Internet in China: Google schaltet Zensur-Warnung ab

Ein spezielles Angebot von Google ist für chinesische Nutzer nicht mehr zugänglich: Bei Abfrage zensierter Inhalte gab es einen Hinweis. Google hatte den Dienst erst Anfang 2012 gestartet. Kritiker sehen im Verschwinden der Tipps eine Form der Selbstzensur.

Internet-Café in Peking: Ein Google-Dienst, der vor Zensur warnt, ist nicht mehr erreichbar Zur Großansicht
DPA

Internet-Café in Peking: Ein Google-Dienst, der vor Zensur warnt, ist nicht mehr erreichbar

Nach wenigen Monaten sind Googles Anti-Zensur-Hinweise für chinesische Nutzer wieder verschwunden. Den Dienst hatte Google im Mai 2012 vorgestellt. Die Suchmaschine gab Nutzern bereits beim Eintippen Hinweise, welche Suchbegriffe in China erfahrungsgemäß zu einem temporären Abbruch der Verbindung führen können. Zusätzlich schlug Google alternative Suchbegriffe vor. Nun ist dieser Service Nutzerberichten zufolge eingestellt worden. Nach Angaben von Computerworld.com hat ein Google-Sprecher die Einstellung bestätigt, jedoch keine Gründe dafür genannt.

Für Nutzer in Festland-China waren Google-Suchen vor der Veröffentlichung dieses Dienstes oft mit einer Art unfreiwilligem Glücksspiel verbunden: Immer wieder kam es vor, dass sich die Suchmaschine nach der Eingabe bestimmter Begriffe mehrere Minuten lang nicht mehr nutzen ließ. Auslöser war meist, dass eines der eingetippten Zeichen auf der Zensurliste der chinesischen Machthabern steht. Dazu sollen Google zufolge auch Alltagsbegriffe zählen, etwa ein Zeichen für "Fluss", das zugleich der Name Jiang ist .

Googles Hinweise auf diese Zensur sind schon seit einigen Wochen verschwunden, berichtet Greatfire.org, eine Website, die sich mit der Zensur in China beschäftigt. Angeblich soll das Google-Angebot bereits in der ersten Dezemberwoche deaktiviert worden sein. Die entsprechende Hilfe-Seite soll ebenfalls in diesem Zeitraum gelöscht worden sein. Tatsächlich führt der Link zur Hilfe-Seite nur noch zu einer Fehlermeldung. Greatfire.org kommentiert, die Entscheidung Googles könne nur als "Selbstzensur" beschrieben werden.

Anders als in Europa ist Google in China nicht die meistgenutzte Suchmaschine, dort liegt das Angebot von Baidu vorn. Im November 2012 ließ sich Google zum Zeitpunkt des Parteitags der Kommunistischen Partei (KP) zeitweise nicht erreichen, es gab Spekulationen, dass das komplette Angebot blockiert wurde. 2010 hatte Google seine Server nach Hongkong verlegt, um seine Suchergebnisse nicht mehr selbst zensieren zu müssen.

In China gibt es zahlreiche Formen der Internetzensur: Beispielsweise müssen sich die Nutzer von Internetcafés ausweisen, auch Providern sollen Kunden künftig "offizielle Ausweisdokumente" vorlegen. Manche Internetangebote werden von den Machthabern blockiert, andere, beispielsweise Anonymisierungsdienste, selektiv verlangsamt. Anfang Januar wurden die Profile mehrerer Regimekritiker in Online-Netzwerken gesperrt.

mbö

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    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.


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