidentität weiter verdrängen. Hat jemand Gegenargumente? Danke
2. Wer solls bezahlen?
Untertan 2.0 27.04.2015
Zitat von Katharina MerowingÄhnlich wie in Indien und Südamerika existiert in China bzw. im asiatischen Raum eine zum "Westen" parallele Medien- und Kunstkultur. Diese Identität wurde schon vor der staatlichen Zensur gepflegt und wird durch die Unzugänglichkeit weiter ausgebaut. In Deutschland und Europa würde ich mir eine solche Entwicklung wünschen, nicht die Zensur, aber eine moderne Eigenständigkeit, da unsere Medienkultur dominierend aus den USA importiert bzw. kopiert wurde und wir Diese vorwiegend konsumieren anstatt in vielen Bereichen selbst zu schaffen. Das transatlantische Freihandelsabkommen wird diese Dominanz noch weiter stärken und eine moderne europäische Kunst- und Kulturidentität weiter verdrängen. Hat jemand Gegenargumente? Danke
Eine eigene Kultur kostet Geld. Geld mit dem man auch Banken retten und Manager-Boni auszahlen könnte.
3.
puqio 27.04.2015
WeChat ist auch in Europa beliebt und eine meine bevorzugten Apps. Besserer Datenschutz als WhatsApp und besserer Service. Und aus China droht bisher keine derartige Gefahr wie von der NSA un dem BND.
4. @3 puqio
bran_winterfell 27.04.2015
"Und aus China droht bisher keine derartige Gefahr wie von der NSA un dem BND." Lol... das sollte wohl der Brüller des abends sein ;-)
5.
angelauf 27.04.2015
Zitat von puqioWeChat ist auch in Europa beliebt und eine meine bevorzugten Apps. Besserer Datenschutz als WhatsApp und besserer Service. Und aus China droht bisher keine derartige Gefahr wie von der NSA un dem BND.
Es sollen schon Ausländer aus China ausgewiesen sein worden weil Sie über Wechat negativ über China gechattet haben.
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