Internetreport In Nordkorea surfen nur 7000 Menschen im Netz

Weltweit nutzen immer mehr Menschen das Internet, aber es gibt noch Länder, die weitgehend offline sind. In Nordkorea surft nur eine verschwindend geringe Minderheit.

Machthaber Kim Jong-Un: Laut einem Bericht greifen nur geschätzte 7000 Menschen von Nordkorea aus auf das Internet zu
AFP PHOTO/KCNA VIA KNS

Machthaber Kim Jong-Un: Laut einem Bericht greifen nur geschätzte 7000 Menschen von Nordkorea aus auf das Internet zu


Knapp die Hälfte aller Menschen weltweit ist schon online, und es werden immer mehr. Es gibt aber auch noch ein paar weiße Flecken auf der Weltkarte der Internetnutzer: In Nordkorea zum Beispiel sind nur etwa 7000 Menschen online - dabei wohnen knapp 25 Millionen Menschen in dem Land. Das zumindest rechnet der Bericht "Digital in 2016"der Kommunikationsagentur "We are social" vor.

Insgesamt gibt es laut dem Bericht mittlerweile etwa 3,42 Milliarden Internetnutzer auf der Welt, das entspricht 46 Prozent aller Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Internetnutzer um zehn Prozent gestiegen. Für ihren Bericht hat die Agentur die Daten mehrerer Analyseplattformen ausgewertet, darunter die Werte der Internationalen Fernmeldeunion und die Daten der Statistikplattform "Internet World Stats".

Um überhaupt Internetnutzer aus dem hermetisch abgeriegelten Nordkorea zählen zu können, wendeten die Autoren des Reports einen Kniff an: Die Zahl der 7000 nordkoreanischen Internetnutzer bezieht sich in erster Linie auf die Anzahl der Facebook-Zugriffe aus dem Land, da es in Nordkorea keine klassischen Internetanbieter gibt.

Schnelle Leitungen in Südkorea

Einem Sprecher von "We are social" zufolge handle es sich bei diesen Zugriffen aus Nordkorea wohl vor allem um Geschäftsleute aus anderen Ländern, die mit dem Smartphone ihre Facebook-Timeline abrufen. Tatsächlich ist es für die Bürger Nordkoreas extrem schwierig, sich mit dem offenen Netz zu verbinden. In der Diktatur setzen die Machthaber vielmehr auf ein eigenes Intranet mit einer begrenzten Anzahl an Websites, die staatlich kontrolliert werden. Pjöngjang hat sogar ein eigenes Betriebssystem namens Red Star entwickeln lassen, gedacht für den Einsatz im nordkoreanischen Intranet.

In Südkorea ist die Bandbreite doppelt so hoch wie in Deutschland
We are social

In Südkorea ist die Bandbreite doppelt so hoch wie in Deutschland

Die Nachbarn in Südkorea machen hingegen eine rasante Entwicklung durch. Mit 90 Prozent der Bevölkerung nutzt dort fast jeder das Internet. Auch die Leitungen sind beinahe doppelt so schnell wie hierzulande.

Im Durchschnitt können die Südkoreaner mit einer Geschwindigkeit von 20,5 Megabit pro Sekunde im Internet surfen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Geschwindigkeit bei 11,5 Megabit.

Online-Nutzung: In Deutschland surft fast jeder Bürger im Netz
We are social

Online-Nutzung: In Deutschland surft fast jeder Bürger im Netz

Von den Deutschen sind demnach 89 Prozent im Netz, etwa 71 Millionen Menschen. Mit diesem Wert landet das Land bei der Untersuchung im europäischen Mittelfeld und weltweit auf den vorderen Plätzen.

jbr

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Max Super-Powers 29.01.2016
1.
Die Grafik mit den durchschschnittlichen Verbindungsgeschwindigkeiten zeigt doch nur, dass das ewige Gejammer, Deutschland wäre "Internet-Entwicklungsland" (u.A. gerne von Lobo so bezeichnet) schlicht und ergreifend falsch ist.
rudisresterampe 29.01.2016
2. 11,5 MBPS average?
Hatte jahrelang 3 MBPS im Zentrum von Münster und halte diese Zahl für masslos übertrieben, da es im flachen Land noch schlechter aussieht. Und in Südkorea oder Japan sind schon die Datendownloads über Handy megaschnell, da ist ein 10 MB file in 2 Sekunden runtergeladen...
j.h_biotech 29.01.2016
3. @Max super powers
11.5 Mb/s SIND viel zu wenig. Klar, für ein Weblog surfen und Mails abrufen reicht das. Sobald es aber um Streaming und das ggf. mit mehreren Personen geht reicht das vorne und hinten nicht aus. Und deswegen ist Deutschland tatsächlich Arm dran was Breitband Internet angeht!
analyse 29.01.2016
4. Und wie sich das für treue kommunistische Staatsbürger
gehört,verzichten 99,9% freiwillig aufs Internet !Die Ähnlichkeit mit 99% Wahlergebnissen in der DDR ist rein zufällig.
Bueckstueck 29.01.2016
5. Immerhin:
Wir wissen jetzt, wieviele Parteibonzen es in Nordkorea gibt - inlusive Sippe.
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